Elegant: das Caféhaus des Fährhafens in Konstanz.Foto:Stefan Jehle Foto:  

Es gibt - Bauhaus-Exoten im Land, die kaum wahrgenommen werden: vom Naturschutzzentrum in den Rheinauen – bis zum Zeppelin-Museum am Bodensee. Drei Beispiele für wenig bekannte Bauhaus-Gebäude im Land – im Jubiläumsjahr.

Karlsruhe - In Baden-Württemberg gilt die 1927 erstellte und 2016 in das Unesco-Welterbe aufgenommene Stuttgarter Weißenhofsiedlung als bedeutendstes Bauwerk des Bauhauses. Das 100-jährige Bestehen dieser Kunstrichtung und der in Weimar und Dessau eingeläuteten „Architektur der Moderne“ wird in diesem Jahr groß gefeiert. Die Ikonen dieser Architektur rücken dabei in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch im Schatten der großen medialen Aufmerksamkeit gibt es im Land auch andere Bauhaus-Werke, die zwar weniger bekannt als die Weißenhofsiedlung, aber durchaus prägend sind. Sie alle eint die schlichte, unaufdringliche und doch sehr präsente Schönheit der Bauweise.

 

„Ästhetik abseits von Schnörkel und Schnickschnack muss nicht immer unangenehm aufbegehren“, sagt der Kunsthistoriker Hans-Peter Schwanke. Im Blick hat er dabei den ehemaligen Hafenbahnhof in Friedrichshafen am Bodensee. Der Flachdachbau mit langen Fensterbändern und einem Turm, gestaltet nach Plänen des einstigen Stuttgarter Reichsbahnoberrats Karl Hagenmayer, wurde zwischen 1928 und 1933 erbaut, ein Jahr nach der Weißenhofsiedlung in Stuttgart – und durch Bombenangriffe 1944 zerstört. Nach dem Krieg hat man ihn aber wiederaufgebaut. Das Gebäude gilt als ein Beispiel dafür, in welchem Maß sich das Neue Bauen und die Bauhaus-Architektur auch abseits der Zentren durchsetzen konnten.

„Koloss mit weißen Kuben“

Für Schwanke, der eigentlich in Krefeld zu Hause ist, der aber in Konstanz eine Zweitwohnung hat, wirkt das Bauwerk geradezu „gravitätisch“. Jedem, der sich mit einem der Katamarane, die Konstanz und Friedrichshafen verbinden, oder mit den Autofähren vom schweizerischen Romanshorn her auf dem Wasser bewegt, fällt das ausladend breit wirkende Gebäude schnell ins Auge. Der Kunsthistoriker Schwanke schwärmt geradezu von „dem kantigen Koloss mit weißen Kuben“ und einem Restaurantbalkon im Obergeschoss. „So viel Innovation hätte ich einem Baubeamten gar nicht zugetraut“, sagt er.

An der Westseite des breiten Hauptbaus dominiert ein in das Gebäude „eingeschnittener“ Uhrenturm. Heute freilich halten in der Bahnhofshalle im Obergeschoss keine Züge mehr – seit 1996 residiert in dem Bau das Zeppelin-Museum. Im Mittelpunkt steht nun das in Teilen nachgebaute Luftschiff LZ 129. Auch dort taucht der Bauhaus-Stil auf: in original rekonstruierten Lese- und Aufenthaltsräumen mit von dem Designer Breuheus de Groot entworfenen Aluminiummöbeln.

Versteckt und abgelegen

Einen markanten Kontrast, zumindest von den äußeren Maßen her, bildet dazu das Naturschutzzentrum in Karlsruhe. Versteckt und abgelegen steht es mitten in der Naturwildnis der Rheinauen westlich der nordbadischen Großstadt. Die einstige Städtische Vogelwarte, die 1928/29 nach Plänen des Architekten Walter Merz, der beim Karlsruher Hochbauamt beschäftigt war, erbaut wurde, ist zwar weit weniger bekannt als beispielsweise die großzügige Karlsruher Dammerstock-Siedlung. Und doch gilt sie als ein eindrucksvolles Beispiel des Neuen Bauens.

Die Vogelwarte war damals ein Teil eines Naherholungsgebiets auf der Altrheininsel Rappenwört, das aus zwei Elementen besteht: aus dem nach 1924 entstandenen und bis heute intensiv genutzten Rheinstrandbad – und dem aus einem Naturpark mit der Vogelwarte bestehenden östlich davon gelegenen Areal. Die Stadt errichtete die Vogelwarte mit einer „Direktorenwohnung“ im Erdgeschoss in einer „in funktionaler und ästhetischer Hinsicht überzeugenden Anlage“, wie es in einer Denkschrift 2002 hieß.

Einst als Vogelhaus geplant

Aber bereits 1934 sei die Einrichtung wegen zu hoher Unterhaltskosten wieder geschlossen worden, erzählt der Karlsruher Stadtarchivar Volker Steck. Später diente das Gebäude erneut kurzzeitig, von 1980 bis 1993, als Vogelschutzwarte. Im Hauptgebäude auf der Nordseite sind seit 1997 die Mitarbeiter des heutigen Naturschutzzentrums tätig, wo über die Besonderheiten der umgebenden Natur, des Rheins und der Altrheinarme informiert wird. Der gläserne, pavillonartige, 17,5 Meter lange Anbau südlich davon, einst als Vogelhaus konzipiert, dient Ausstellungszwecken: etwa über die Auswirkungen von Rheinhochwässern.

Ein Blick zurück an den Bodensee: Am südwestlich gelegenen Ufer, am Fährhafen im Konstanzer Stadtteil Staad, fällt dem vom Wasser her einfahrenden Besucher ein zwar schlichtes, aber markantes, als Rundbau angelegtes Caféhaus ins Auge und ein westlich davon sich anschließender verglaster Wartepavillon. Das Gebäude sei, zusammen mit seinem Gegenstück in Meersburg, „verkehrsgeschichtlich und auch architekturhistorisch interessant“, sagt eine Sprecherin des Landesdenkmalamts beim Regierungspräsidium Stuttgart. Der Architekt der Bauten, Hermann Blomeier, ein Schüler Mies van der Rohes, hat von 1930 bis 1932 am Dessauer Bauhaus studiert. Von 1933 an wohnte er in Konstanz, seine Gebäude prägen bis heute das Bild der Stadt.

An Bauhaus angeknüpft

Die Pavillonbauten in Staad und Meersburg, entstanden erst 1951, sind frühe Nachkriegsbauten Blomeiers, mit denen er direkt an die Traditionen des Bauhauses anknüpft. „Geradezu schwerelos wirken die runden Caféhäuser mit ihren überstehenden Flachdächern, Aussichtsterrassen und dünnen Stützen“, sagt der Kunsthistoriker Hans-Peter Schwanke. Und die beiden Ländebauten zeigten, „wie technoide, multifunktionale Kleinbauten auf sinnfällige Weise zu einer erquicklichen Ausdrucksarchitektur aufgewertet werden können“. Mit den von graublauen Stahl- und Aluminiumprofilen gerahmten Fensteröffnungen „erscheine der Übergang zwischen dem Wasser und dem Land nahtlos“.