Die Grafenauerin Kathrin Brox betreibt in Filderstadt den Hundefriseur-Salon Brox dogs. Zu ihrer Kundschaft zählen hauptsächlich Hundebesitzer aus Amerika.
Fast jeden Morgen macht Kathrin Brox auf ihrem Weg zur Arbeit halt vor den US-Kasernen im Raum Stuttgart und sammelt dort die Hunde der amerikanischen Mitarbeiter ein. In ihrem großen Truck fährt die Grafenauerin die Tiere nach Filderstadt, in ihren Friseursalon. Dort holen die Besitzer ihre Hunde gegen Nachmittag wieder ab – frisch gebadet, mit gestutzten Krallen, geputzten Ohren und sauber getrimmtem Fell.
Kathrin Brox ist Hundefriseurin. Der Service, die Hunde direkt aus den Kasernen abzuholen, ist allerdings ein Alleinstellungsmerkmal ihres Salons. 90 Prozent der Kunden ihres Ladens Brox dogs stammen nämlich Amerika, und viele sind beruflich in den Kasernen stationiert. „Die meisten Kunden bringen ihre Hunde selbst zu mir, aber für die Leute in den Kasernen ist das immer ein bisschen schwierig“, sagt sie.
Expertin unter anderem für in den USA beliebte Pudel
Dass ihre Kundschaft hauptsächlich aus den USA kommt, hat sich laut Kathrin Brox mit der Zeit so ergeben. „Ich kann sehr gut Pudel schneiden und habe mal die Frisur des Pudels einer amerikanischen Kundin gerettet“, erzählt Kathrin Brox. Diese Kundin sei davon so begeistert gewesen, dass sie Kathrin Brox’ Hundesalon in amerikanischen Gruppen weiterempfohlen hat. „Und so hat das Schicksal seinen Lauf genommen.“
Pudel sind in Amerika tatsächlich eine viel populärere Hunderasse als in Deutschland. Unter anderem, weil es so viele verschiedene Varianten gibt. „Im Grunde ist alles, wo ein Doodle oder Poo im Namen ist, irgendwie mit dem Pudel verwandt“, sagt Brox. „Und diese Rassen sind in Amerika sehr beliebt.“
Fell stutzen hat etwas mit der Gesundheit des Tieres zu tun
Bei Brox Dogs sind allerdings auch andere Hundearten willkommen. Denn die Fellpflege eines Hundes hat nicht nur einen kosmetischen Sinn, sondern ist auch wichtig für die Gesundheit. „Es gibt Hunde, deren Fell nicht aufhört zu wachsen oder die Probleme mit dem Fellwechsel haben“, sagt Kathrin Brox. „Wenn man das Fell nicht regelmäßig stutzt oder trimmt, verfilzt es, und dann kommt keine Luft an die Haut.“
Grundsätzlich nimmt das Thema Tierfellpflege in Amerika aber einen ganz anderen Raum ein als in Deutschland, so Kathrin Brox’ Beobachtung. „Die amerikanischen Kunden kommen häufiger, lassen zum Teil sogar ihre Kurzhaarhunde alle zwei Wochen bei mir baden.“ Kunden aus Deutschland würden dagegen eher darüber diskutieren, ob die zeitlichen Abschnitte zwischen den Sitzungen nicht etwas ausgedehnt werden können.
Hunde entspannen sich besser ohne Herrchen oder Frauchen
Mit den Hundebesitzern ist es übrigens generell so eine Sache, sagt Kathrin Brox. „Es ist tatsächlich so, dass es viel leichter ist, Hunde zu frisieren, wenn die Besitzer nicht dabei sind.“ Aber nicht, weil die Besitzer ihr auf die Finger schauen wollen, sondern weil sich die Hunde so besser entspannen können. „Der Hund hat unterbewusst das Gefühl, dass sein Besitzer ihn beschützen will“, erklärt Kathrin Brox. „Und wenn der Besitzer ihm gut zuredet und sagt, er muss keine Angst haben, bekommt der Hund noch mehr Angst.“
Während der Coronapandemie, als die Besitzer grundsätzlich nicht bei den Sitzungen dabei sein durften, habe Kathrin Brox gemerkt, dass die Tiere allein viel kooperativer sind. „Aber ich verstehe natürlich auch, wenn jemand seinen Hund nicht so gern in fremden Händen lassen will“, sagt die 50-Jährige.
Ausbildung zum Hundefriseur gibt es in Deutschland nicht
Schließlich besitzt sie selbst drei Border Collies und ist mit Hunden groß geworden. Als Kind habe ihr ein Zwergschnauzer gehört, der regelmäßig den Friseursalon aufsuchen musste. „Mir hat es dort gefallen, und ich habe angefangen, ständig im Salon meine Zeit zu verbringen.“ Mit 14 Jahren durfte sie dann endlich selbst den ersten Kundenhund schneiden. „Das sah ganz furchtbar aus“, erinnert sie sich schmunzelnd.
Eine richtige Ausbildung zum Hundefriseur gibt es in Deutschland allerdings nicht. Stattdessen hat Kathrin Brox den Beruf der Tierarzthelferin gelernt. „Aber ich bin absolut nicht teamfähig, und es wäre für alle Beteiligten fatal gewesen, wenn ich in einer Tierarztpraxis gearbeitet hätte“, gibt sie zu.
Zehn Hunde am Tag
Nach ihrem Umzug von Schleswig-Holstein nach Leinfelden eröffnete sie deshalb im hauseigenen Wintergarten ihren ersten Hundesalon. „Ich dachte, mit zehn Kunden am Tag wäre ich glücklich“, sagt sie. „Dann wurden es zehn am Tag.“ Ihre Räumlichkeiten in Filderstadt hat Kathrin Brox seit 2017. Dass sich Filderstadt nicht unbedingt in nächster Nähe zu ihrem Wohnort Grafenau befindet, stört sie dabei gar nicht. Im Gegenteil: „Die Strecke ist sogar sehr praktisch – ich komme auf dem Weg zur Arbeit nämlich ohne Umwege an fast allen Kasernen in der Umgebung vorbei“, sagt sie.