Ein großes Fußballfest im eigenen Land, Stars vor der eigenen Haustür: Das Jahr 2024 steht ganz im Zeichen der EM – und Freudenstadt ist mittendrin. Unsere Redaktion bekam Einblicke in das Quartier der dänischen Nationalmannschaft.
Zeit, um Dänisch zu lernen, hat Hoteldirektor Steffen Schillinger bislang noch nicht gefunden. Das Hotel Fritz Lauterbad ist zum Jahresende hin ausgebucht, sein Terminkalender ohnehin voll. Wenn aber im Sommer nächsten Jahres die dänische Nationalmannschaft ihr EM-Quartier bezieht, wird Schillinger das Team sicherlich mit einem herzlichen „Velkommen“ in Freudenstadt begrüßen, wie der "Schwarzwälder Bote" berichtet.
Erst seit wenigen Tagen ist bekannt, dass die dänische Auswahl zur Fußball-Europameisterschaft (EM) 2024 nach Freudenstadt kommen und währenddessen im Hotel Fritz Lauterbad gastieren wird. Dort steigt die Vorfreude von Tag zu Tag: „Die Mitarbeiter sind alle super happy“, berichtet Schillinger. Der Hoteldirektor selbst gibt sich gelassen, auch die vergangenen Wochen seien zu seinem Erstaunen „ziemlich entspannt“ gewesen, erzählt er.
Und das, obwohl bis zur Zusage der Dänen nicht feststand, ob zur EM überhaupt eine Mannschaft nach Freudenstadt kommen wird. Seit 2021 war Schillinger in Gesprächen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), in denen die Räumlichkeiten des Hotels, die Konditionen und natürlich auch die Sicherheit Thema waren. Vertreter von sechs Verbänden waren vor Ort, um sich das Hotel Fritz Lauterbad anzuschauen und signalisierten teilweise ihr Interesse, doch Garantien gab es für Schillinger keine. Der Ungewissheit zum Trotz ließ er das gesamte Hotel für einen möglichen EM-Gast reservieren – was sich nun ausgezahlt hat.
Zweifel an langfristigem Effekt
Während Stadt und Dehoga mit einem nachhaltigen Schub für den Tourismus rechnen, formuliert Schillinger allerdings eher bescheidene Erwartungen. Trotz der medialen Aufmerksamkeit bezweifelt er, dass die EM-Euphorie einen langfristigen Effekt für sein Hotel haben wird. An die Team-Quartiere bei den letzten Europameisterschaften erinnere sich heute schließlich kaum noch jemand, unterstreicht Schillinger, dem es mehr um den Erlebnisfaktor geht: Der Aufenthalt der Dänen sei ein „total spannende“ Erlebnis, sagt er.
Obwohl er nach eigenem Bekunden „kein Fußballnarr“ ist, weiß Schillinger, dass mit „Danish Dynamite“, wie das Nationalteam auch genannt wird, echte Fan-Lieblinge in den Schwarzwald kommen: „Sie haben die Sympathie von vielen gewonnen“, sagt Schillinger.
Die dänische Freundlichkeit bekam der Hoteldirektor bereits zu spüren – schon jetzt hätten sich viele Menschen aus der Region mit dänischen Wurzeln bei ihm gemeldet und ihre Hilfe angeboten, erzählt Schillinger. Mit deren Unterstützung möchte er dafür sorgen, dass sich die Gäste im Schwarzwald möglichst heimisch fühlen.
67 Zimmer werden von den Dänen belegt, neben den Spielern reist, wie bei Welt- und Europameisterschaften üblich, ein großer Betreuerstab mit nach Freudenstadt, darunter auch Köche, die vom Küchenteam des Hotels unterstützt werden.
Wiederholt sich Geschichte?
Sportlich kann das Team um Stars wie Christian Eriksen (Manchester United) oder Yussuf Poulsen (RB Leipzig) eher den Außenseitern zugeordnet werden, ist jedoch für die ein oder andere Überraschung gut. Ein EM-Triumph wie im Jahr 1992, als die dänische Nationalmannschaft als Nachrücker den Titel holte, wäre eine Sensation. Dann würde auch Schillinger einen EM-Effekt für sein Hotel nicht mehr anzweifeln – der Hoteldirektor fängt knapp sechs Monate vor dem Auftaktspiel der Dänen in Stuttgart jedenfalls ein wenig mit dem Träumen an: Bei einem Titelgewinn, meint er, würden sicherlich viele über die gute Luft, die gute Küche und die Natur im Schwarzwald sprechen. Schillinger hätte – so viel ist sicher – kein Problem damit, sein Hotel auch noch im Juli, wenn die EM in die heiße Phase geht, dem dänischen Team zur Verfügung zu stellen.