Maskenmann Nigel Mansellvor der Kamera von Fred Jahns. Foto: Peter Petsch

Als Bub hat Fred Jahns seine Idole auf der Solitude bewundert. Heute, zig Jahrzehnte später, bastelt der Stuttgarter Schaukästen als Hommage an die Stars des Motorsports.

Stuttgart - Fotos von Autos gibt es mehr als genug. Wahrscheinlich sogar mehr als von nackten Frauen. So gesehen ist ein Motorsportfan, der Fotos von Rennfahrern und Rennwagen an die Wand hängt, nichts Besonderes. Auch wenn er sie selbst fotografiert hat. Doch eines Tages genügte das Fred Jahns (65) nicht mehr. Er hatte Fotos an der Wand, Modellautos in Kisten und Autogramme in Alben und dachte sich: „Warum packe ich das nicht zusammen.“

Er tüftelte und probierte, ging zu einem Schreiner und ließ sich Schaukästen bauen. In die hinein setzte er etwa einen Porsche 907, ein Foto von Vic Elford, der mit diesem Wagen die Targa Florio 1968 gewann. Und dessen Autogramm. Oder John Surtees und seinen Ferrari oder Nigel Mansell und seinen Williams oder Mario Andretti und seinen Lotus. An das Foto von Andretti kann sich Jahns noch gut erinnern. „Da stand ich in Hockenheim zehn Meter weg in einer Menschenmenge und habe gewartet, bis er endlich herschaut“, erinnert er sich, „plötzlich schaut er auf, direkt in die Kamera.“

Wie Jahns ins Fahrerlager kam, will er zunächst nicht erzählen. Auch nach Jahrzehnten ist es ihm noch unangenehm, dabei zeigt die Geschichte doch, wie erfindungsreich Fans sein können, wenn sie ihren Idolen nahe sein wollen. Den entscheidenden Kniff wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, doch einst gelang es Jahns und einem Freund, sich an den Formel-1-Strecken dieser Welt als Journalisten auszugeben und sich ins Fahrerlager zu schmuggeln. Dort gingen sie mit dem Fotoapparat auf die Jagd nach Bildern von den Stars der Motorsportszene. Jim Clark oder Jochen Maas, um nur zwei zu nennen, verewigte Jahns und nahm sie mit nach Hause.

„Und neben der Straße geht es 600 Meter in die Tiefe“

Bleibende Eindrücke. So wie die Besuche auf der Solitude. „Mein Onkel nahm mich an die Rennstrecke mit und ins Neckarstadion“, sagt er, „aber Fußball war nicht meins, ich habe mich für Motorsport begeistert.“ So pilgerte er Jahr für Jahr zu den Rennen auf die Solitude, stand sich vor dem Hotel Eiss in Leonberg die Beine in den Bauch. Dort stiegen die Fahrer ab, und hin und wieder erhaschte man einen Blick. Jahns war fasziniert von Autos. Er lernte Kfz-Mechaniker, nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er als Autoverkäufer.

Aber schwäbisch-solide. Seine Motorsportbegeisterung lebte er mit dem Foto aus, nicht am Lenkrad. Einmal einen Rennwagen über die Nordschleife am Nürburgring zu hetzen, das reizt ihn nicht. Nervenkitzel hat er nun bei der Hatz nach Modellautos. Manche sind rar und schwer zu bekommen. Etwa jener Audi Sport Quattro, den Walter Röhrl bei der Rallye Pikes Peak den gleichnamigen Berg im US-Bundesstaat Colorado hochhetzte. 10 Minuten und 47 Sekunden brauchte er für die knapp 20 Kilometer. „Alles Schotterpiste“, sagt Jahns, „und neben der Straße geht es 600 Meter in die Tiefe.“

Röhrl meisterte den Kurs. Aber viele der Idole, die Jahns ehrt, sind auf der Strecke gestorben: Jim Clark, Stefan Bellof, Graf Ber­ghe von Trips, Ayrton Senna. Bis heute werden sie geliebt, sind gerade durch ihren frühen Tod Legenden geworden. Vielleicht finden Jahns Schaukästen deshalb so großen Anklang. Eigentlich hat er sie nur für sich selbst gebastelt, für die eigenen vier Wände. Doch der vielen Anfragen wegen geht er nun doch mit seinen Schätzen auf Reisen. Bei der Retro Classics und anderen Messen, in Museen hat er sie gezeigt.

Nun hängen die Schaukästen bis 17. Mai im Foyer des Verlags Motorpresse, Leuschnerstraße 1, Stuttgart-Mitte (9 bis 17 Uhr). Dort wird Fred Jahns am Freitag von 13 bis 17 Uhr Interessierten seine Bilder erläutern und seine Erinnerungen dazu erzählen.

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