Homeoffice ist beliebt und treibt doch die Belegschaften in einer hybriden Arbeitswelt auseinander. Die Arbeitgeber verpassen es, mit modernen Betriebsvereinbarungen dagegen anzugehen, meint Matthias Schiermeyer.
Die Geschichte vom Siegeszug des Homeoffice scheint noch nicht auserzählt zu sein – noch immer kommen neue Studien und Umfragen auf den Tisch. Gemein haben sie die Schwäche, Durchschnittsergebnisse zu präsentieren, die die Unterschiede wegbügeln. Während in der Firma A leere Flure das Indiz starker Homeoffice-Nutzung sind, kann in den Büros der Firma B nebenan mächtig Betrieb sein. Es kommt stets auf diverse Faktoren an. Auch die positiven wie negativen Erfahrungen der Beschäftigten mit der Remote-Arbeit weichen oftmals stark voneinander ab. Insofern ist die Arbeitswelt so ausdifferenziert wie nie zuvor.
Immerhin bestätigen die meisten Erhebungen den Trend zur hybriden Arbeit – also zur Koexistenz von Büroarbeit und Homeoffice. Diese Entwicklung dürfte sich weiter verfestigen. So fragt sich, ob es in der Mehrheit der Unternehmen (modernisierte) Betriebsvereinbarungen zur mobilen Arbeit gibt. Zweifel sind angebracht. Vielfach lassen die Arbeitgeber die Dinge einfach laufen – vermutlich weil sie sich sonst mit den Mitbestimmungsrechten des Betriebsrats auseinandersetzen oder mehr Geld in die Heimarbeitsplätze investieren müssten.
Wenn Belegschaften auseinanderfallen
Dabei böte dies die Chance, neue Zielbilder für die gemeinsame Arbeit zu entwickeln – damit würde das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation mit dem Arbeitgeber gestärkt. Schließlich schafft Homeoffice auch große Ungerechtigkeiten: Ein Teil der Mitarbeiter darf (sogar im Ausland), der andere nicht. Es wirkt, als seien Belegschaften in alle Winde zerstreut. Doch eine klare Strategie für die flexiblen Arbeitszeitmodelle sucht man oft vergebens. Dies lädt auch die als zunehmend illoyal geltenden jüngere Arbeitnehmer geradezu ein, lieber den Arbeitgeber zu wechseln, wenn ihnen dieser nicht mehr gefällt oder die Work-Life-Balance nicht stimmt. Das Risiko, dass ein Betrieb auseinanderfällt, ist nicht zu unterschätzen.