Mehr als tausend besonders wertvolle Nadelholz-Stämme aus fünf Landkreisen liegen derzeit an Sammellagerplätzen im Rems-Murr-Kreis und warten auf neue Besitzer.
„Astrein!“, sagt Hans-Peter Fickler. Und meint es genau so. Der mächtige, fünf Meter lange Fichtenstamm, der vor ihm auf der Wiese bei Kaisersbach liegt, ist frei von Ästen, Astlöchern und macht auch sonst eine sehr gute Figur. Fickler prüft mit erfahrenem Blick den kreisrunden Abschnitt mit den Jahresringen: der innere Kern sitzt zentral, das ist gut. Die Ringe verlaufen gleichmäßig und ihre Abstände werden zur Rinde hin immer enger, die Linien feiner. Wäre das anders, wäre das schlecht: „Steht ein Baum permanent im Wind oder wächst er schräg, gibt es da Ungleichmäßigkeiten, die man an den Ringabständen erkennen kann und die sich negativ auf die Holzqualität auswirken.“ Fachleute nennen das Druckholz oder Buchsholz. „Für Fenster ist so ein Holz eine Katastrophe, weil es sich verzieht und dann zieht’s rein“, sagt Fickler.
Pilze, Borkenkäfer und Harzgallen
Schäden durch den Bläuepilz und Borkenkäfer gelte es ebenso auszuschließen wie Harzgallen; harzgefüllte Hohlräume in Baumstämmen. Sie tauchen vornehmlich bei Fichten, Kiefern und anderen Nadelhölzern auf und entstehen beispielsweise, wenn sich der Baum so sehr biegt, dass Fasern reißen und es dadurch Hohlräume gibt, die der Baum mit Harz wieder repariert.
Eine Harzgalle pro Festmeter sei gerade noch akzeptabel, sagt der Fachmann. Die oft nur wenige Millimeter breiten Schadstellen sind für Laien schwer zu erkennen. Fickler entgeht keine. Seit 1978 besitzt der studierte Wirtschaftsingenieur ein Säge- und Hobelwerk im Allgäu, im Alter von 24 Jahren hat er es gegründet, und mittlerweile ungezählte Bäume begutachtet und ersteigert. „Man muss schon genau hinschauen“, sagt er, „sonst kostet es viel Geld!“ Auf den Fichtenstamm jedenfalls wird er bei der Wertholzsubmission sicherlich bieten, verrät er. Gut 200 Euro pro Festmeter.
„Ich bin auf der Suche nach den Filetstücken der Bäume“, erklärt Fickler. Aus dem Holz sollen vornehmlich hochwertige Fensterrahmen, Furniere und Fußböden gemacht werden, auch für Landhäuser in der Schweiz würden seine Hölzer verwendet. Besonders gute Stücke eigneten sich auch für Möbel und Musikinstrumente. Wer nur einen Hasenstall bauen wolle, der sei in seinem Sägewerk jedenfalls an der falschen Adresse.
Baum in zwei Minuten bewertet
Fickler ist eigens für zwei Tage mit zwei Mitarbeitern aus Waltenhofen angereist. Die drei Männer begutachten an den drei Sammellagerplätzen insgesamt rund 1250 Stämme in Kaisersbach und Sulzbach an der Murr sowie Murrhardt. In der Summe sind es 1445 Festmeter (795 Tanne, 465 Fichte, 96 Kiefer, 79 Lärche und 10 Douglasie). Die meisten der Stämme sind auf fünf Meter Länge zurechtgesägt, einige sind auch zehn Meter lang, alle haben stattliche Durchmesser von 50 Zentimetern und mehr.
Zum Glück liegt aktuell kein Schnee. „Sonst müssten wir alle Stämme vorher abkehren, sie müssen für die Begutachtung garantiert schneefrei sein“, sagt der Förster Jürgen Baumann. Hans-Peter Fickler nickt: „Wir wollen schließlich den Stamm samt Rinde und keinen Puderzucker sehen.“
Gebote werden schriftlich abgegeben
Das wertvolle und dicke Nadelstammholz kommt aus vielen Privat- und Gemeindewäldern aus fünf Landkreisen und wurde zu den drei Sammellagerplätzen transportiert, um sie dort käuferfreundlich konzentriert zu präsentieren, sagt Revierförster Friedmann Friz. Die Mengenbündelung locke überregionale Kunden an und führe zu deutlich höheren Erlösen, ergänzt Frank Hofmann von der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer-Wald: „Wir haben 30 Einladungen an potenzielle Kunden in Deutschland und Österreich verschickt, ich schätze, dass etwa 15 das Holz anschauen.“ Alle Gebote werden schriftlich abgegeben und am 5. Februar gesichtet. Danach bekommt derjenige den Zuschlag, der für den jeweiligen Stamm den höchsten Eurobetrag angeboten hat. Nicht jeder Stamm sei einwandfrei, doch auch diese fänden ihre Abnehmer, beispielsweise in Schreinereien.
Manche Bäume mehr als 200 Jahre alt
Revierförster Friz und seine Kollegen haben die Waldbesitzer im Vorfeld der Submission beraten, welche ihrer Bäume für den Sonderverkauf in Frage kommen. Alle Stämme, etliche davon mehr als 200 Jahre alt, kommen aus ordnungsgemäßer Waldwirtschaft und nicht aus Kahlschlägen oder Rodungen. Einige Bäume hätten sich aufgrund der zuletzt trockenen und heißen Jahre in einem kritischen Gesundheitszustand befunden, erklärt Friz. „Es geht hier um Wertschöpfung“, sagt er. „Wir wollten die Bäume einer bestmöglichen Verwendung zuführen.“ Der Wertholzverkauf trage zudem zur Nachhaltigkeit bei. „Wenn daraus haltbare Produkte hergestellt werden, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte erhalten bleiben, wird das CO2 lang gespeichert.“ Und durch die selektive Ernte und Aufforstung werde der CO2-Speicher im Wald erhalten und sogar gesteigert, da junge Bäume Kohlendioxid effizienter aufnehmen.