Eine Show im Farbenrausch: Bei „Holiday on Ice“ geht es rasant zu. Am Mittwochabend ist die Stuttgart-Premiere gefeiert worden. Foto: Lichtgut//Achim Zweygarth

Viel mehr als Eis und Spitzenkönner auf Schlittschuhen bietet „Holiday on Ice“. Mit virtueller Wucht bricht die Revue zu neuen Dimensionen auf, als sei sie eine immersive Ausstellung. Bei der Stuttgart-Premiere mit Vanessa Mai ist die Begeisterung groß.

Das Wort Holiday im Namen verdankt die Eisrevue, die ihren 80. Geburtstag mit der Show „No Limits“ vor einem euphorisch jubelnden Publikum in der Porsche-Arena feiert, einem harten Winter. Der Legende nach ist dereinst eine Eislauftruppe unfreiwillig in Toledo im US-Staat Ohio gestrandet. In den Weihnachtsferien, der sogenannten „Holiday Season“, ist’s damals geschehen. Bis heute ist der Besuch des Spektakels ein bisschen wie Urlaub – es geht weit weg in atemraubende und kunterbunte Fantasiewelten.

 

Das Eis war in acht Jahrzehnten die Grundlage zum Erfolg. Transportable Kühlsysteme, Mitte der 40er Jahre in den USA entwickelt, machten die Tournee möglich. 1951 feierte die Revue ihre Deutschland-Premiere. Stars des Eissports, gern auch Olympiasieger, kamen dazu. Und von Jahr zu Jahr wird immer noch mehr geboten. Gleich in der Nachbarschaft zieht gerade die immersive 360-Grad-Ausstellung „Tutanchamun“ die Massen an in einen Anbau der Schleyerhalle. Bei „Holiday on Ice“ fühlt man sich dank einer dreidimensionalen LED-Leinwand aus über zwei Millionen Pixeln, einem Lichtspektakel auf der Eisschicht und Leuchtspots, die von der Decke herunterfahren, an den virtuellen Hype erinnert, den man in Ausstellungen der neuen Art erleben kann, die sich als Museen der Zukunft sehen.

Da wird es einem warm ums Herz

Eiskalt kalkuliert mag das Konzept von „Holiday on Ice“ sein – aber im Farbenrausch, bei gutem Sound mit vielen Hits, bei irren Stunts und einer betörenden Schönheit der Schlittschuh-Schauläufer wird’s einem warm ums Herz. Ob in gemeinsamen oder solistischen Auftritten – die Grenzen zwischen Feuer und Eis werden überwunden. Wow-Effekte sorgen dafür, dass die Besucherinnen und Besucher in wechselnden Szenen, ob im Western-Salon oder beim Schachspiel, emotional gepackt werden.

Mega-Eisstars wie Katarina Witt und Marika Kilius gibt es heute nicht mehr, die nach ihrer Sportkarriere viel Geld bei „Holiday on Ice“ machten. Als Eisprinzessin wird deshalb eine Sängerin ohne Kufen präsentiert. Vanessa Mai aus Backnang hat noch bis Sonntag in Stuttgart quasi Heimspiele – und bereits am 4. Mai kehrt die am 2. Mai geborene Frau Mai mit ihrer für die Porsche-Arena konzipierten Show „Zuhause“ an diesen Ort zurück. Zwei Songs gehören ihr in der Eisrevue, ihr Auftritt ist gewohnt sexy und faszinierend. Schlittschuhe jedoch zieht sie nicht an, weil die Verletzungsgefahr zu groß sei.

Im Herbst kommt die „Eiskönigin“ nach Stuttgart

Das Publikum spendet der Sängerin viel Beifall – aber die Gemeinschaftsleistung des gesamten Ensembles mit rasant wechselnden Kostümen und das optische Hightech-Spektakel punkten letztendlich noch viel mehr. Das Team ist der Star. Im Herbst feiert das Disney-Musical „Die Eiskönigin“ Premiere in Stuttgart. „Holiday on Ice“ bietet einen Vorgeschmack auf große Gefühle on the rocks, so viele Musicalelemente sind darin enthalten. Noch bis Sonntag gastiert „No limits“ in Stuttgart – eine Show, die es liebt, eiskalt Grenzen zu überwinden.