Die neunjährige Sali und Nathalie Aerni haben viel Freude am gemeinsamen Lesen und Lernen. Foto: Bernd Zeyer

In Stuttgart nimmt ein Dutzend Grundschulen am Projekt Lesetandem der „KinderHelden“ teil. Mit im Boot ist seit September die Hohensteinschule. Dort und an anderen Standorten werden noch Mentorinnen und Mentoren gesucht.

Zuffenhausen - Lesen und Schreiben sind das A und O der Kommunikation. Nur Kindern, die über diese Schlüsselkompetenz verfügen, eröffnen sich neue Welten und vielfältige Zugänge zu Bildungsangeboten. Allerdings gibt es an den Grundschulen immer mehr Mädchen und Jungs, die damit Probleme haben. „Fakt ist, dass circa 40 Prozent der Grundschulkinder nicht flüssig lesen können oder das Gelesene nicht richtig verstehen“, sagt Andrea Klein von „KinderHelden“. Die gemeinnützige GmbH bietet bundesweit an Grundschulen so genannte Lesetandems an, bei denen Erwachsene ehrenamtlich mit Schulkindern zusammen lesen. In Stuttgart sind momentan zwölf Lehranstalten mit im Boot, neuester Zugang ist seit September die Zuffenhäuser Hohensteinschule.

Die Hohensteinschule ist seit September mit dabei

„Das Projekt hilft uns dabei, die Lese- und Lernmotivation einzelner Schülerinnen und Schüler zu wecken und deren Lesekompetenz mit einer ganz individuellen Förderung weiterzuentwickeln“, sagt Lisa Töpfer, Lehrerin an der Hohensteinschule. Im normalen Schulalltag gelinge das nur in begrenztem Maße, da man als Lehrkraft vielen Kindern gleichzeitig gerecht werden müsse. Ähnlich sieht es Tanja Bäder, Lehrerin an der Steinbachschule in Stuttgart-Vaihingen: „Im Unterricht schaffe ich es nicht, auf jedes einzelne Bedürfnis einzugehen.“ Ein Großteil der Kinder mit Problemen habe Migrationshintergrund, doch auch deutsche Mädchen und Jungs hätten solche Probleme.

„Leselust statt Frust“, so lautet das Motto der KinderHelden. Kooperationspartner sind die Stadt Stuttgart und die „SKala-Initiative“. Grundsätzlich wird dabei auf die Lautlese-Methode gesetzt: Kind und Mentor lesen den Text zunächst gemeinsam, mit den Fingern werden dabei die Zeilen nachgefahren. Wenn das Kind sich sicher genug fühlt, gibt es ein vorher verabredetes Zeichen und liest alleine weiter. Eventuelle Fehler werden freundlich korrigiert, es wird viel gelobt.

„Ich finde das total spannend und lustig“, sagt Sali. Die Neunjährige wohnt in Botnang und geht auf die Kirchhaldenschule. Geboren wurde sie in Georgien, vor drei Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Daheim werde mal Deutsch, mal Georgisch gesprochen. Ihre Mentorin ist Nathalie Aerni. Die junge Frau wohnt auf dem Killesberg und arbeitet bei der Firma Bosch in Leinfelden. „Ich wollte mich sozial engagieren, wusste aber nicht genau, wo und wie“, erzählt sie. Zufällig habe sie dann in der Firma einen Flyer der KinderHelden gefunden. Seit September 2018 trifft sie sich jeden Montag für ein oder zwei Stunden mit Sali. Zunächst wurde zusammen gelesen, nun hilft sie dem Mädchen auch bei den Hausaufgaben. Außerdem stehen regelmäßige Freizeitaktivitäten auf dem Programm. „Ich bekomme viel zurück, und es macht unheimlich Freude. Als Mentorin mitzumachen war die richtige Entscheidung“, sagt Nathalie Aerni.

Das Projekt trägt Früchte

Dass das Projekt Früchte trägt, bestätigt Tanja Bäder: „Die Kinder haben im Unterricht mehr Mut, etwas zu erzählen. Außerdem merkt man, dass sich das Lesen deutlich verbessert.“ Zudem werde die Klassengemeinschaft gestärkt, und die Kinder seien voller Vorfreude auf das wöchentliche Treffen mit den Mentoren.

Welche Kinder beim Tandem mitmachen, darüber entscheiden die Lehrer. An der Hohensteinschule sind es momentan elf. Dort werden, ebenso wie an anderen Stuttgarter Grundschulen, noch männliche und weibliche Mentoren gesucht. Mitmachen kann jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist, Freude am Umgang mit Kindern hat und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen kann.

Infos gibt es unter Telefon 0711/342 477 12, per E-Mail franziska.krumme@kinderhelden.info oder auf der Homepage www.kinderhelden.info.

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