Zahnbehandlungen können schnell ins Geld gehen, denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur einen Festzuschuss. Abhilfe versprechen Zahnzusatzversicherungen. Worauf Kassenpatienten achten sollten.
Ob Krone, Brücke oder Prothese – Zahnarztrechnungen können richtig wehtun. Denn die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nur mit einem festen Betrag an der Regelversorgung. Abhilfe verspricht eine Zahnzusatzversicherung – und die Auswahl ist hier riesig. Für die Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ hat die Stiftung Warentest 267 Tarife unter die Lupe genommen – 111 von ihnen wurden mit „sehr gut“ bewertet. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Zahnzusatzversicherungen.
Für wen lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung überhaupt? Die Zusatzversicherung lohnt sich vor allem für diejenigen, die sich beim Zahnersatz nicht mit dem gesetzlichen Minimalstandard zufriedengeben wollen. „Wer sich anstelle einer Brücke auch ein Implantat einsetzen lassen will oder vollständig verblendete Zähne anstelle von Metallkronen haben möchte, sollte eine Zahnzusatzversicherung abschließen“, rät Finanztest-Expertin Ulrike Steckkönig. Denn bei solchen Leistungen kommen schnell hohe Kosten zusammen, an denen sich die Krankenkasse trotzdem nur mit einem festen Zuschuss beteiligt. Und dann muss man für die Behandlung ohne Zusatzversicherung unter Umständen einen Betrag von mehreren Tausend Euro aus eigener Tasche berappen.
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Welche Leistungen sollte eine solide Zahnzusatzversicherung abdecken? Der Fokus sollte auf dem Zahnersatz liegen – also Kronen, Brücken und Implantaten. Andere Leistungen, die von den Versicherern angeboten werden – etwa eine professionelle Zahnreinigung oder eine Paradontitis-Behandlung, sind hier weniger relevant. „Man sollte bei Versicherungen immer aus dem Blickwinkel herangehen, welche Kosten im Ernstfall große finanzielle Schwierigkeiten bereiten können“, so Steckkönig. „Und da ist ein Implantat, das beispielsweise auch mal die 4000 Euro übersteigen kann, wenn vorher noch ein Knochenaufbau erforderlich ist, schon eine andere Hausnummer als eine professionelle Zahnreinigung, wo man etwa 70 bis 120 Euro bezahlt.“ Wer zusätzlich Wert darauf legt, auch eine professionelle Zahnreinigung bezahlt zu bekommen, kann das in seine Überlegungen immer noch mit einbeziehen, wenn mehrere Anbieter mit ähnlich guten Leistungen beim Zahnersatz in der engeren Auswahl stehen.
Wie findet man die passende Police? Die Suche nach der optimalen Zahnzusatzversicherung braucht Zeit – nämlich für die gründlichen Blicke ins Kleingedruckte. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, Tarife unbedingt sorgfältig zu prüfen. Wichtig sei es, sich genau zu überlegen, welche Leistungen regelmäßig in Anspruch genommen werden oder im Ernstfall abgesichert sein sollen. Wenn es um den Preis geht, ist entscheidend, ob wirklich Privatleistungen abgedeckt sind oder nur der Festzuschuss – also der Kassenanteil – verdoppelt wird. Versprechen wie „Rundum-sorglos-Paket“ sollte man nicht blind vertrauen.
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Wie viel kostet eine Zusatzversicherung? Die monatlichen Kosten hängen vom Alter des Versicherten ab – und natürlich vom Leistungsumfang der Police. Anspruchsvolle Policen, die auch teure Inlays und mehrere Implantate vollständig bezahlen, gibt es laut Finanztest-Angaben für einen 43-Jährigen Modellkunden ab 22 Euro im Monat, wobei für Ältere dann schnell 60 Euro und mehr an monatlichen Beiträgen fällig werden. Wer einen Selbstbehalt vereinbart, kann den Beitrag reduzieren. Wer lediglich den Eigenanteil, der bei der Regelversorgung anfällt, abdecken möchte, kann einen günstigen Basistarif abschließen. Den bekommt man als Mittvierziger schon ab sechs Euro im Monat – und auch mit 73 Jahren steigt der Monatsbeitrag auf maximal 13 Euro.
In welchem Alter ist der Abschluss sinnvoll? Die meisten Menschen kümmern sich im Alter zwischen 40 und 50 Jahren um Krankenzusatzversicherungen. Sinnvoller wäre es aber, sich schon früher damit zu befassen. Denn Zahnprobleme treten nicht erst mit dem Alter auf – auch Missgeschicke beim Sport oder Unfälle können eine Zahnersatzbehandlung notwendig machen.
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Worauf muss man beim Abschluss achten? Man sollte die Versicherung abschließen, solange das Gebiss noch in Ordnung ist. Denn wenn bereits klar ist, dass eine größere Behandlung anstehen wird, gilt das für die Versicherer als begonnene Behandlung – und dafür zahlen sie in der Regel nicht. Bedenken sollte man zudem, dass in den meisten Versicherungsverträgen Wartezeiten vereinbart werden: Die volle Leistung erhalten die Versicherten erst nach Ablauf einer Karenzzeit. Wichtig ist zudem, sämtliche Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Denn wenn herauskommt, dass man hier geflunkert hat, kann es später Probleme bei der Erstattung geben.
Weit verbreitete Zusatzleistung
Beliebtheit
Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa haben 77 Prozent der Befragten eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen. Ebenfalls Wert legen viele auf eine stationäre Zusatzversicherung (37 Prozent).
Motiv
Der Umfrage zufolge möchten drei Viertel der Versicherten mit ihrer Zusatzpolice hohe Zuzahlungen vermeiden. 44 Prozent möchten bessere Leistungen in Anspruch nehmen.