Nicht nur süß, sondern auch teuer: Für Hunde werden jährlich Abgaben an die Städte und Gemeinden fällig. Foto: dpa/Oliver Dietze

Mit 144 Euro für den ersten und 288 Euro für jeden weiteren Hund bittet Ludwigsburg Herrchen und Frauchen ordentlich zur Kasse. Auch in anderen Kommunen im Landkreis müssen Halter tiefer in die Tasche greifen als vielerorts im Großraum Stuttgart.

Die Zahl der Hunde im Landkreis Ludwigsburg wächst. Dabei war es noch nie so teuer, ein solches Tier zu halten. Für die Hundesteuer müssen die Besitzerinnen und Besitzer in den hiesigen Kommunen besonders tief in die Tasche greifen, denn sie ist mancherorts höher als in vielen anderen Städten und Gemeinden im Großraum Stuttgart.

 

Hart trifft es vor allem Herrchen und Frauchen in der Barockstadt. Ludwigsburg verlangt jährlich 144 Euro für den ersten Hund im Haushalt, jeder weitere Vierbeiner schlägt mit jeweils 288 Euro zu Buche. Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt Stuttgart sind für den ersten Hund nur 108 Euro, für jeden weiteren 216 Euro zu zahlen. Auch in Waiblingen, Böblingen und Sindelfingen liegt die Höhe der Steuer mit jeweils 120 Euro für den ersten Hund beispielsweise deutlich unter den Kosten in Ludwigsburg.

Doch warum ist es in der Barockstadt besonders teuer? Die Antwort darauf fällt auf Nachfrage knapp aus: „Die Hundesteuer wird als Aufwandssteuer zu Einnahme- und Lenkungszwecken erhoben“, heißt es dazu lediglich aus der Verwaltung. Anfang Juni waren 2770 Hunde im gesamten Stadtgebiet angemeldet.

Vorne mit dabei, was die Höhe der Steuer angeht, ist außerdem die Stadt Freiberg am Neckar. Stolze 140 Euro werden dort jährlich für den ersten Hund, 280 Euro für jeden weiteren von den Besitzerinnen und Besitzern verlangt.

Zahl der Tiere steigt seit Jahren an

Mit 132 Euro für den ersten und 264 Euro für jeden weiteren Hund belegte Kornwestheim im Jahr 2018 noch einen der drei Spitzenplätze in Baden-Württemberg. Mittlerweile haben andere Kommunen nachgezogen. Dennoch liegt die Salamanderstadt bei der Höhe der Steuer im regionalen Vergleich nach wie vor weit vorne, obwohl sie seit 2017 unverändert geblieben ist.

Eine Begründung für die hohen Summen liefert die Pressestelle der Stadt zwar nicht. Zu weniger Tieren im Stadtgebiet hat die Steuer in Kornwestheim jedoch nicht geführt. Im Gegenteil. Seit drei Jahren steigt die Zahl der Anmeldungen kontinuierlich. 1106 Hunde sind in Kornwestheim derzeit erfasst.

Steuer zeigt keine abschreckende Wirkung

Auch in Bietigheim-Bissingen und Marbach ist es nicht günstig, einen Hund zu halten. Mit 120 Euro für den ersten und 240 Euro für jeden weiteren Vierbeiner liegen die beiden Städte landkreisweit jedoch sogar nur im Mittelfeld. Die Steuer schreckt allerdings auch dort nicht davor ab, sich einen Hund anzuschaffen. In Bietigheim-Bissingen gibt es so viele von ihnen wie noch nie. In nur fünf Jahren ist deren Anzahl von 1300 auf derzeit 1500 Tiere angewachsen, teilt Anette Hochmuth vom Presseamt der Stadt auf Nachfrage mit.

Dass es auch im Kreis Ludwigsburg günstiger geht, beweisen unter anderem Erdmannhausen und Pleidelsheim, wo für den ersten Hund jeweils nur 108 Euro anfallen. Die Stadt Korntal-Münchingen begnügt sich sogar mit lediglich 90 Euro für jedes erste Tier. In den meisten Städten und Gemeinden im Landkreis Ludwigsburg sind jedoch deutlich mehr als 100 Euro im Jahr fällig.

Ungewöhnliche Aktion in Marbach

Nicht alle Besitzerinnen und Besitzer sind bereit, diese Summen Jahr für Jahr zu bezahlen. Sie melden ihr Tier nicht an. Wer auf diese Weise Geld sparen möchte, dem droht ein Bußgeld. Aber wie ist den Steuersündern auf die Schliche zu kommen? Die Stadt Marbach ging im vergangenen Herbst einen ungewöhnlichen Weg. Sie beauftragte damals eine Firma, systematisch von Tür zu Tür zu gehen, um unangemeldete Hunde aufzuspüren. Damit wollte man mehr Steuergerechtigkeit schaffen.

Ein solcher Aufwand ist aus anderen Kommunen im Landkreis nicht bekannt. „Ermittlungen zu nicht angemeldeten Hunden werden nicht durchgeführt, lediglich dann, wenn es konkrete Hinweise, zum Beispiel über Beschwerden gibt“, erklärt Anette Hochmuth das Vorgehen der Stadt Bietigheim-Bissingen. Ebenso wird in Ludwigsburg und Kornwestheim verfahren.

Mitarbeiter achten auf die Hundemarke

Zudem haben die Beschäftigten der Verwaltungen im Landkreis ein Auge darauf. „Die Mitarbeitenden des Städtischen Vollzugsdienstes und des Kommunalen Ordnungsdienstes achten bei ihren Streifengängen darauf, ob die Hunde, die sie antreffen, eine gültige Hundemarke haben“, heißt es beispielsweise aus dem Ludwigsburger Rathaus.

Die Einnahmen aus der Steuer müssen nicht für die Ausgaben verwendet werden, die mit den Tieren und ihren Besitzern in Verbindung stehen. Allerdings bieten Städte wie Ludwigsburg, Kornwestheim und Bietigheim-Bissingen kostenlose Müllbeutel für den Hundekot an. Nicht ganz uneigennützig, denn: „Die Müllbeseitigung und die Instandhaltung des weitläufigen Feld- und Wanderwegenetzes, das den Hundehaltern zugute kommt, verursachen einen erheblichen Aufwand“, teilt Anette Hochmuth mit.

Bei bestimmten Rassen wird es besonders teuer

Historie
 Die jährlich anfallende Hundesteuer wird von den Städten und Gemeinden erhoben. Sie legen die Höhe fest. Mit der Steuer werden vornehmlich ordnungspolitische Ziele verfolgt. Sie soll zum Beispiel beitragen, die Zahl der Hunde zu begrenzen. Erste Vorstufen der Hundesteuer gab es bereits um das Jahr 1500. Im 19. Jahrhundert wurden nach Angaben des Bundesfinanzministeriums in den deutschen Einzelstaaten moderne Hundeabgaben hauptsächlich aus polizeilichen Gründen eingeführt. Die Einnahmen der Steuer sind nicht zweckgebunden und können für alle kommunalen Ausgaben eingesetzt werden.

Kampfhunde
 Oft verdoppelt sich der Betrag für das zweite und jedes weitere Tier. Viele Städte und Gemeinden setzen für einige Rassen, vor allem Kampfhunde, einen stark erhöhten Steuersatz fest. Dazu zählen unter anderem Bullterrier, Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier sowie deren Kreuzungen.