Pompös oder schlicht: Im Blühenden Barock in Ludwigsburg kann man inzwischen in der Orangerie heiraten. Eine eher extravagante Location. Foto: Archiv/Jürgen Bach

Nach Corona gab es einen großen Nachholbedarf in Sachen Hochzeiten. Was rät eine Expertin, damit der wichtigste Tag im Leben gelingt?

Die Hochzeitssaison ist in vollem Gange: die beliebtesten Monate für das Ja-Wort sind in Baden-Württemberg Juli und September, aber auch August, Juni und Mai sind begehrte Termine.

 

Wie haben sich Zahlen und Branche nach der Coronapandemie entwickelt? Das Statistische Landesamt hat im Juni die Zahlen für 2022 veröffentlicht. Demnach wurden im vergangenen Jahr genau 52 375 Ehen im Südwesten geschlossen. „Traditionell wird in den Sommermonaten am häufigsten geheiratet. Darüber hinaus wird die saisonale Verteilung der Hochzeiten vor allem auch davon bestimmt, in welchem Monat es einen so genannten ’Schnapszahl-Tag’ gab“, heißt es. Dass sich der Trend in diesem Jahr umkehrt, davon ist nicht auszugehen. Allerdings ist der erste Schub nach der Pandemie nun abgearbeitet: „Der Nachholbedarf war immens, hat sich aber wieder eingependelt“, sagt die Hochzeitsplanerin Nuran Eröz aus Remseck.

Wie geht es der Branche? Wem Corona einen angepeilten Termin vermasselte, der verschob ihn vielleicht einmal, zweimal – eventuell auch dreimal. Einige ließen es mit der Feier aber auch gleich ganz bleiben oder begingen sie wenn dann im kleinen Kreis mit der Familie. Davon blieb auch die Branche nicht verschont. Deshalb stellt Nuran Eröz zwar eine Erholung des Geschäfts fest, fügt aber einschränkend hinzu: „für diejenigen, die nicht aufgegeben haben“. Sie weiß von einigen Anbietern, die in ihrem Segment tätig waren, es aber nicht mehr sind. „Gerade junge Unternehmen haben das Handtuch geworfen“, sagt Eröz.

Was liegt im Trend? Wie geheiratet wird, das ist – wie alles im Leben – vor allem Geschmackssache. Die einen mögen es pompös, noch immer gibt es Frauen, die sich an diesem Tag wie eine Prinzessin fühlen wollen. Andere halten es lieber schlicht und einfach. Schöne Deko, das sei vielen nach wie vor wichtig, sagt Eröz, „aber ansonsten legen viele Wert auf eine eher ungezwungene Atmosphäre – während der Trauung und bei der Hochzeitsfeier“.

Die Zahl der kirchlichen Trauungen geht dabei immer stärker zurück. Schätzungsweise nur noch jede fünfte in Deutschland wird auch kirchlich geschlossen. Im Kommen sind hingegen freie Trauungen, bei denen allerdings christliche Symbole wie Hochzeitskerzen eine Rolle spielen. Die Vielfalt in der Gesellschaft zeigt sich auch darin, dass die Zeremonien oft mehrsprachig sind: türkisch und kroatisch seien vor allem gefragt, sagt Eröz.

Wann sollte man anfangen zu planen? Auch hier gilt ein Grundsatz, der für viele Lebenssituationen anwendbar ist: wer früher anfängt, hat am Ende weniger Stress. „Optimal ist es, schon zwei Jahre vor dem Termin anzufangen“, rät Eröz. So sei sichergestellt, dass man die Dienstleister, die man gerne verpflichten möchte, auch bekommt. Wer ein Jahr vorher beginne zu planen, müsse „schauen, ob noch das da ist, was man sich wünscht“, sagt die Hochzeitsplanerin. Zumal die Auswahl an geeigneten Locations in der Region überschaubar sei – gerade in den Sommermonaten.

Was kostet eine Hochzeit? Heiraten ist finanziell kein Zuckerschlecken. Laut einer Umfrage der Onlineplattform weddyplace.com unter mehr als 3000 Paaren geben Paare geben sie durchschnittlich um die 14 000 Euro aus. Nur jedes neunte Paar schaffte es demnach eine Hochzeit auf die Beine zu stellen und dabei ein Budget von 5000 Euro nicht zu überschreiten. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die allgemeinen Preissteigerungen auch vor dem Hochzeitsbusiness keinen Halt machen. Aber auch Nuran Eröz hat die Erfahrung gemacht, dass die Eheleute in spe die Geldbörse deutlich weiter öffnen. Wer eine Hochzeitsplanerin wie sie engagiere, gebe gut und gerne 40 000 Euro aus, manche noch deutlich mehr. Kostenfaktoren seien Location und Essen in Verbindung mit der Gästeanzahl. Sie machen oft schon gern die Hälfte aus.

Was rät die Hochzeitsplanerin? Aus ihrer Sicht ist es sinnvoller, lieber die Gästeanzahl zu reduzieren als das Budget. Denn weniger Gäste bedeuten in der Regel automatisch weniger Kosten fürs Essen. Auch sollten die Vorbereitungen nicht bis zuletzt vom Brautpaar selbst gestemmt werden. Familie und Freunde – vor allem am großen Tag selbst – zu stark zu verpflichten, könne hinderlich für ein gelungenes Fest sein. „Auch sie sollen den Tag genießen.“

„Kurz vor der Hochzeit einen kleinen Wellnessurlaub zur Entspannung einlegen, das wäre mein Tipp“, so Eröz. Das wiederum ist natürlich ein zusätzlicher Kostenfaktor.

Wovon rät die Hochzeitsplanerin ab? Nuran Eröz macht keinen Hehl daraus, dass aus ihrer Sicht zu viele Gäste auch überfordernd sein können. Sie sagt deshalb: „Abraten würde ich von einer zu großen Hochzeit.“ Lade niemanden ein, weil du dich verpflichtet fühlst, lautet eines ihrer Credos. Wen das Hochzeitspaar bei der Feier dabei haben möchte, entscheidet es selbst. Dabei ist es auch keine Erklärungen schuldig, warum jemand nicht auf der Gästeliste steht. Helfen könne zudem ein genauer Ablaufplan, falls Kinder eingeladen sind, sollten Spielmöglichkeiten vorhanden sein.

Die App

Unternehmen
 Nuran Eröz ist Diplom-Betriebswirtin und IHK geprüfte Hochzeitsplanerin. Weitere Informationen zu ihrem Unternehmen in Remseck und den Leistungen, die sie anbietet gibt es online unter der Adresse: www.smartweddings.de

App
 Nuran Eröz hat gemeinsam mit einem Programmierer eine Hochzeitsapp entwickelt, mit der Paare ihr Fest selbstständig planen können. Das Versprechen lautet, Zeit, Geld und Nerven zu sparen. Allerdings ist die Anwendung nach einer 14-tägigen Probephase kostenpflichtig. „SmartWeddings“ ist im Google-Play-Store und Appstore von Apple erhältlich.