An der Hochschule muss man sich erst einmal zurecht finden. Das will das Wissenschaftsministerium erleichtern. Foto: dpa

Studierende in Baden-Württemberg sollen nicht nur ein Studium anfangen, sondern möglichst auch erfolgreich abschließen. Das Land will deshalb in diesem und im kommenden Jahr 21,6 Millionen Euro ausgeben. Doch wie genau soll der Studienstart erleichtert werden?

Stuttgart - Studierende in Baden-Württemberg sollen nicht nur ein Studium anfangen sondern möglichst auch erfolgreich abschließen. Das hat sich Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zum Ziel gesetzt. Das Land will in diesem und im kommenden Jahr 21,6 Millionen Euro ausgeben für Programme, die jungen Leuten den Studienbeginn erleichtern sollen. In einer ersten Tranche flossen bereits seit 2016 über drei Jahre hinweg 36,2 Millionen Euro an die Hochschulen in Baden-Württemberg.

Die bisherigen Bemühungen haben sich Theresia Bauer zufolge bezahlt gemacht. „Immer mehr Studierende schließen ihr Studium erfolgreich ab“, erklärte die Ministerin. Als Beispiel nennt sie die Ingenieurwissenschaften. Dort haben im Jahr 2012 zum Beispiel 35 Prozent weniger Studenten einen Abschluss gemacht als sich ursprünglich für die Studiengänge eingeschrieben hatten. Im Jahr 2016 waren es noch 29 Prozent weniger, wie das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) festgestellt hat.

Gute Bilanz in Baden-Württemberg

Im Vergleich zu anderen Bundesländern steht Baden-Württemberg der DZHW-Studie von 2018 zufolge recht gut da: Bei allen Bachelorstudenten haben die Wissenschaftler einen „Schwund“ von 19 Prozent ausgemacht. Bayern, Hessen, Niedersachsen oder auch Sachsen kämen auf einen Durchschnittswert von 27 Prozent, hebt das Wissenschaftsministerium hervor. Sehr gut sieht es in der Medizin aus. Auf dem Weg zum Staatsexamen gehen dort nur sieben Prozent der einstigen Anfänger verloren. Ganz anders dagegen bei den Lehramtsstudenten: In diesen Studiengängen beträgt die Schwundbilanz 34 Prozent. Sehen lassen können sich auch die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) im Südwesten, sie weisen eine Schwundbilanz von 13 Prozent auf, im Ländervergleich sind es 21.

„Auf dem Erfolg werden wir uns nicht ausruhen, sondern nochmals kräftig nachlegen“, kündigt Theresia Bauer nun an. Von Januar 2019 an fördert das Ministerium 50 Projekte für einen guten Studienstart an den Hochschulen im Land. An allen Universitäten und allen HAW gibt es Angebote für Anfänger, 29 Vorhaben werden unterstützt. Das Angebot reicht von Orientierungssemestern über Tutorien bis zu fachlichen Förderungen. So entwickeln die Uni Stuttgart und das Karlsruher Institut für Technologie ihre Online-Brückenkurse in Mathematik und Physik weiter. Bei diesen Vorkursen wollen die Unis Studienanfängern universitäre Arbeitsmethoden beibringen und gleichzeitig den Schulstoff wiederholen und vertiefen. Das soll vor allem angehenden Naturwissenschaftlern und Ingenieuren die notwendigen Grundlagen bieten.

Angebote für spezielle Zielgruppen

Die Uni Tübingen startet ein Projekt zur Einführung in die Wissenschaftskultur. Mit dabei sind die philosophische und die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät sowie die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. Es geht um Lern- und Arbeitskompetenzen, auch soll ein neues universitäres Lehrkonzept entstehen. Die Hochschule Heilbronn ihrerseits setzt angesichts der bunten Studentenschar auf zielgruppenspezifische Angebote. Es gibt spezielle Kurse für Anfänger mit internationalem Hintergrund oder für Studierende, die aus der Berufspraxis kommen. Das Ziel der Hochschule ist „Chancengleichheit von Anfang an“.

Die zweite neue Förderlinie nennt sich „Lehr- und Lernlabore“. Dabei kommen 21 Projekte zum Zuge, die sich mit innovativen Lehr- und Lernformaten beschäftigen. Zum Beispiel geht es bei einem Projekt an der Hochschule Karlsruhe um gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und kritisches Denken in den Ingenieurwissenschaften. Ingenieure müssten in Zukunft stärker über soziokulturelle, ökologische und ökonomische Fragen nachdenken, meint Theresia Bauer. Das neue Projekt fördere kreatives Problemlösen.

Grundfragen und Netzwerke

„Wie bringt man Praxis und Hochschullehre zusammen“, ist eine der großen Fragen des Studiums. Die wollen die Universitäten Konstanz und Tübingen sowie die Hochschulen Esslingen und Konstanz gemeinsam beantworten. Sie sind dabei, ein landesweites „Netzwerk zur Integration relevanter Praxisbezüge in der Lehre“ aufzubauen und Weiterbildungs- und Beratungsangebote zu entwickeln.

Insgesamt unterstützt das Wissenschaftsministerium die Hochschulen von 2016 bis 2020 mit dem „Fonds erfolgreich Studieren in Baden-Württemberg“ mit insgesamt 100 Millionen Euro, um der Heterogenität der Studierenden gerechter zu werden.

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