Bei einem neuen Veranstaltungsformat der Hochschule Esslingen ist Herumfantasieren erlaubt. Beim Makeathon im Juni werden Gedankenspiele zur Städteplanung entwickelt. Anmeldungen für die zweitägige Veranstaltung sind jetzt möglich.
Ein Prototyp soll erstellt werden. Das klingt erst einmal hochtrabend und fordernd. Doch Organisator Thomas Möst beruhigt: Ein Prototyp, sagt der Projektmanager und Start-up-Coach im Entrepreneurshipzentrum Gründ ES der Hochschule Esslingen, muss kein funktionierender Roboter oder ein komplett ausgefeiltes Gerät sein. Zu einem Prototyp zählt der 32-Jährige auch ein Blatt Papier, auf dem von Hand eine Skizze mit ein paar Stichworten hingekritzelt wurde.
Hauptsache – die Idee dahinter ist gut. Denn Ideen sollen Teilnehmende an der Kreativveranstaltung Makeathon am Donnerstag, 27. Juni, und Freitag, 28. Juni, austüfteln. Die Anmeldefrist für das neue Mitmachformat an der Hochschule Esslingen ist nun angelaufen.
Dabei sein können Macher, Denker, Kreative, Visionäre, Idealisten. „Zielpublikum sind Schüler, Studierende aller Hochschulen, Auszubildende, Fachkräfte und alle, die gerne tüfteln wollen“, erklärt Thomas Möst. Sie dürfen einfach einmal ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Bewusst hat der Organisator des neuen Events ein breites Themenfeld ausgewählt: Die übergeordnete Überschrift über dem Projekt lautet „Create your Future City – Schaffe deine Stadt der Zukunft“.
Kein Science-Fiction-Modell
Resultat der Überlegungen soll aber trotz aller Gedankenfreiheit kein unausführbares Science-Fiction-Modell sein. „Ein Makeathon ist ein Event, bei dem die Teilnehmenden in kurzer Zeit kreative Projekte entwickeln und Prototypen bauen“, versucht Thomas Möst sein weit gefasstes Format in eine Definition zu pressen. Es sei für Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten eine Gelegenheit zusammenzuarbeiten, innovativ zu sein und neue Ideen zu verwirklichen. Anmelden können sich Einzelpersonen und Teams. Aus allen Ergebnissen wählt eine Jury die besten drei Arbeiten aus, denn für die drei Erstplatzierten sind Preise vorgesehen.
Drei Challenges warten auf die bis zu 40 Teilnehmenden. Knapp zwei Tage haben sie Zeit, um die Stadt der Zukunft unter drei Aspekten zu entwerfen – sozial, ökologisch, wirtschaftlich. Das erste Themenfeld hat Thomas Möst mit dem Titel „Ecomoves“ überschrieben: „Wie können wir ökologische Innovationen nutzen, um städtische Lebensräume zu verbessern und gleichzeitig die Umwelt zu schützen, ist die hier zu beantwortende Frage“, erläutert der Wirtschaftsingenieur. Als ein Beispiel für ein mögliches Tätigkeitsfeld in diesem Punkt bringt Thomas Möst den Begriff des „vertical Farming“, die vertikale Landwirtschaft, ins Spiel: Damit ist eine Herstellung pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse im städtischen Ballungsraum gemeint. Denkbar wären Gemüsebeete auf Flachdächern, mehrstöckige Turmgewächshäuser oder das Kultivieren von Pflanzen auf Balkonen und an Hauswänden entlang.
Mehr Wohlfühlatmosphäre
Das Aufhübschen der Ritterstraße in der Esslinger Altstadt mit bunten Sesseln ist ein bereits umgesetztes Beispiel für die zweite Herausforderung im Rahmen des Makeathons, die Thomas Möst mit „Urban Unity“ betitelt hat. Öffentliche Plätze und Flächen sollen dabei so genutzt und kreiert werden, dass sie eine soziale Interaktion oder eine Bürgerbeteiligung fördern. Denkbar wären etwa Recyclingstationen für Müllaufkommen, eine Veranstaltungsreihe oder eine App für Bürgerbeteiligung. Um kulturelle Vielfalt und die Stärkung der Gemeinschaft geht es beim dritten Punkt, dem „Community Wellbeing“. Damit die Stadtgemeinschaft noch weiter zusammenwächst, könnte etwa eine gemeinschaftliche Reparaturaktion für verschiedene Artikel angeregt werden.
Der Makeathon ist also eine Denkwerkstatt, in der Visionäre Modelle für die Stadt der Zukunft durchspielen können. Start ist am Donnerstag, 27. Juni, um 15 Uhr mit einer Einführung, Impulsreferaten und ersten Anregungen. Bis Freitagabend, 28. Juni, haben die Teilnehmenden Zeit, sich in Teams zu je sieben oder acht Personen mit den Aufgaben auseinanderzusetzen. Erfahrungen müssen laut Thomas Möst nicht mitgebracht werden. Doch auch Menschen, die sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt haben, sind willkommen.
Mit Drei-D-Drucker
Anlass für die Organisation des Makeathons war laut Möst, das Makerspace, die Ideen- und Prototypenwerkstatt der Hochschule Esslingen, bekannter zu machen. In deren Räumlichkeiten stehen Hilfsmittel bereit, die im Rahmen des Makeathons unter Anleitung genutzt werden können. Es gibt unter anderem Maschinen wie 3D-Drucker, Lasercutter, Nähmaschinen oder Siebdruck sowie eine vollausgestattete Werkbank, die sich alle zum Bau kreativer Prototypen eignen. Doch diese Prototypen, betont Thomas Möst noch einmal, müssen nicht unbedingt hochtechnologisch sein: Ein Stück Papier mit einer gute Idee sei wirklich ausreichend.
Der Makerspace und der Makeathon der Hochschule Esslingen
Makerspace
Die Kreativ- und Prototypen-Werkstatt am Campus Stadtmitte der Hochschule Esslingen ist laut Homepage eine 180 Quadratmeter große öffentlich zugängliche Do-it-yourself-Stätte. Hier können Interessierte mit Werkzeugen ihre eigenen Ideen verfolgen, sie in einem geschützten Umfeld testen und weiterentwickeln. Der Makerspace versteht sich als eine Anlaufstelle, um das Gelernte anwenden und im Selbstversuch verfeinern zu können. Von der Projekt- und Abschlussarbeit bis hin zum Prototyping von Gründungsideen sei alles möglich, so die Homepage.
Makeathon
Anmeldungen für die Kreativveranstaltung am 27. und 28. Juni sind unter https://www.hs-esslingen.de/forschung/transfer/gruendes/events/makeathon/ möglich.