Am 11. November 1961 wurde der Grundstein für das Hochhaus Salute im Fasanenhof gelegt. Gebaut wurde es nach den Entwürfen des Architekten Hans Scharoun und 1963 – vor 60 Jahren – fertig gestellt.
Wer ziemlich oben in dem Hochhaus Salute im Stadtteil Fasanenhof lebt, ist ein guter Stauberater für eine der Verkehrsachsen rund um Stuttgart: Hier sieht man hervorragend, ob es zäh auf der Autobahn Richtung schwäbische Alb oder Leonberger Dreieck geht. Oder wie es auf der Bundesstraße Richtung Tübingen oder Innenstadt weitergeht.
Ein Solitär, von Weitem erkennbar
Als das Hochhaus Salute in den Jahren 1961 bis 1963 in atemberaubendem Tempo geplant und fertig gebaut wurde, war es noch ein Solitär, mit knapp 65 Meter Höhe eine Zeit lang sogar das höchste Wohnhaus in Deutschland, umgeben von sozialem Wohnungsbau der 1950er Jahre. Schon aus der Ferne war es gut erkennbar sowohl für die Reisenden mit dem Auto wie für jene mit dem Flugzeug. Deshalb der Willkommensgruß „Salute“.
Entworfen hat dieses Hochhaus der Architekt Hans Scharoun, schon damals kein Unbekannter in Stuttgart. Bereits ein paar Jahre davor hat er mit Hochhäusern eine Art Willkommenseingang geschaffen an der Gemarkungsgrenze zwischen Zuffenhausen und Stuttgart-Rot: Romeo und Julia, zwei Häuser, gebaut zwischen 1953 und 1959, heute nach wie vor ein fester Programmpunkt bei Architekturführungen durch die Stadt. Man kann die Liste mit Arbeiten von Scharoun, Architekt der Bauhaus-Bewegung, in der Region noch ergänzen mit einem Besuch des Orplid in Böblingen.
Ein Leben lang im selben Haus
Einer, der sich da ganz gut auskennt, ist Matthias Gaebler. Seine Wohnadresse Sautterweg 5 hat er bis jetzt noch nie ändern müssen: Hier ist er geboren, ist aufgewachsen vom Säugling zum soliden Mittfünfziger, wohnlich hat er sich hoch gearbeitet von einem der unteren Geschosse bis in den 20. Stock. Darüber gibt es dann nur noch die Aussichtsterrasse.
„Natürlich gibt es eine Fortschreibung und Weiterentwicklung in der Architektur von Scharoun bei den hier genannten Häusern. In Salute sind die Wohnungen schon viel großzügiger geschnitten als in Romeo und Julia, die Deckenhöhe etwa ist bei mindestens 2,50 Meter. Und Salute hatte eine hauseigene Müllverbrennungsanlage und eine eigene Wärmeversorgung. Außerdem auch einen eigenen Kindergarten. Und im Orplid kam unter anderem eine Tiefgarage dazu sowie von Anfang an die Fernwärme“, so Gaebler.
139 Eigentumswohnungen wurden gebaut auf 20 Stockwerken, dazu unten zwei Hausmeister-Wohnungen, neun davon sind Doppelstock- und fünf sind Penthouse-Wohnungen mit bis zu 60 Quadratmeter Dachterrasse. Die Eins- bis Sechs-Zimmer-Wohnungen haben eine Fläche zwischen 40 und 165 Quadratmeter.
Junge Familien sind gefragt
Aber wer will schon groß von anderen Häusern reden, wenn er selbst in solch einem außergewöhnlichen Gebäude lebt: Außer zum Verkehr schweift der Blick bis zu den Ausläufern des Schönbuch, da leuchten die Herbstfarben derzeit besonders intensiv. „Hier werden die Leute 100 Jahre und älter“, weiß Gaebler, solange sie eben nicht in ein Krankenhaus oder in ein Pflegeheim müssen.
Jetzt geht es vor allem wieder darum, dass möglichst viele junge Familien einziehen in den Sautterweg 5. In den 1960er Jahren war es das Zuhause von etwa 40 Kindern, die außer dem Kindergarten noch allerlei Spielmöglichkeiten vor der Haustüre hatten. Heute dürften es an die zehn Kinder sein. Und das Gebäude hat durchaus was zu bieten für junge Menschen, das weiß Gaebler aus Erfahrung mit seinen Kindern. Denn im Gegensatz zu den vielen konturlosen Hochhäusern, die seitdem gebaut wurden, ist die Architektursprache von Scharoun mit spielerischen Elementen durchsetzt. „Die Bullaugen aus dem Erdgeschoss haben meine Kinder etwa in der Berliner Philharmonie wieder gefunden“, so Gaebler.
Viel natürliches Licht
Überhaupt wirkt das Haus von außen etwas komisch verschraubt. Der tiefere Sinn erschließt sich im Innern: Durch die Drehungen bekommen alle Wohnungen praktisch von morgens bis abends Tages- und damit Sonnenlicht. Und es gibt hier keine langen Flure, die an Krankenhäuser erinnern, nur wenige Wohnungen sind da auf einem Stockwerk zusammengefasst. Gaebler: „Das ist das Tolle daran. Man kann hier gut nachbarschaftlich miteinander leben, man kann aber auch ganz anonym bleiben.“
Am Samstag, 11. November, gibt es von 16 Uhr an im Gemeindesaal der Bonhoefferkirche, Bonhoefferweg 12, im Fasanenhof eine Jubiläumsfeier „60 Jahre Grundsteinlegung Hochhaus Salute“. Frühere und aktuelle Bewohner sind da eingeladen, ebenso Architekturinteressierte. Denn es gibt auch einen bauhistorischen Vortrag. Und Sektgläser für alle mit der Gravur „Salute“.