Präsident Rainer Lorz (li.), Trainer Ramon Gehrmann: Die Stuttgarter Kickers hoffen über die Aufstiegsspiele auf den Sprung in die Regionalliga. Foto: Baumann

Der Konflikt nimmt immer mehr Fahrt auf: Manche Fußball-Viertligisten wehren sich gegen mögliche Oberliga-Aufsteiger und Kickers-Präsident Rainer Lorz kritisiert einen Protestbrief des Sprechers der Regionalligisten.

Stuttgart - Der Ton wird rauer, die Vorwürfe werden schärfer: In der hitzigen Debatte über die Auf- und Abstiegsregelung in der Regionalliga und Oberliga bewahrt Frank Thumm kühlen Kopf. „Ich kann die Argumente von beiden Seiten nachvollziehen, es gibt für beide Sichtweisen gute Gründe“, sagt der Volljurist und Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Fußballverbandes (WFV).

 

Wellen schlagen hoch

Worum geht es? Nach aktuellem Sachstand wird der WFV am 9. April den Abbruch der Saison beschließen. Die Annullierung hätte zur Folge, dass es weder Auf- noch Absteiger gibt. Was die Wellen immer mehr hochschlagen lässt, ist eine mögliche Sonderregelung für die Oberliga. Der Verband tendiert dazu, den Spitzenreiter SGV Freiberg als Direktaufsteiger und den Tabellenzweiten Stuttgarter Kickers für die Aufstiegsspiele zu melden. Die Spielordnung bietet ein entsprechendes Schlupfloch, obwohl erst 13 von 40 Spieltagen absolviert sind. Der Hauptgrund liegt in der Verzahnung zur Regionalliga Südwest. Dort wird die Saison sehr wahrscheinlich zu Ende gespielt. Es werden ein Aufsteiger und – wie vor der Saison vereinbart – sechs Absteiger ermittelt. Was für die Entscheidungsträger in Baden-Württemberg ebenfalls eine große Rolle spielt, ist die Tatsache, dass die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar einen Aufsteiger und einen Teilnehmer an den Aufstiegsspielen melden wird, da dies deren Spielordnung, unabhängig von der Zahl der ausgetragenen Spiele, vorsieht. „Dass die dortigen Vereine eine Aufstiegsmöglichkeit haben und diese den Vereinen in Baden-Württemberg ohne Prüfung von vornherein versagt bliebe, wäre rechtlich kaum zu vertreten“, teilte der WFV mit.

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In der Regionalliga hat die Diskussion nun rasant an Fahrt aufgenommen. Es brodelt gewaltig. Bei manchen Vereinen herrscht Unmut über die Unverhältnismäßigkeit, dass Mannschaften mit teilweise nur acht ausgetragenen Spielen (wie etwa Wormatia Worms in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar) aufsteigen, während in der Regionalliga Südwest nach 42 absolvierten Spieltagen sechs Teams absteigen.

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Einen entsprechenden Protestbrief hat Rafael Kowollik, Geschäftsführer des FC 08 Homburg, in seiner Funktion als Sprecher der Regionalliga Südwest verfasst. Er weist „im Namen des Großteils der Vereine der Regionalliga Südwest auf den Missstand in Bezug auf die beabsichtigte Auf- und Abstiegsregelung“ hin. Dies wiederum hat nun die Stuttgarter Kickers auf den Plan gerufen. In ihrem offenen Brief geht es Präsident Rainer Lorz weniger um inhaltliche Aspekte als vielmehr um die Tatsache, dass Kowollik „als Ligasprecher im Namen des Großteils der Vereine“ spricht, aber offenbar nicht für alle. „Spricht er nur für die Vereine, die vom Abstieg bedroht sind?“, fragt sich Lorz.

Thumm behält kühlen Kopf

Wie auch immer. Das Thema ist hochbrisant. Und klar ist nur eines: Die Entscheidung soll noch im April fallen. „Je früher, desto besser“, sagt auch Thumm, der Mann, der in der Hitze des Gefechts kühlen Kopf bewahrt.