Marco Walther und seine Ehefrau Larissa sind die neuen Pächter der Klinkermühle Foto: Caroline Holowiecki

Im Februar hat die Bio-Bäckerei in der historischen Sielminger Mühle geschlossen, die neuen Pächter hätten eigentlich schon lang eröffnen wollen. Doch erst jetzt wird der Start konkret.

Das Auto stoppt unvermittelt. Die Fahrerin, eine ältere Frau, lässt neben der Sitzgruppe vor der Klinkermühle in Sielmingen das Fenster runter. „Ist geöffnet?“, fragt sie aus dem Auto heraus, aber Marco Walther muss mal wieder abwinken. „Nein, es ist noch geschlossen.“ Vertrösten musste der 29-Jährige in den vergangenen Monaten ständig. Frust ist ihm anzumerken. Er wartet. Und das bereits seit etlichen Monaten, wie er sagt.

 

Marco Walther und seine Ehefrau Larissa (26) sind die neuen Pächter der Klinkermühle, jenem seit dem Mittelalter bestehenden und immer wieder umgebauten Gebäude am Fleinsbach, das für seine Holzofenbäckerei bekannt ist. Er ist Bäcker und Sozialarbeiter, sie hat eigentlich technische Biologie studiert, nach Corona aber auf eine Ausbildung im Einzelhandel umgesattelt. Im Sommer hätte das Paar die Klinkermühle gern schon eröffnet, inklusive Außengastronomie in Form eines Mühlenbistros, in dem Snacks aus dem Holzofen angeboten werden. Allerdings verzögert sich alles. Marco Walther erzählt, dass er bereits vor Monaten seinen Meisterbrief hätte erhalten sollen, doch die zuständige Handwerkskammer habe ihn immer wieder vertröstet. „Das hat mich die komplette Saison gekostet“, sagt er. Das alles sei enttäuschend, und Einnahmen fehlten freilich auch. „Gott sei Dank haben wir einen verständnisvollen Vermieter“, sagt Marco Walther.

Viel Fans warten auf die Bio-Backwaren

Die vorherigen Pächter der Klinkermühle haben die Bäckerei Ende Februar aufgegeben. Bei Facebook hatten sie die Kundschaft darüber informiert, ins Ausland auswandern zu wollen. Seither warten viele Fans der Bio-Backwaren darauf, dass die Klinkermühle wiedereröffnet. Ständig kämen Leute vorbei, die nachfragten, wann es weitergeht, bestätigt Marco Walther. „Die meisten sind super freundlich und haben Verständnis“, erklärt er.

Der junge Bäcker sagt, dass sein Meisterbrief bis heute nicht da sei, mittlerweile habe er aber eine Ausnahmegenehmigung für die Eröffnung erhalten. Doch die Walthers warten schon wieder, und zwar diesmal auf das Bioland-Zertifikat. Mitte November, so der Plan, soll der Backstuben-Verkauf an ausgewählten Wochenende endlich starten. Über die Daten wollen sie die Kundschaft per Social Media und übers Amtsblatt auf dem Laufenden halten. „Unsere Website ist auch in Bearbeitung“, sagt Larissa Walther. Im kommenden Jahr, so der Wunsch des Paares, soll es dann richtig losgehen in der Klinkermühle mit dem Café und mit der Direktvermarktung. Marco Walther hat sich viele Gedanken gemacht. Spezialisieren will er sich auf Urgetreide wie Dinkel, Emmer, Einkorn oder Urroggen. Die Produkte sollen weizenfrei sein, außerdem sollen die Teige extra viel Zeit zum Gehen erhalten. „Wie zu Omas Zeiten“, sagt Marco Walther. Er stellt klar: „Ich will einfach nur gescheites Brot backen.“