Fritz Buchinger auf seinem restaurierten Traktor, Baujahr 1950 Foto: Patrick Steinle

Fritz Buchinger aus Leinfelden-Echterdingen restauriert seit drei Jahren einen Dieselschlepper aus dem vergangenen Jahrhundert. Das hat auch mit Kindheitserinnerungen zu tun. Und Buchinger hat einen Wunsch.

Echterdingen - Auf einem kleinen Hof in Echterdingen steht ein Traktor. Das ist auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Doch für Fritz Buchinger ist das ein Spielzeug: ein Allgaier Dieselschlepper A22, Baujahr 1950, 22 Pferdestärken und Buchingers ganzer grün-roter Stolz.

Obwohl er ein Laie sei, interessiere er sich für Technik. Denn damit habe er selten zu tun gehabt. 1940 wurde er als Sohn eines Pomologen, einer Art Obstbauer, geboren und tat es beruflich dem Vater nach. Einen Traktor konnte sich die Familie jedoch erst spät leisten. Das erste Mal saß Buchinger im Alter von acht Jahren auf dem Schlepper einer befreundeten Familie. „Das war ein Ähnlicher, wie ich ihn jetzt besitze“, erzählt der 80-Jährige.

Der Dieselschlepper, der nun auf Buchingers Hof steht, gehörte von den 1950er Jahren an einer Familie aus Echterdingen. Aufgrund der veralteten Technik blieb er über Jahrzehnte unbenutzt. 2014 entdeckte Buchinger seinen künftigen Liebling. „Als ich den Schlepper zum ersten Mal sah, war es, wie wenn man eine Frau das erste Mal sieht“, erzählt Buchinger. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht zuletzt, weil es ihn an seine Kindheit erinnert.

Da der Traktor viele Jahre außer Betrieb war, stand einiges an. Die Bremsen und der Motor rosteten stark, Metallspäne befanden sich im Motorraum, Ventile, der Zylinderkopf und Kolbenringe mussten erneuert werden. Buchinger hat alles selbst gemacht. „Das Lackieren war die Krönung“, sagt er. Gelernt mit Hilfe von Fachliteratur und Magazinen. „Mich fasziniert diese einfache Technik.“ Und er ist noch nicht fertig, denn an so einem Traktor gibt es immer etwas zu tun.

„Wie ein Lottogewinn“

Seit drei Jahre bastelt er herum. „Als der Motor das erste Mal anlief, war es für mich wie ein Lottogewinn“, erzählt Buchinger. Seitdem fährt er auf seinem kleinen Hof vor und zurück. Zum Starten des Motors wird noch mit der Hand angekurbelt. Es fehlt die Elektrik. Neben Lichtern muss der Hobby-Techniker eine Blinkanlage einbauen. Das ist Vorschrift, wenn er auf die Straße möchte. Dann will er den Traktor zulassen. Die erste Fahrt soll nach Plieningen führen. Dort wohnt eine Freundin, die seinen Hang zum Historischen nicht versteht. „Was soll man mit dem alten Klump?“, frage sie ihn oft. Er bleibt dabei. „Wenn es ginge, würde mein Hof vollstehen mit alten Traktoren“, scherzt er. Sein Wunsch ist es, mit seinem herausgeputzten Dieselschlepper an einem Festzug teilzunehmen. „Bei mir muss er nicht mehr arbeiten“, sagt Buchinger. Der Traktor habe im vergangenen Jahrhundert genug auf Feldern geleistet.

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