So wie das Schild am Rathaus sollen auch die neuen Schilder aussehen. Foto: factum/Simon Granville

Baustellen gibt es zur Zeit in Gerlingen genug – nun hat auch noch der Verein für Heimatpflege eine Renovierung angepackt: Er hübscht den Stadtrundweg auf. Neue Gebäude wurden aufgenommen, zudem erscheint ein neues Faltblatt.

Gerlingen - Durchgeblättert ist er schnell, der neue Prospekt mit den Sehenswürdigkeiten von Gerlingen. Weit mehr als ein paar Minuten aber brauchen die Menschen, welche die 32 Stationen bei einem Stadtspaziergang besichtigen möchten. Der Rundweg durch die Innenstadt der Kommuneunter der Schillerhöhe vereint jahrhundertealte Gebäude von Bauern und Weingärtnern, modernere Gebäude wie die katholische Kirche, das neue Rathaus oder die Stadtbücherei. Wobei die auch schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben: die Bücherei wurde 1998 gebaut, das neue Rathaus 1967 und Sankt Peter und Paul 1954/55.

Aber was ist das schon in historischen Maßstäben. In Gerlingen stehen Gehöfte und die Petruskirche aus dem fünfzehnten Jahrhundert ebenso wie Gebäude aus dem 16., 17., oder 19. Jahrhundert. All das steht in dem neuen Prospekt, den der Verein für Heimatpflege in dieser Woche noch vorstellen will. Es sind kurze Texte von zwei oder drei Sätzen zu den 32 Objekten. Wer mehr wissen will, kann mit seinem Smartphone an jedem Objekt einen QR-Code scannen und sogleich Informationen aus dem Netz lesen. Oder man besorgt sich die ausführliche Broschüre, die es neben dem neuen Prospekt nach wie vor gibt.

Alte Häuser abgebrochen

Zwei Objekte sind rausgefallen aus dem Stadtrundweg – einfach deshalb, weil die erklärten Häuser abgebrochen und durch Neubauten ersetzt wurden. Zum Beispiel das ehemalige Klösterle in der Meterstraße: In dem alten Haus wohnten bis zur Reformation Franziskanerinnen aus Esslingen. „Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass dort im 17. und 18. Jahrhundert noch Beginen Dienst taten“, erklärt Jürgen Wöhler, der Vorsitzende des Heimatpflegevereins. Beginen waren ledige Frauen, die keinem Orden angehörten, aber zusammen wohnten und sich um die Armen und Kranken im Ort kümmerten – sie bildeten die Vorläufer der heutigen Sozialstation. „Wir hatten gegen den Abbruch des Klösterle noch interveniert“, berichtet Wöhler, aber ohne Erfolg.

Auf den Stadtrundweg locken will der Verein nicht nur die Besucher Gerlingens, sondern auch die Gerlinger selbst. „Viele kennen drei oder vier Objekte oder Schilder“, meint Wöhler, aber sicher kennen nicht alle alles. Wenn die coronabedingten Beschränkungen nicht mehr gelten, will der Jurist und Historiker auch Führungen durch die Stadt anbieten.

Genaue Uhrzeit nur am Bahnhof

Dabei stehen sicher nicht nur Fakten im Vordergrund. Es könnte auch zur Sprache kommen, was am Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur in Gerlingen Folgen für die Bevölkerung hatte: Die Umstellung von Maßen, Gewichten und Geld. Nach der Reichsgründung 1871 galt der Meter als Längenmaß oder die Mark als gültige Währung. Eines aber hatte das Dorf der Bauern, Weingärtner und Steinbrecher damit noch lange nicht: Eine auf die Sekunde genaue Uhr. Normierte Zeit gab es nur am nächsten Bahnhof – der befand sich damals wie heute im Nachbarort.

Aber die Gerlinger waren schon immer findige Leute: Sie schickten eine dreiköpfige Kommission des Gemeinderats nach Ditzingen, um die genaue Zeit an der Bahnhofsuhr abzulesen. Das hat Klaus Herrmann, der Leiter des Stadtarchivs, in einem alten Sitzungsprotokoll gelesen. Wie überhaupt das Stadtarchiv die Aktivitäten des Heimatpflegevereins unterstützt. Der Archivleiter hat seit den Anfängen immer auch einen Sitz im Vorstand des Vereins.

Drei Tafeln kommen neu

Nun muss man noch zusammen die Stellen finden, an denen drei Tafeln neu aufgehängt werden: an der Schwimmhalle, am ehemaligen Gasthaus Schwanen und am ehemaligen Gasthaus Hirsch. Dieses ist das jüngste Wirtshaus, das aufgegeben wurde. Es beherbergt heute die Mitmachzentrale – einen Verein von Freiwilligen, die sich seit gut zwei Jahren in verschiedensten Projekten für die Stadtgemeinschaft engagieren.

Informationen
Auf www.heimatpflege-gerlingen.de stellt sich der Verein vor.

Der Heimatverein im Stadtmuseum

Der Verein für Heimatpflege in Gerlingen wurde 1979 gegründet, er hat 350 Mitglieder. Eines der Ziele lautet: „Um das heutige Gerlingen als aufgeschlossene, moderne und reizvolle Stadt erleben zu können, wollen wir Verständnis für die mehr als tausendjährige Geschichte, den Wandel im Lauf der Jahrhunderte und das heutige Erscheinungsbild wecken.“ Das geschieht auch in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum.

Am Sonntag, 13. September, gibt es von 14 bis 16.15 Uhr Kurzführungen für vier Personen im Stadtmuseum, an denen sich der Heimatverein beteiligt. Die Themen sind Vertreibung und Mobilität, das Einkaufen und der Krämerladen, der Kräutergarten, die Ur- und Frühgeschichte der Stadt und die Gerlinger Missionare. Näheres auf www.gerlingen.de. Anmeldung ist Pflicht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: