Sind Eltern psychisch krank, bleiben die Kinder auf der Strecke. Die Evangelische Jugendhilfe Hochdorf und der DRK-Kreisverband-Ludwigsburg bieten Hilfe an.
Statt nach der Schule abzuschalten oder mit Freunden zu spielen, kümmert sich ein elfjähriges Mädchen um ihren kleinen Bruder. Es macht ihm was zu Essen, hilft bei den Hausaufgaben. Der alleinerziehende Vater hat es heute mal wieder nicht aus dem Bett geschafft. „Was klingt wie aus einem Film, ist aber Alltag für viele Kinder psychisch erkrankter Eltern“, berichtet Dorothee Kocher, Fachleitung der Evangelischen Jugendhilfe.
An diesem Punkt haken die Angebote der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf und des DRK Kreisverbands Ludwigsburg ein. Beide Einrichtungen bieten Kindern und Jugendlichen Hilfe, rund um das Thema psychische Erkrankungen. Und das bereits seit zehn Jahren. Anfangs waren die Projekte auf drei Jahre befristet und wurden anschließend durch Spenden finanziert. Seit 2018 werden sie zum großen Teil über eine Regelfinanzierung vom Landkreis Ludwigsburg abgesichert. Anfang des Jahres sind die Stellenanteile aufgrund des hohen Bedarfs von 0,7 Stellen auf 1,5 Stellen erhöht worden. „Nach all den Jahren kann man hier nicht mehr von einem Projekt sprechen. Es ist inzwischen eine notwendige und etablierte Dauereinrichtung im Landkreis geworden“, sagt Wolfgang Breidbach, Kreisgeschäftsführer beim DRK.
Hilfe für Kinder psychisch erkrankter Eltern
Das Projekt Ausblick der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf richtet sich gezielt an Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind. „Eltern sind dann oft nicht mehr in der Lage, Erziehungsaufgaben zu erfüllen. Das hat häufig zur Folge, dass die Kinder einspringen und sich um die kleinen Geschwister oder den Haushalt kümmern“, sagt Dorothee Kocher. Kinder können psychische Krankheiten nicht verstehen und fühlen sich schuldig. Das führe nicht selten zu Überforderung. „Die Gefahr, dass diese Kinder selbst erkranken, ist deutlich höher. Deshalb ist es wichtig, dass sie bei unserem Angebot die Chance haben, die Krankheit zu verstehen, und vor allem einfach mal Kind sein dürfen.“
Die wohl wichtigste Hilfestellungen ist mitunter der Fahrdienst, der angeboten wird. „Wir haben die Möglichkeit, die Kinder abzuholen und wieder nach Hause zu bringen. Das ist besonders wichtig, wenn die Eltern sich darum gerade nicht kümmern können“, berichtet Carolin Fritsch.
Sie leitet die Gruppenstunden und unterstützt die betroffenen Familien. „Wir wollen den Kindern Raum geben, um sich äußern zu können und sich mit dem Thema vertraut zu machen. Es ist uns aber auch wichtig, konkrete Hilfe zu geben“, sagt sie. Da sei vor allem die Frage: „Wer kann mir helfen wenn Mama oder Papa es nicht mehr können?“ wichtig. Diese Themen würden auch in den Elterngesprächen besprochen.
Prävention in Schulen
Der DRK-Kreisverband-Ludwigsburg möchte mit dem Projekt KiM, Kinder im Mittelpunkt Jugendliche sensibilisieren, um psychische Erkrankungen bei sich oder im Umfeld zu erkennen. Dafür besucht Sozialpädagogin Sarah Kämpf regelmäßig Klassen ab Stufe acht. „Wir versuchen den Schülern das Thema durch Gespräche und Gruppenaufgaben näher zu bringen“, sagt Kämpf. Dabei helfen auch ehrenamtliche Betroffene, die selbst Erfahrungen mit psychischen Krankheiten gemacht haben und von ihren Erfahrungen berichten. Lea Kalmbach übernimmt häufig diese Rolle. Sie litt als Jugendliche unter einer Essstörung. „Ich möchte damit Vorurteile abbauen und den Jugendlichen die Chance geben, Fragen zu stellen. Es gibt keine Tabuthemen“, berichtet Kalmbach. Dieser Punkt sei besonders wichtig, um anhaltende Schädigungen zu verhindern.
Was ist das Projekt KiM?
Kinder im Mittelpunkt
Das Projekt Kinder im Mittelpunkt (KiM) besucht regelmäßig Schulen im Kreis. Sozialpädagogen sprechen mit den Schülern über psychische Erkrankungen und geben ihnen Tipps an die Hand, die sie anwenden können, wenn sie merken, dass sie selbst oder jemand im Umfeld betroffen ist. Weitere Informationen unter kim@drk-ludwigsburg.de
Ausblick
Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen sechs und zwölf Jahren. Es findet in wöchentlichen Gruppen statt. Diese treffen sich 14-mal. Von der Teilnahme erfährt das Jugendamt nichts. Weitere Informationen unter ausblick@jugendhilfe-hochdorf.de.