Von seinem neuen Büro aus leitet der Bürgermeister Matthias Schöck die Geschicke Hildrizhausens. Foto: factum/Weise

Nach 14 Monaten Bauzeit ist die Sanierung des Rathauses in Hildrizhausen abgeschlossen. In Herrenberg hingegen sollen die Bauarbeiten im Ratssaal im April erst beginnen.

Böblingen - Das Rathaus in Hildrizhausen (Kreis Böblingen) erstrahlt in neuem Glanz. Beim Tag der offenen Tür am Sonntag gewährte der Bürgermeister Matthias Schöck (parteilos) seinen Bürgern zum ersten Mal einen Blick in das neue Schmuckstück des Ortes. Erst am Freitag sei alles fertig geworden, berichtete der Bürgermeister in seiner Ansprache. Moderne Arbeitsplätze, helle, freundliche Büros, ein verbesserter Schallschutz – das alles sei in den vergangenen 14 Monaten realisiert worden. „Jetzt kann die Verwaltung ihre Dienste unter optimalen Bedingungen anbieten.“

876.000 Euro hat die Sanierung des Rathauses gekostet, 420.000 Euro davon kommen vom Land im Rahmen der Ortskernsanierung. In diesem Betrag nicht enthalten sind die Kosten für neue Möbel und Geräte sowie Aufwendungen für die EDV (72 .000 Euro) und die Kosten für die Sanierung der Einliegerwohnung.

Krebserregende Stoffe im Parkett

Im Zuge der Bauarbeiten wurden unter anderem das bisher nicht isolierte Dach energetisch gedämmt, die Fassade saniert, der Brandschutz auf einen aktuellen Stand gebracht, ein barrierefreier Zugang zum Rathaus eingerichtet und jeder einzelne Raum neu gestaltet und teilweise auch einem neuen Zweck zugeführt. So befindet sich der neue Ratssaal in der ehemaligen Poststelle.

Bei den Bauarbeiten habe sich gezeigt, dass das alte Parkett mit krebserregenden Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet gewesen sei, berichtete der für das Rathaus-Projekt zuständige Architekt Achim Schäfer vom Büro Archiplan Architekten aus Böblingen. Deshalb habe man es mit Ausnahme des alten Ratssaals, der früher bereits einen neuen Fußboden bekommen hatte, entfernen müssen.

Für die Belegschaft des Rathauses hätten sich Bauarbeiten als Nervenprobe erwiesen, so Schöck. Zeitweise sei wegen des Baulärms kein Telefonat möglich gewesen, immer wieder hätten provisorische Büros bezogen werden müssen. „Die Arbeiten fanden am offenen Herzen statt“, sagte Schöck. Trotzdem habe die Stimmung nur selten darunter gelitten.

Probleme gibt es auch in Rohrau

Hildrizhausen ist bei weitem nicht der einzige Ort, der sich mit der Sanierung seines Rathauses befassen muss. Auch der Sitz der Ortschaftsverwaltung von Gärtringen-Rohrau ist in die Jahre gekommen. Dort sollen unter anderem das Dach, die Heizungsanlage sowie die Fenster des 50 Jahre alten Gebäudes erneuert werden. 330.000 Euro sind dafür vorgesehen. Auch wegen personeller Engpässe stocken die Planungen allerdings.

In Herrenberg ist man da schon einen Schritt weiter. Dort gab der Gemeinderat in der vergangenen Woche grünes Licht für den Umbau des ersten Obergeschosses des historischen Rathauses am Marktplatz. Dort befinde sich unter anderem der Ratssaal, der komplett umgestaltet werden solle, sagte Anne Reichel, die Sprecherin der Stadt. Durch die feste Möblierung aus den 70er Jahren sowie eingebaute Podeste sei der Saal derzeit nur eingeschränkt nutzbar. Nach der Renovierung sollen dort städtische Veranstaltungen, Trauungen und Empfänge mit bis zu 100 Personen stattfinden können.

Barrierefreier Zugang zum Ratssaal

Auch die Themen Brandschutz und Barrierefreiheit werden in Angriff genommen. Seit vier Jahren müssten Gemeinderatssitzungen in der Alten Turnhalle stattfinden, da ein Gemeinderat auf einen Rollstuhl angewiesen und der Ratssaal nur über ein Treppenhaus erreichbar sei. „Von der Rückseite des Rathauses her soll nun ein ebenerdiger Zugang geschaffen werden“, so Reichel. Dafür soll das alte Trauzimmer genutzt werden. 653.000 Euro nimmt die Stadt für den Umbau der Ratssaalebene in die Hand, der Baustart soll noch im April sein, mit der Fertigstellung rechnet man im Oktober. Da nicht nur das Rathaus, sondern auch das Bürgeramt und das Oberamt insgesamt in einem schlechten Zustand sind, sollen weitere Arbeiten folgen.

Geschichte des Hildrizhausener Rathauses

Ursprung:
Im Jahr 1880/81 wurde am Standort des heutigen Rathauses in Hildrizhausen ein Schulhaus gebaut. Im Zweiten Weltkrieg fiel es einem Fliegerangriff zum Opfer. „Schon ging der Brand auch auf das große Schulhaus über; man konnte sehen, wie die Flammen oben bereits heraus züngelten, und das Haus in kurzer Zeit lichterloh brannte. (...) Ein erschütterndes Bild war es, als am Morgen (...) das mächtige Gebälk des großen Schulhauses krachend in sich zusammenstürzte, und als dann eine riesige Feuer- und Rauchwolke über der Stätte sich erhob, an der das Schulhaus gestanden hatte “, heißt es in der Chronik Hildrizhausens.

Neubau:
Das Gebäude des heutigen Rathauses wurde im Jahr 1950/51 als Schule an ihrem traditionellen Standort in der Herrenberger Straße errichtet. Bis 1970 lernten die Kinder hier das Lesen und Schreiben. Als im Jahr 1970 die Schönbuchschule bezogen wurde, baute man das Schulgebäude zum Rathaus um. Seit 1970/71 hat die Verwaltung dort ihren Sitz

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