Thomas Sprißler hat gut lachen Foto: factum/Weise

Der Rathauschef Thomas Sprißler, einziger Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl, führt Gespräche mit Bürgern und hofft, dass viele ihre Stimme abgeben.

Herrenberg – - In seiner ersten Amtszeit war es dem Rathauschef Thomas Sprißler ein Anliegen, die Herrenberger Bürger in sämtliche Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Das ist ihm geglückt. Eine Wechselstimmung sei deshalb vor der Oberbürgermeisterwahl am 29. November nicht erkennbar – für Sprißler ist dies der Grund, weshalb er ohne Mitbewerber antritt.
Herr Sprißler, was meinen Sie, weshalb tritt niemand gegen Sie an?
Ich denke, das kommt daher, dass Bürgerschaft, Gemeinderat, Verwaltung und ich als Oberbürgermeister gut zusammen gearbeitet haben und eine vertrauensvolle Basis gewachsen ist. In Herrenberg herrscht ein konstruktives Klima, notwendige Kritik fällt nicht unter den Tisch. Weder in der Bürgerschaft noch im Gemeinderat ist eine Wechselstimmung erkennbar. Im Gegenteil, die Gemeinderatsfraktionen haben klar signalisiert, dass sie weiter mit mir die Entwicklung Herrenbergs gestalten möchten. Auch aus der Bürgerschaft habe ich in den vergangenen Wochen viel Zustimmung für meine Bewerbung zu einer zweiten Amtszeit erfahren.
Dass Sie Oberbürgermeister bleiben, dürfte feststehen. Weshalb besuchen Sie dennoch die Stadtteile und führen mit den Bürgern in öffentlichen Veranstaltungen Gespräche?
Ganz einfach: weil für mich Wahlen ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie sind. Ich nehme auch diese Wahl sehr ernst. Daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich den Bürgern die Möglichkeit zum direkten Dialog mit mir gebe. Dieser ist in der Stadt ein zentrales Element, ich werde auch in Wahlzeiten nicht davon abrücken.
Einen Wahlkampf müssen Sie aber doch nicht führen.
Einen Wahlkampf führen im Sinne von „Sich-Messen“ mit anderen Bewerbern natürlich nicht. Dennoch ist es für mich wichtig, Positionen und Perspektiven aufzuzeigen. Daher werde ich auch eine Homepage schalten und einen Flyer drucken lassen.
Was wird da drin stehen?
Neben einer kurzen Bilanz der vergangenen Jahre gebe ich einen Ausblick auf die bevorstehenden Themen und Projekte.
Am 20. November ist eine Kandidatenvorstellung geplant, die lange vor dem Bewerbungszeitraum angesetzt wurde. Soll diese überhaupt stattfinden?
Darüber wird der Gemeinderat am kommenden Dienstag letztendlich entscheiden. Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Veranstaltung durchgeführt wird. Ich halte sie für sinnvoll, weil es auch dabei die Möglichkeit zu einem Austausch gibt und die Bedeutung einer Wahl unterstreicht.
Was für eine Wahlbeteiligung erhoffen Sie sich?
Dazu werde ich keine Zahl nennen. Natürlich freut man sich über eine ordentliche Wahlbeteiligung. Jedoch kenne ich auch die Realität und die Entwicklung der Wahlbeteiligung bei kommunalen Wahlen.
Was ist für Sie besonders wichtig, was Sie in Ihrer ersten Amtsperiode erreicht haben?
Ein besonderes Anliegen war mir, dass wir die Menschen in Bewegung bringen, sie in allen Bereichen beteiligen und intensiv in den Dialog kommen. Wir haben eine Bürgerkommune etabliert, das Ganze mündete nicht zuletzt in das Leitbild Herrenberg 2020 zur Stadtentwicklung. Unsere Mitmach-Stadt prägt die Themen, die Bürger haben vielfach die Möglichkeit, sich einzubringen, und haben dies genutzt.
Wesentlich für Herrenberg ist die Entlastung der Innenstadt. Nach langen Diskussionen einigte man sich auf eine neue Bahnunterführung, eine Fußgängerzone und zwei neue Parkhäuser für fast 24 Millionen Euro. Jetzt gibt es aber immer noch welche, die dieses Konzept für unzureichend halten.
Es wäre unrealistisch zu glauben, dass bei einem solchen Thema alle Bürger zustimmen. Ziel war, uns für eine Option für alle Verkehrsteilnehmer zu entscheiden, die städtebauliche Entwicklung voranzubringen und dafür eine breite Grundlage zu schaffen. Der Gemeinderat hat mit klarer Mehrheit zugestimmt. Wenn man nicht entscheidet, bewegt man nichts. Stillstand wäre die schlechteste aller Alternativen.
Dauert es Ihnen manchmal zu lange, bis endlich die Marschroute klar ist?
Zugegeben ja – manchmal wünschte ich mir, dass die Dinge etwas schneller gingen. Es sind oftmals jedoch auch Abhängigkeiten, die man selbst gar nicht beeinflussen kann. Zum Beispiel hat die Finanzkrise die Bebauung des EnBW-Areales um etwa zwei Jahre verzögert. Bei Planungs- und Entscheidungsprozessen wie beim Verkehrskonzept ist es wichtig, das richtige Tempo zu wählen und eine Entscheidung nicht übers Knie zu brechen. Wenn wir die Bürgerbeteiligung ernst nehmen, braucht dies ausreichend Zeit. Jedoch mit dem Ziel, nicht in eine Endlosschleife zu geraten.
Nun tut sich aber doch einiges. Was möchten Sie in ihrer nächsten Amtsperiode erreichen?
Es geht voran: Es sind neue Wohn- und Geschäftsquartiere auf dem Seeländer- und Baywa-Areal geplant, auf dem EnBW-Gelände ist ein solches bald fertig. Wir werden in den nächsten acht Jahren aber nicht alles abschließen können – das gilt auch für unser Verkehrskonzept für die Innenstadt. Ganz oben auf der Agenda steht das Thema Familie: Die Weiterentwicklung der Schulen und der bedarfsgerechte Ausbau unserer Kinderbetreuung sind wichtige Punkte.
Negativschlagzeilen hat das Naturbad gemacht, das wegen Bakterien geschlossen werden musste. Haben Sie das jetzt im Griff?
Nach einem fantastischen Start des neuen Freibades, war dies ein herber Rückschlag. Aber bei dem Bad ist es wie bei einem Hausbau: Wenn man eingezogen ist, muss mitunter noch etwas geändert und auch nachgebessert werden. Wir haben einige bauliche Mängel festgestellt, die selbstverständlich behoben werden. Zudem verbessern wir die Betriebsabläufe. Wir tun also ganz viel, um einen stabilen und guten Badebetrieb sicherzustellen.
Kommen wir zur Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge, die am ehemaligen IBM-Standort in Herrenberg geplant ist. Warum ist es um sie so ruhig geworden?
Es gibt leider noch keine Ergebnisse bei den Kaufverhandlungen, das Land ist sich bisher mit dem Eigentümer des Gebäudeensembles, dem Schweizer Fonds Real MGT, noch nicht einig geworden.
Ihre Kernforderung ist, in die LEA nicht mehr als 1000 Flüchtlinge aufzunehmen. Wäre die Stadt mit mehr überfordert?
Ich denke, 1000 ist eine sinnvolle Größe. Das Land plant in Schwäbisch Hall einen Neubau in dieser Größenordnung. Wir haben bisher schon rund 250 Flüchtlinge in der Stadt. Sie brauchen alle Unterstützung. Wenn es klar ist, dass die LEA kommt, werden wir eine Art Runden Tisch einrichten mit Kirchen, dem Einzelhandel und den Aktiven in den Flüchtlingsarbeitskreisen und Organisationen. Wir erwarten, dass wir an der Planung beteiligt werden.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: