Seit Langem schon dämmert das Firmengebäude vor sich hin und verfällt. Foto: factum/Granville

Das Leibfried-Gelände, das seit rund 25 Jahren brach liegt, soll nun bebaut werden. Die Stadt hat einen Investor gefunden, der 30 Millionen Euro in das Projekt stecken möchte.

Herrenberg - Herrenberg braucht bis zum Jahr 2035 insgesamt 1400 zusätzliche Wohnungen. So lautet die Prognose eines Planungsbüros, das die Stadt beauftragt hat. Zumindest einen der Teil der Nachfrage soll nun ein neues Gebäude-Ensemble decken, das auf dem Leibfried-Areal errichtet wird. In den Startlöchern steht der Investor Instone Real Estate, der das 1,1 Hektar große Gelände erwerben und dort 100 bis 120 Wohnungen bauen möchte. Das internationale Immobilienunternehmen will rund 30 Millionen Euro in das Projekt investieren.

In der Metallgießerei gingen vor 25 Jahren die Lichter aus

„Endlich ist es gelungen, den Knoten zu lösen. Darauf haben wir lange hingearbeitet“, kommentiert der Oberbürgermeister Thomas Sprißler den kurz bevorstehenden Vertragsabschluss mit dem Investor. „Mit einem starken Partner an unserer Seite können wir jetzt das Leibfried-Areal entwickeln und aus der Industrieruine im Herzen unserer Stadt ein richtiges Zuhause für neue Bewohner machen“, fügt der Stadtchef hinzu. Wegen der wechselnden Eigentumsverhältnisse und der Altlasten im Boden hatte das Vorhaben lange Zeit auf Eis gelegen – die Metallgießerei Leibfried hat den Betrieb an der Schwarzwaldstraße bereits Mitte der 1990er Jahre eingestellt. Danach aber war das Firmengebäude zunehmend verfallen.

Doch nun haben die Instone Real Estate und die insolvente Eigentümer-Gesellschaft einen Konsens gefunden. Auch die Stadt bringt sich ein: „Wir agieren dabei als strategischer Partner, um das neue Wohngebiet zu entwickeln“, erklärt der Oberbürgermeister. Am 26. Juni will sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats damit befassen. Denn für das Projekt muss der bestehende Bebauungsplan geändert werden. Wenn der Ausschuss dieser Änderung zustimmt und der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 4. Juli dem Vorschlag des Ausschusses folgt, fehlt nur noch die Unterschrift unter den ausgehandelten Verträgen. Die Rathausspitze hofft, dass dann schon bald die Bagger anrollen. Das neue Wohngebiet soll in den nächsten drei Jahren besiedelt werden können.

Sozialwohnungen geplant

Neben erschwinglichen Eigentumswohnungen und Reihenhäusern sollen auf dem Areal auch Sozialwohnungen gebaut werden. Angesprochen werden sollen vor allem junge Familien mit Kindern.

Um die Wohnungen von den umliegenden Gewerbebetrieben abzuschirmen, ist an der nördlichen Grundstücksgrenze eine Kombination aus Lärmschutzwall und -wand vorgesehen. Die erforderliche Höhe muss noch durch ein Gutachten bestimmt werden. Auch der Zeitplan wird vertraglich fixiert: Nach weniger als 18 Monaten soll die Firmenruine abgerissen und das Gelände für die neue Bebauung bereit sein.

Altlasten auf dem Grundstück ?

„Der bestehende Bebauungsplan hatte uns in eine Sackgasse geführt“, erläutert der Baubürgermeister Tobias Meigel. Der Plan aus dem Jahr 2003 sieht einen Gebäuderiegel als Lärmschutzmaßnahme zwischen Wohnungen und den angrenzenden Gewerbeflächen vor. „Über die Jahre hat sich gezeigt, dass diese Lösung wirtschaftlich nicht realisierbar ist, deshalb rollen wir die Bebauungsplanung neu auf“, erklärt Meigel. Zudem muss das Grundstück auf Altlasten untersucht werden, die dann beseitigt werden müssen.

Um die städtebauliche Qualität zu sichern, will Instone Real Estate in Abstimmung mit der Stadt einen Architektenwettbewerb ausloben. Ziel ist es auch, den Verkehr in dem Gebiet durch Spielstraßen zu beruhigen. Pro Wohneinheit soll es 1,25 Autostellplätze geben.

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