Bernd Kohlhepp (links) mit seinem 81-jährigen Vater Fritz Kohlhepp vor dem Kinopalakt bei der Premierenparty für den Film „Canale Grande“. Foto: ubo

Der schwäbische Kabarettist Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle roggd ’s Kino: Im Stuttgarter Metropol feierte er Premiere seines schrägen und hintergründigen Films „Canale Grande“ – mit vielen Schwabenstars im Publikum.

Stuttgart - Nein, nein, nein, über Namen macht man keine Späße. Kann der Filmproduzent, dessen neues Werk im Metropol-Kino gestartet ist, was dafür, dass er heißt, wie er heißt? Im Abspann auf der Leinwand steht groß sein Name: Reiner Zufall.

Ach, liebe Leserinnen, liebe Leser, Sie haben den Witz verstanden und können darüber lachen? Dann könnte Ihnen der schräge, überwiegend in Venedig spielende Schwabenfilm „Canale Grande“ des Kabarettisten Bernd Kohlhepp als Herr Hämmerle und des Fernsehregisseurs Michael Maschke gut gefallen. Herr Hämmerle roggd ’s Kino! Das Premierenpublikum, darunter Schwaben- oder Wahlschwabenpromis wie Laible-und-Frisch-Produzent Frieder Scheiffele, Kabarettist Helge Thun, Äffle-Autor Heiko Volz, Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder, Elvis-Darsteller Nils Strassburg, Entertainer Roland Baisch, Muggabatschr-Rocker Buddy Bosch, Schlagzeuger Andrew Andrews, Richling-Regisseur Günter Verdin, Wirtin Laura Halding-Hoppenheit, Renitenz-Intendant Sebastian Weingarten, war überwiegend amüsiert bis begeistert. Bei diesem Film ist vieles anderes als bei anderen Filmen.

Der Friedrich Merz des schwäbischen Kinos

Den Regisseur Michael Maschke könnte man den Friedrich Merz des schwäbischen Kinos bezeichnen. Bei der Premierenfeier holt er aus der Hosentasche das Drehbuch zum Hämmerle-Film – einen Bierdeckel! Vorne und hinten ist dieser mit keiner Steuererklärung beschrieben, sondern mit dem Handlungs- und Personenaufbau von „Canale Grande“.

Beim Dreh in Venedig bestand das Filmteam aus zwei Personen: aus dem Hauptdarsteller und dem Regisseur, der gleichzeitig Kameramann war. Der Produzent Reiner Zufall schwebte aber über allem. In nur drei Tagen waren in der Lagunenstadt die Szenen im Kasten. Kohlhepp ließ sich von Spontanitäten treiben wie eine Taubenfeder im Canal Grande. Ja richtig, der Canałazzo, wie er auf Italienisch heißt, ist eine knapp vier Kilometer lange Hauptwasserstraße und schreibt sich ohne E, nicht so, wie Hämmerle seinen Film „Canale Grande“ betitelt hat. Der schwäbische Kabarettist lässt die Bilder laufa.

Bernd Kohlhepp ist Vater von acht Kindern

Herr Hämmerle fliegt nach Venedig auf der Suche nach seiner Herkunft. Im Tagebuch seiner Mutter entdeckt er, dass sein Vater nicht sein leiblicher ist. Ausgerechnet bei der Hochzeitsreise hat dieser schlapp gemacht, weshalb sich Mama mit einem Gondoliere einließ. Es entstehen lustige und tragische Szene. Es geht um Vater-Sohn-Gefühle. Bernd Kohlhepp, 56, Vater von acht Kindern im Alter von neun bis 36 Jahren, begrüßt zur Premierenparty seinen Vater Fritz Kohlhepp, 81, der vier Kinder hat.

Der Film ist schräg, oft hintergründig, mitunter sogar philosophisch. Ein Puzzle vom Canal Grande mit 3000 Teilen spielt eine wichtige Rolle. Seine Mutter will erst ins Heim umziehen, wenn es fertig ist. Unterbrochen wird die Handlung von Weisheiten, die groß eingeblendet werden. Beispiel: „Auch in einem kleinen Raum können große Gedanken entstehen.“

Will der Künstler damit sagen, dass man auch mit kleinem Filmbudget was Ordentliches machen kann? Dass der Film anders ist, zeigt sich bereits bei der Länge. Nach 44 Minuten ist Schluss. Dennoch wird er in etlichen Kinos gespielt, weil Hämmerle davor oder danach live Programm machen wird. Ob es der Film zum SWR schafft, ist unklar. Weil zu wenig Mäulesmühle drin steckt und zu intelligent für die Zielgruppe ist? Ein SWR-Mann äußerst Zweifel, ob die Verantwortlichen ihn für fernsehtauglich halten. Erst mal kommt der Schwabenkinofilm „Laible und Frisch“ ins SWR-Fernsehen: am 1. Januar. Sollte die Quote super sein, können die Macher auf eine Fortsetzung hoffe, dessen Drehbuch schon fertig ist.

Ob es auch Fortsetzungen von Hämmerles „Canale Grande“ gibt? Wer weiß immer schon im Voraus, wie ein Publikum reagiert? Vielleicht weiß es allein der Produzent. Sein Name: Reiner Zufall.

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