Shinroku Shimokawa, Bernd Sauer, Herbert O. Rau und Peter H. Haller am zukünftigen Standort des Kaffeewasserbrunnens (oben, v.l.). Foto: Fritzsche

Der Kaffeewasserbrunnen im Stuttgarter Norden wird saniert und bekommt einen neuen Standort und eine Kunstinstallation. Mitte Juni soll er eingeweiht werden.

S-Nord - Wer sich wundert, warum einige der Bäume an der Hermann-Lenz-Höhe derzeit rund um ihre Stämme mit Holz verkleidet sind, bekommt hier seine Antwort: Umbauarbeiten sind in vollem Gange, um den Kaffeewasserbrunnen mitten in die Grünanlage zu versetzen. Um die Bäume vor schwerem Baustellengerät zu schützen, sind sie eingekleidet worden.

Das Vorhaben ist ein Projekt zweier städtischer Ämter, des Gartenbau- und Tiefbauamts, sowie der Stiftung Stuttgarter Brünnele, die sich für Brunnensanierungen in der Stadt einsetzt und diese auch finanziell unterstützt. „Der Kaffeewasserbrunnen lag bis vor einigen Wochen am äußeren Rand der Grünanlage, an der Friedrich-Ebert-Straße“, berichtet Bernd Sauer, der bei der Bauabteilung Mitte/Nord des Tiefbauamts für die Stadtbrunnen zuständig ist. Dort sei er aber den wenigsten als Brunnen aufgefallen. Er ist nun abgebaut worden und so lange in Verwahrung, bis der neue Standort, mitten in der Grünanlage, bereit für den Aufbau ist.

Ein neues Fundament ist gegossen worden

Dazu waren umfangreiche Vorarbeiten nötig: „Die Wasser- und Stromleitungen sind vom alten Brunnenstandort zum neuen gelegt worden“, berichtet Bernd Sauer. Ein neues Fundament ist in Beton gegossen worden, die Verkleidung soll aus Naturstein erstellt werden. An beiden Seiten der neuen Brunnenanlage werden Knöpfe angebracht, mit denen das Wasser zum Laufen gebracht werden kann – und es ist Trinkwasser, was hier fließen wird. Vom Hahn läuft das Wasser in eine Schale. „Ein Teil versickert dann in die Schale“, erklärt Sauer, „und ein Teil fällt vorne hinunter, in eine zweite Schale.“ Die ist ebenerdig angebracht und soll als Tiertränke dienen, für Hunde oder auch Vögel.

Was mit dem Wasser geschieht, das durch die Schale versickert, ist einzigartig für Stuttgart, sogar für die Region: Es handelt sich um einen sogenannten Klangstein, ein Kunstwerk des japanischen Bildhauers Shinroku Shimokawa. Er studiert an der staatlichen Akademie der bildenden Künste, die sich nur wenige Meter entfernt befindet. „Im November habe ich den 3,5 Tonnen schweren Stein aus Schwarzwälder Granit in einem Steinbruch geschlagen“, berichtet er. Seitdem ist er mit der Fertigstellung beschäftigt, nicht andauernd, da er gleichzeitig an anderen Werken arbeitet, aber regelmäßig. „Das Wasser sickert in den Stein, dort befindet sich ein Hohlraum mit Wasserspiegel, das Wasser tropft darauf und erzeugt so einen Klang“, erklärt Bernd Sauer. Momentan experimentiert Shimokawa noch mit verschiedenen Höhen, aus denen das Wasser auf den Spiegel trifft, je nach Höhe werden verschiedene Klänge erzeugt.

Hermann Lenz war ein Mann der leisen Töne

Aus dem Granit werden außer dem Klangstein auch noch zwei Sitzgelegenheiten an den Seiten der Anlage entstehen. Das hat den einfachen Grund, dass die Klanginstallation zwar Töne erzeugt, diese aber nicht sehr laut sein werden. „Von den Bänken in der Grünanlage hört man das nicht, man muss schon daneben sitzen und hinhören“, sagt Peter H. Haller – er und Herbert O. Rau sind die Vorstände der Stiftung Stuttgarter Brünnele. „Die Leute sollten sich darauf einlassen, zur Ruhe kommen“, erklärt Bernd Sauer vom Tiefbauamt. Besonders ist auch, was mit dem Wasser geschieht, das aus dem Brunnen in die Kanalisation fließt: Es wird über zwei sogenannte Sickerpackungen den Bäumen auf der Hermann-Lenz-Höhe zugeführt.

70 000 Euro kostet das Vorhaben, 40 000 davon steuert die Stiftung bei. Ursprünglich hatten Haller und Rau die Idee gehabt, den Namen des Kaffeewasserbrunnens auch in die Gestaltung einfließen zu lassen. „Vielleicht in Form einer Kaffeekanne, aber wir waren uns nicht sicher, ob das nicht kitschig wäre“, erinnert sich Haller. Über Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin der Stadtmitte, kam aber der Kontakt zu Petra von Olschowski zustande, der Rektorin der Kunstakademie, und schließlich der Kontakt zum Künstler. „Die Klanginstallation passt auch sehr gut zum Standort“, erklärt Haller, schließlich sei der Schriftsteller Hermann Lenz ein „Mann der leisen Töne“ gewesen.

Mitte Juni soll der neue Kaffeewasserbrunnen, der vermutlich aus dem Jahr 1950 stammt, eingeweiht werden. Angeblich hat er seinen Namen bekommen, weil sein Wasser einen besonders guten Kaffee machte. Im Sommer kann diese Theorie dann getestet werden.

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