Der Heizölpreis ist derzeit so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr. Bei einer Abnahmemenge von 3000 Litern werden um die 80 Cent pro Liter fällig, das sind 2400 Euro für eine durchschnittliche 3000-Liter-Tankfüllung Foto: dpa-Zentralbild

Heizöl ist derzeit so günstig wie seit langem nicht. Wer von den niedrigen Preisen profitieren will, sollte nicht zu lange mit der Bestellung warten – und die Preise genau vergleichen.

Stuttgart/Hamburg - Der Irak, Syrien, Gaza, Ukraine, Nigeria: Die Liste der weltweiten Krisenherde ist lang – und alle betreffen Regionen, die Einfluss auf unsere Energieversorgung haben. Noch vor wenigen Jahren hätte ein einziger dieser Konflikte ausgereicht, um den Ölpreis kräftig in die Höhe zu treiben. Doch dieses Mal zeigt er sich unbeeindruckt: Etwas mehr als 100 US-Dollar, also rund 75 Euro, kostet ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent derzeit. „Die Ölpreisentwicklung ist angesichts der globalen Sicherheitslage erstaunlich entspannt“, sagt Oliver Klapschus, Geschäftsführer des Energievergleichsportals HeizOel24.de.

Für die Verbraucher sind das gute Nachrichten. Denn auch der Preis für Heizöl ist im Keller. Er ist derzeit so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr. Bei einer Abnahmemenge von 3000 Litern werden um die 80 Cent pro Liter fällig, das sind 2400 Euro für eine durchschnittliche 3000-Liter-Tankfüllung. Je nach Region unterscheiden sich die Preise leicht: In Süddeutschland ist Heizöl traditionell etwas teurer als im logistisch günstiger gelegenen Norden.

Hauseigentümer stehen daher nun vor der Frage, ob sie das derzeitige Preistief nutzen und ihre Heizölvorräte für den Winter auffüllen sollen – oder ob es besser ist, abzuwarten und auf weiter fallende Preise zu hoffen. Welches tatsächlich der richtige Zeitpunkt zum Heizölkauf ist, weiß man leider immer erst hinterher. Heizölexperte Klapschus rät jedoch dazu, jetzt zuzuschlagen: „Das Risiko, in die Kostenfalle zu tappen, wenn die Sicherheitslage im Nahen Osten vollends eskaliert, ist allgegenwärtig. Mit einem vollen Tank in die Heizperiode zu starten ist also die sicherste Alternative und in diesem Jahr auch preislich attraktiv.“

Trotz des niedrigen Preisniveaus können Kunden aber noch zusätzlich sparen

Viele Menschen folgen derzeit diesem Rat: Die Heizölnachfrage habe den höchsten Stand seit Jahresbeginn erreicht, sagt Klapschus. „Volltanken ist das Gebot der Stunde.“ Die hohe Nachfrage spiegelt durchaus die saisonalen Gepflogenheiten wider: „Zum Ende der Sommerferien beginnt bei der Heizbevorratung traditionell die umsatzstärkste Zeit“, so Klapschus. Neben den gut fünf Millionen deutschen Privathaushalten werden zunehmend auch Hausverwaltungen und Gewerbekunden am Markt aktiv und bestellen Heizöl. In Österreich und der Schweiz gibt es jeweils gut 800 000 Ölheizungen, deren Besitzer sich nun verstärkt für den kommenden Winter eindecken.

Hinzu kommt: Die Heizölbranche klagte im ersten Halbjahr dieses Jahres über Absatzeinbußen von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der außergewöhnlich milde letzte Winter hatte dafür gesorgt, dass die Vorräte in den Tanks länger reichten. Doch auch die Warmwasserbereitung im Sommerhalbjahr hat Öl gekostet, so dass viele Hauseigentümer nun nicht mehr länger warten können.

Trotz des niedrigen Preisniveaus können Kunden aber noch zusätzlich sparen. Ein Preisvergleich ist grundsätzlich immer ratsam, so Günther Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dieser kann auf die altbewährte Art mittels einiger Anrufe bei verschiedenen Ölhändlern erfolgen oder via Internet auf Vergleichsportalen. Auf Heizöl spezialisierte Portale wie HeizOel24.de oder EasyOil.com bieten entsprechende Online-Preisvergleiche an, auch das Verbraucherportal Biallo.de bietet seit Ende vergangenen Jahres einen Heizöl-Vergleichsrechner.

Außerdem kann man von Mengenrabatten profitieren, wenn man sich mit Nachbarn und Freunden zusammentut und gemeinsam bestellt. Preisnachlässe kann aber nur erwarten, wer nicht allzu weit voneinander entfernt wohnt. „Als Faustregel gelten etwa drei bis fünf Kilometer“, sagt Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Bei größeren Entfernungen nehmen Versorger in der Regel keine Sammel­bestellungen an.“

Für eine Bestellung können sich Hausbesitzer im Netz zusammenschließen

Den Preis machen die meisten Ölhändler bei Sammelbestellungen an der durchschnittlichen Bestellmenge aller Beteiligten fest. Für die Abnehmer hoher Literzahlen bedeutet das, dass sich die Sammelbestellung nur lohnt, wenn die anderen nicht deutlich weniger bestellen. „Sonst wird der Schnitt gesenkt“, erklärt Blenkers. „Besteller kleinerer Mengen sind dagegen gut dran, denn günstiger wird es so eigentlich immer.“ Außerdem sollten die Besteller beachten, dass die Gruppe gesamtschuldnerisch für die Bestellmenge haftet. „Das bedeutet, dass die übrigen Beteiligten einspringen müssen, wenn einer der Mitstreiter die Rechnung nicht bezahlt“, so Blenkers. Es ist daher sinnvoll, nur Nachbarn mit ins Boot zu holen, denen man wirklich vertraut.

„Statt die Sammelbestellung selbst zu organisieren, kann man sich auch über Internetplattformen mit anderen Bestellern zusammenschließen“, erläutert Verbraucherschützer Hörmann. Auf Plattformen wie etwa Heizoelpool.de, Heizoelboerse.de und Heizoel-Sammelbestellung.de kann man sich kostenfrei anmelden und die gewünschte Menge und den Lieferzeitpunkt angeben. Wenn genügend Käufer in einer Wohnregion beisammen sind, sucht der Poolanbieter nach dem günstigsten Händler und gibt die Sammelbestellung auf.

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