Bei Paaren im Kreis sind vor allem die klassischen Trauungssäle in den Rathäusern beliebt. Foto: dpa//Andreas Lander

Wegen der Kontaktbeschränkungen hatten viele Paare während der Pandemie ihre Hochzeit verschoben. Jetzt, da die meisten Beschränkungen entfallen sind, verzeichnen einige Standesämter im Landkreis Esslingen einen Ansturm auf die Termine.

Für viele soll der Tag der eigenen Hochzeit der schönste im Leben sein. Kontaktbeschränkungen, Testnachweise und Maskenpflicht haben einigen Paaren in den vergangenen beiden Jahren dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht. Etliche haben ihre Trauung verschoben. Mittlerweile sind die Coronaregeln deutlich gelockert, der Frühling ist da. Gibt es nun einen Ansturm auf die Termine beim Standesamt?

 

Einen Heiratsboom kann Niclas Schlecht, der Pressesprecher der Stadt Esslingen, nicht bestätigen. Da standesamtliche Trauungen nicht als Veranstaltung gelten, sondern eine Amtshandlung sind, konnten sie während der Coronazeit durchgehend stattfinden. Nur zu Beginn der Pandemie, im Frühjahr 2020, hätten viele Paare die Trauung auf den Herbst oder ins Folgejahr verschoben.

Wer dieses Jahr noch eine Hochzeit in Esslingen plant, sollte bei der Terminauswahl offen sein. „Erfahrungsgemäß sind wir jedes Jahr frühzeitig gut ausgebucht. Wer flexibel ist, findet grundsätzlich immer einen Termin bei uns, gegebenenfalls auch schon mal kurzfristig“, sagt Schlecht.

Das Alte Rathaus ist begehrt

Das Jawort geben kann man sich in Esslingen im Trauzimmer im Neuen Rathaus sowie im klassischen Trausaal und im Bürgersaal im Alten Rathaus. Outdoorfans können sich von Ende Mai an auf der Burganlage ewige Treue schwören. Bei schlechtem Wetter wird auf die Burgstube im Dicken Turm ausgewichen. Der beliebteste Ort sei der Trausaal im Alten Rathaus, da der „Rathausplatz anschließend eine wunderbare Kulisse für den Sektempfang bietet“, so Schlecht.

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Freie Trauungstermine für Paare gibt es auch in Plochingen noch, allerdings würden die Anfragen zunehmen, berichtet Ann-Kathrin Schranz, Pressesprecherin der Stadtverwaltung. Als Räumlichkeit steht in Plochingen nur das Alte Rathaus zur Verfügung. Anfragen würden die Stadt immer wieder von Paaren erreichen, die sich gerne auf dem Jubiläumsturm beim Stumpenhof trauen lassen möchten, berichtet Schranz. Dies sei allerdings momentan nicht umsetzbar.

Outdoor-Locations sind nicht gefragt

Im Stadion, im Museum oder auf einer Burg – manche Paare geben sich nicht mit einem einfachen Saal zufrieden, sondern suchen für ihren großen Tag einen ganz besonderen Ort. Doch besonders beliebt seien solche Event-Locations nicht, sagt Clint Metzger, Sprecher der Stadt Nürtingen. Dort haben Paare die Möglichkeit, sich in der Villa Domnick sowie im Garten des Cafés Plätschwiesle in Oberensingen das Jawort zu geben. Laut Metzger bekomme die Stadt für diese Örtlichkeiten im Schnitt zwei oder drei Meldungen pro Frühjahr und Sommer. Die Termine seien auch nicht beliebig wählbar. Allgemein verzeichne die Stadt eine steigende Nachfrage nach Eheschließungen, es gebe aber noch freie Termine. Die meisten Hochzeiten fänden im Trauzimmer im Rathaus statt.

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Wer nach besonderen Hochzeitskulissen im Landkreis sucht, der wird zum Beispiel auf der Festungsruine Hohenneuffen fündig. Für diesen Sommer sind noch Termine sonntags und unter der Woche verfügbar. Im Freilichtmuseum Beuren können sich Paare entweder im Freien oder im Hopfensaal die ewige Treue schwören.

Wer im Freien heiraten möchte, hat in Filderstadt schlechte Karten. „Outdoor- oder Eventlocations stehen nicht zur Verfügung“, sagt Jan-Stefan Blessing, der Leiter des Ordnungsamts. In den beiden vergangenen Jahren habe sich die Pandemie auch bei den Eheschließungen bemerkbar gemerkt. 2020 gab es einen Rückgang von 14 Prozent, 2021 gab es 18 Prozent weniger Trauungen. Für diese Saison rechne man mit einer Steigerung. Trauungen können neben dem alten Rathaus in Bernhausen auch in den Rathäusern in Sielmingen und Harthausen sowie im Mörikesaal im Bürgerhaus in Plattenhardt vollzogen werden, sagt Blessing.

Anfragen nehmen zu

In Leinfelden-Echterdingen haben sich bis jetzt deutlich mehr Paare das Jawort gegeben als im Jahr zuvor, berichtet Thomas Krämer, der Pressesprecher der Stadt. Man rechne damit, dass noch mehr Anfragen kommen werden. Da man in Leinfelden-Echterdingen auch wochentags heiraten könne, seien noch Termine verfügbar. In Ostfildern haben die Anmeldungen für Eheschließungen zwischen Januar und dem 17. Mai verglichen mit dem selben Zeitraum im vergangenen Jahr um 48 Prozent zugenommen, berichtet Dominique Wehrle, Sprecher der Stadtverwaltung. Anders sieht die Situation jedoch in Kirchheim aus. Bis jetzt habe man keine erhöhte Nachfrage nach Trauungen wahrnehmen können, so der Stadtsprecher Robert Berndt. Paare können sich im Rundsaal des Schlosses trauen lassen – allerdings nur Bürger und Bürgerinnen aus Kirchheim.

Wo darf man heiraten?

Gesetzliche Vorgaben
„Grundsätzlich muss ein Trauort den besonderen Anforderungen des Standesamtsrechts genügen. Die Eheschließung soll in einer der Bedeutung der Ehe entsprechenden würdigen Form, die dem Standesbeamten eine ordnungsgemäße Vornahme seiner Amtshandlung ermöglicht, vorgenommen werden“, erklärt Clint Metzger, Pressesprecher der Stadt Nürtingen. 2011 beschloss das baden-württembergische Innenministerium, dass auch Trauungen im Freien erlaubt sind. Wer in Esslingen wohnt, aber in einer anderen Stadt heiraten möchte, kann das tun. Nur anmelden muss sich das Paar an seinem Wohnsitz, die Trauung kann deutschlandweit vollzogen werden.

Corona-Regeln
Aktuell gibt es keine Corona-Einschränkungen mehr, viele Städte empfehlen jedoch das Tragen einer medizinischen oder FFP-2-Maske. In Filderstadt gilt derweil noch die Maskenpflicht, da die Stadt sich hier auf ihr Hausrecht beruft.