Stets lässig: der Sänger Heino Foto: dpa

Heino spricht über seinen bevorstehenden achtzigsten Geburtstag, Nazi-Vorwürfe und „Wir sind mehr“, Rammstein, Heidi Klum und seine Frau Hannelore.

Stuttgart - Fast sechzig Jahre steht Heino schon auf der Bühne und hat fünfzig Millionen Tonträger verkauft. Dass der Künstler längst Kultstatus erreicht hat, wird beim Treffen in der Lobby des Hotels Grand Elysée in Hamburg deutlich: Immer wieder sprechen den Blonden mit der schwarzen Sonnenbrille Menschen mittleren Alters an und wollen ein Foto mit ihm. „Ich mag das gern“, sagt Heino gelassen.

Heino, haben Sie schon Rammstein-Tickets?

Nein, die sind ja schon ausverkauft, habe ich gelesen.

Aber seit Ihrem gemeinsamen Auftritt beim Wacken Open Air 2013 haben Sie doch bestimmt Beziehungen?

Ja, ich müsste wohl nur anrufen. Wenn sie in Düsseldorf oder Köln sind, werde ich vielleicht mal anfragen. Aber im Grunde genommen sind das nicht unbedingt Konzerte, die ich sehen muss. Aber es freut mich für Rammstein, dass ihre Konzerte voll sind. Es ist ja toll, wenn sie die Stadien stürmen.

Sind Sie für das, was seit 2013 passiert ist, dankbar?

Na, klar, das waren turbulente fünf Jahre. Ich bin jetzt fast 60 Jahre dabei und versuche immer, etwas Neues zu kreieren: neue Texte zu bekommen, neue Melodien. Ich habe damals gesagt: Wenn ein Mensch mit 75, der sein Leben lang Volkslieder gesungen hat, anfängt, Rock-Sachen zu singen, dann wird das ein Medienaufschlag. Und ich hatte recht. Der Riesenerfolg, den das Album „Mit freundlichen Grüßen“ mit sich brachte, war für mich natürlich sehr erfreulich.

Auf Ihrer neuen Platte covern Sie nun unter anderem Trios „Da da da“. Wie lange brauchen Sie, um so einen Titel einzusingen?

Vielleicht eine halbe Stunde? Der Song ist auch einfach zu singen.

Ihre Version des Kraftwerk-Titels „Das Model“ haben Sie Heidi Klum gewidmet. Wie finden Sie es, dass Sie mit dem 16 Jahre jüngeren Tom Kaulitz von Tokio Hotel zusammen ist?

Der Altersunterschied zwischen Heidi und Tom ist ein bisschen groß, aber wenn es eben passt, dann passt es – ist doch wurscht! Heidi und ich kennen uns noch aus einer meinen Fernsehsendungen von früher. Vor vier Wochen war sie beruflich in Düsseldorf, und da habe ich die Brüder von Tokio Hotel auch gesehen. Denen hatte ich mal einen Bambi überreicht. Das sind wirklich nette Jungs.

Worauf sind Sie im Hinblick auf Ihre Karriere am meisten stolz?

Dass ich trotz aller Anfeindungen 60 Jahre erfolgreich gesungen habe.

Gibt es Sachen, die Sie rückblickend ­bedauern?

Nein. Ich bedauere, dass ich jetzt mit 80 Jahren aufhören muss, denn ich habe immer noch großen Spaß am Singen. Aber irgendwann muss ja mal Schluss sein. Ich hatte mir als Zeitpunkt gesetzt, dass ich zum 80. Geburtstag meine letzte Tournee im nächsten Jahr verkünde. Mal schauen, wie es danach weitergeht. Dadurch, dass mein Enkel Sebastian (Kramm, Anm. d. Red.) jetzt Musik macht, bin ich ja nicht von der Bildfläche verschwunden.

Es wurde immer mal wieder behauptet, dass Sie mit der Interpretation von Volksliedern, die sich auch die Nazis zu eigen gemacht haben, rechtes Gedankengut bedienen. Wie sind Sie mit der Kritik umgegangen?

Das stimmt ja alles gar nicht. Volksmusik hat natürlich einen altmodischen Klang, aber das sind Lieder von uns. Wenn ich jetzt „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ singe, sehe ich überhaupt gar keinen rechten Gedanken. Wer bös’ denkt, ist bös’. Das habe ich damals schon immer als Blödsinn abgetan. Ich habe diese Lieder von Herzen gerne gesungen, und ich würde den gleichen Weg noch mal gehen. Weil dieser Weg, den ich gegangen bin, richtig für mich war.

Wie beurteilen Sie die rechten Strömungen in den ostdeutschen Ländern? Würden Sie auf einer Veranstaltung wie „Wir sind mehr“ auch mal singen?

Ich habe noch nie auf einer politischen Veranstaltung gesungen, auch wenn man mir das schon mal untergeschoben hat. Politisch habe ich mich noch nie geäußert, und das tue ich bis zum heutigen Tage nicht.

Und trotzdem haben Sie ein Lied zu Ehren der Bundeskanzlerin auf Ihrer neuen Platte.

Ich finde, sie ist eine gute Kanzlerin. Sie hat meine Frau Hannelore und mich vor zwei Monaten mal zu einer Veranstaltung eingeladen. Sie kam zu mir und hat mich an die Hand genommen. Das war ein schöner Nachmittag.

Vor Ihrer Musikkarriere arbeiteten Sie als Lehrling im Fach Bäckerei und Konditorei. Können Sie noch backen?

Nein, ich war auch immer ein schlechter Bäcker. Es hat mich einfach nicht interessiert. Ich hatte meiner Mutter zuliebe drei Jahre Bäcker gelernt – und dann noch mal zwei Jahre Konditor hinterher. Aber in dem Jahr, wo ich meine Prüfung gemacht habe, habe ich umgeschwenkt und dann angefangen mit der Musik.

Wie werden Sie denn Ihren Ehrentag verbringen?

Ich weiß es noch nicht. Die Hannelore wird etwas vorbereiten, und sie wird mich damit überraschen. Aber eher im Familienkreis.

Haben Sie Wünsche zum 80. Geburtstag?

Ich möchte erst mal 80 werden, das ist ein Wunsch. Vor allen Dingen habe ich aber Wünsche, die nicht mich betreffen, sondern Hannelore. Ich hoffe, sie wird eines Tages wieder besser gehen können. Sie hat viele Operationen hinter sich. Mein Wunsch ist, dass es ihr besser geht. Für mich persönlich habe ich keine Wünsche, denn ich bin noch sehr fit und gesund.

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