Sauberkeit ist auch Handarbeit: Ein Team der AWS reinigt den Marienplatz. Vor allem in der Coronapandemie wurde dort viel gefeiert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Kehrwoche in Stuttgart hat eine lange Tradition. Doch wie ist es heute um die Sauberkeit in der Stadt bestellt? In unserer Umfrage Heimat-Check geben die Bewohner Stuttgarts dazu eine klare Bewertung ab.

Es klappt wohl nicht nur mit der Kehrwoch’, sondern auch sonst werden in Stuttgart eifrig die Besen geschwungen, der Dreck weggeräumt und die Straßen gekehrt: In keiner anderen Kategorie haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Umfrage Heimat-Check der Stadt so gute Noten gegeben wie beim Thema „Sauberkeit“. Den Wert von 7,09 Punkten auf der Skala von 1 bis 10 hat die Stadt erhalten – wobei sich die Zufriedenheit in den Stadtbezirken stark unterscheidet.

 

Der Heimat-Check ist keine repräsentative Umfrage, liefert aber ein informatives Stimmungsbild, wie die Stuttgarter Themen wie Wohnen, Verkehr, Digitalisierung, Sicherheit, Gesundheit, Einzelhandel und Lebensqualität in ihrer Stadt bewerten.

Sillenbuch liegt vorne, Zuffenhausen ganz hinten

Zwei Fragen waren zu beantworten: „Wie beurteilen Sie die Sauberkeit in ihrem Stadtbezirk?“ und „Wie gut funktioniert die Müllentsorgung?“ Offenbar ist es in Sillenbuch sauber und die Mülleimer werden regelmäßig gelehrt: So ist es zu erklären, dass hier die Bestnote von 8,1 Punkten vergeben wurde. Es folgen weitere Bezirke, die weit weg sind von der City. Das erklärt wohl auch den hohen Grad der Sauberkeit dort: Überwiegend sind dies Wohnbezirke, die an den Wochenenden kein Ausgehpublikum anziehen und unter der Woche keine starken Pendlerströme zu verkraften haben. Beide Gruppen bringen Müll in Form von Essensverpackungen und Getränkebehältern mit sich, schon allein deshalb hat man weniger Müll zu erwarten, je weiter man vom Zentrum wegkommt. Nach Sillenbuch folgen Degerloch (8,01), Botnang (8,0), Birkach (7,95), Plieningen (7,86) und Möhringen (7,72) auf den vorderen Plätzen.

Das Schlusslicht der Tabelle ist Zuffenhausen mit 5,64 Punkten. Das ist jedoch auch noch kein katastrophal schlechter Wert – wenngleich auch deutlich unter dem Durchschnitt von gut 7 Punkten. Ein Stadtbezirk, der zwischen stark befahrenen Verkehrsachsen liegt, nicht so viele gediegene Wohngebiete hat wie Sillenbuch und wegen der angesiedelten Betriebe starke Pendlerströme hat, ist weniger leicht sauber zu halten als Sillenbuch oder Birkach. Daher wünschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage für Zuffenhausen auch „mehr Kontrollen und Sanktionen bei Verschmutzungen“. Und auch beim Spitzenreiter Sillenbuch sind nicht alle zufrieden: „Es sollten mehr öffentliche Mülleimer aufgestellt werden“, lautet ein Kommentar. Das von der Partyszene vor allem an den Wochenenden geplagte Stuttgart-Mitte kommt mit 5,96 Punkten auf den vorletzten Platz. „Die Sauberkeit ist unzureichend und der Lärm durch grölende Menschen, die aus dem Umland reinfahren, um hier die „Sau rauszulassen, ist unerträglich“, beklagt ein Teilnehmer an der Umfrage die Schattenseiten des bunten Nachtlebens in der Landeshauptstadt.

„Sauberkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe“

Was es bedeutet, eine Großstadt sauber zu halten, weiß Andrea Schlepper, die Sprecherin des städtischen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS): „Sicherheit durch Sauberkeit, das ist so wichtig für das Wohlbefinden und für die Lebensqualität in einer Stadt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWS leisten tagtäglich sehr viel für diese unsere Lebensqualität, und sie tun es mit viel Engagement und Freude“, sagt sie. Deswegen freue man sich bei der AWS besonders, dass das Thema Sauberkeit in der Umfrage so gut abgeschnitten habe. Aber mit den Putztrupps allein sei es nicht getan, betont Andrea Schlepper: „Sauberkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gelingen kann, wenn möglichst alle mitmachen. Die AWS allein kann es nicht schaffen, wenn Menschen beispielsweise die Angebote nicht oder nur teilweise nutzen. Sprich, wenn sie ihren Abfall unterwegs nicht in einen der über 5 500 Stuttgarter Abfallkörbe geben, sondern einfach fallen lassen.“

Auch die Kehrwoche gehört dazu. Das merke man etwa am stark unterschiedlichen Abschneiden der Bezirke Sillenbuch und Zuffenhausen: In Zuffenhausen stünden viele Läden leer. Es fehlen damit auch die Verantwortlichen, die den zugehörigen Bereich vor dem Geschäft reinigen würden – so wie Privatleute den Abschnitt des Gehwegs vor ihrem Wohnhaus.

Welche Brennpunkte gibt es in Stuttgart?

Die Brennpunkte in der Stadt sind nach wie vor die beliebten Treffpunkte – aber es sei nicht mehr so schlimm wie in der Zeit der Corona-Pandemie, als mangels Alternative viele junge Menschen unter freiem Himmel feierten. Am Feuersee, Marienplatz, Max-Eyth-See und am Schlossplatz sei das Müllaufkommen immer noch besonders hoch. „Derzeit verschärft sich die Lage in der unteren Königstraße an einzelnen Tagen immer wieder“, sagt Andrea Schlepper. Ein Grund dafür sei, dass manche Fastfood-Restaurants zu wenig Abfallbehälter aufstellen würden. Auch würden die Betreiber den einfach zuzuordnenden Müll ihrer Filiale nicht aufsammeln.

Tonnenweise Dreck wird in Stuttgart täglich weggeschafft

In Zahlen bedeutet die Arbeit der AWS: In Stuttgart kommen pro Jahr mehr als 6750 Tonnen Kehricht und Abfall in den Straßen und aus den mehr als 5500 Papierkörben zusammen. Insgesamt gibt es im Jahr 1,3 Millionen Leerungen.

Ein Beispiel aus dem Herzen der Stadt: Im Bereich des Kleinen Schlossplatzes, der Freitreppe und der Königstraße vor der Freitreppe und dem Kunstmuseum einschließlich der Bushaltestelle Planie sammelt die AWS täglich etwa 800 bis 1000 Kilogramm Abfälle aus Papierkörben und vom Boden ein.