Das Model Heidi Klum bei der Vorstellung ihrer Modelinie „Esmara by Heidi Klum“ für Lidl in New York. Sie trägt den kobaltblauen Roberto-Blanco-Gedächtnisblazer. Foto: AP

Blazer, Hosenanzüge, Ponchos, Sneakers – seit diesem Montag ist Fashion Week bei Lidl. Das Model Heidi Klum hat eine eigene Modelinie für den deutschen Discounter mit entworfen. Taugt das was?

Stuttgart - Wer Leoparden-Prints schaurig findet, der kann sich den Weg zu Lidl sparen. Wem Materialien wie Polyester, Elasthan, Viskose und Polyacryl (vorwiegend!) in Hosen, Röcken, Jacken und Blusen ein Graus sind, auch. Wer sich im Herbst gerade nicht passend zur Jahreszeit in Braun-, Dunkelblau-, Beige- und Grautönen gewanden möchte, ebenso. Damit wäre die mit Pauken und Trompeten angekündigte Kollektion „Esmara by Heidi Klum“ mit dem niederschmetternden Titel „#Let’sWow“ hinlänglich beschrieben.

So „exciting“ wie das Heidi Klum während des Launch-Events der Linie bei der Fashion Week in New York unlängst empfand, so wenig aufregend ist sie ausgefallen. Sollte sie vermutlich auch nicht. Das Discounter-Publikum gilt ja nun nicht gerade als modisch progressiv. Der Pailletten-Blouson für 19,90 Euro ist da noch das abgefahrenste Teil. Für einen verrückten Vorstadt-Disco-Abend oder so. 100 Prozent Polyester, aber immerhin mit einem Qualitätssiegel versehen, so wie alle Kollektionsteile – darunter macht es heute kein Günstig-Bekleidungsanbieter mehr. Ein Etikett mit dem Hinweise „Made in ...“ sucht man vergeblich, was nichts Faires, Nachhaltiges oder anderweitig Gutes verheißt. Darüber wundert sich beim Discounter aber nun wirklich niemand mehr.

Neben der Kühltheke und ohne Umkleidekabine lässt es sich schlecht anprobieren

Neben sehr kurzen Miniröcken aus unfassbar künstlichem Samt-Imitat, kobaltblauen Roberto-Blanco-Gedächtnis-Blazern, labberigen Schluppen-Blusen und unförmigen Overalls mit weiten Hosen, die wohl den Marlene-Dietrich-Look zitieren sollen, findet sich durchaus das ein oder andere brauchbare Teil. Die Jeans-Hosen in Blau, Grau und Schwarz sollte man eher zwei Nummern größer kaufen, so „skinny“ (also schmal) sehen sie aus, aber der Schnitt könnte ganz gut aussehen. Da es sich neben der Kühltheke und ohne Umkleidekabine so schlecht anprobieren lässt, muss man wohl einfach auf gut Glück zwei, drei Nummern mitnehmen und die übrigen am nächsten Tag wieder zurück bringen.

Auch der Jeans-Overall (98 Prozent Baumwolle!) sieht schnittig und bequem aus. Das teuerste Teil der Kollektion, eine Lederjacke aus echtem Leder für 60 Euro, ist dezent und feminin ausgefallen. Wobei einem der sehr günstige Preis für echtes Leder aufs faire Gemüt schlägt. Ebenso die 24,99 Euro für echte Leder-Sneakers. Ramsch mit müdem Glamour-Effekt made by Heidi Klum. Wow.

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