Die Polizei hat Hinweise auf einen Verdächtigen in einem ungelösten Kriminalfall. Foto: dpa

Die Polizei hat neue Hinweise auf einen Verdächtigen in einem der spektakulärsten ungelösten deutschen Kriminalfälle. Ein noch unbekannter Mann prahlte vor zwei Zeugen damit, die Heidenheimer Bankiers-Ehefrau im Mai 2010 erstochen zu haben.

Heidenheim - Fast sieben Jahre nach der Ermordung der Heidenheimer Bankiers-Ehefrau Maria Bögerl suchen das Ulmer Polizeipräsidium und die Bundesanwaltschaft wieder konkret nach einem möglichen Täter.

Nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Ellwangen stammt die Spur vom 26. Juni des vergangenen Jahres. Kurz nach Mitternacht hatte ein offenbar betrunkener Unbekannter in Hagen (Nordrhein-Westfalen), rund 500 Kilometer vom Tatort an der Autobahn 7 bei Heidenheim entfernt, zwei Männer angesprochen. Er erzählte ihnen Details zum Mordfall Bögerl. Die Frau war am 12. Mai 2010 aus ihrem Haus entführt worden.

„Das kam den Zeugen sehr merkwürdig vor“, berichtet ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Sie hätten deshalb den weiteren Verlauf des Gesprächs mit einem Mobiltelefon aufgezeichnet und die Polizei informiert. Nach Auswertung der Sprachdatei verträten Profiler die Meinung, dass der Unbekannte seine Informationen nicht nur aus Medienberichten hat. Er gelte darum als dringend Verdächtiger, so die Staatsanwaltschaft.

Den nächtlichen Zeugen in Hagen gegenüber gab der Mann an, aus dem Dorf Ochsenberg in der Gemeinde Königsbronn (Kreis Heidenheim) zu stammen. Er erzählte von einem Tatmesser vom Typ Aitor Jungle King III, einem frei verkäuflichen sogenannten Überlebensmesser. Er will früher Bundeswehrsoldat gewesen sein und einen Speziallehrgang bei einer Kompanie für psychologische Verteidigung absolviert haben. Die Polizei hat am Mittwoch ein Phantombild des Unbekannten veröffentlicht und bittet um Hinweise.

Fall zum dritten Mal in der ZDF-Sendung

Am Mittwochabend ist der Fall Bögerl kurzfristig in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ Thema geworden – zum nunmehr dritten Mal seit 2010. Dabei konnte man die tief schwäbisch geprägte, jedoch durch Alkoholeinfluss offenbar verwaschene Stimme des Unbekannten hören.

Was auf dem Gesprächsausschnitt fehlt, erläuterte in der Fernsehsendung der Ulmer Kriminalhauptkommissar Michael Bauer, der nach Auflösung der Sonderkommission Flagge 2016 in den vergangenen Monaten, unterstützt von einem Sachbearbeiter, letzter verbliebener Spezialfahnder beim Polizeipräsidium im Fall gewesen ist. Bauer am Abend über den Verdächtigen: „Er sagte, dass er die Familie Bögerl hassen würde. Und ganz konkret hat er gesagt, dass er Maria Bögerl erstochen hat.“ Ochsenberg liegt nahe zum damaligen Wohnort der Bögerls in Heidenheim-Schnaitheim und zum Tatort. Ob die Frau tatsächlich durch die Klinge des beschriebenen Überlebensmessers starb, hätte sich „aufgrund der langen Liegezeit“ der Leiche schon 2010 nicht mehr klären lassen, so Bauer. Maria Bögerls Überreste waren erst drei Wochen nach der Bluttat entdeckt worden.

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