Die Alte Kirche in Hedelfingen: Zweimal im Monat feiern dort die Mitglieder der niederländischen Gemeinde Stuttgart einen Gottesdienst. Foto: privat

Seit 1977 feiert die niederländische Gemeinde Stuttgart ihre Gottesdienste im Stadtbezirk.

Hedelfingen - In gewisser Weise ist Hedelfingen eben doch eine Hafenstadt. Als die niederländische Gemeinde in den 1970-er Jahren nach einem geeigneten Ort für ihre Gottesdienste in der Region Stuttgart suchte, entschied sie sich ganz bewusst für den Stadtbezirk am Fluss.

Damals hätten nicht nur Niederländer, die in die Bundesrepublik ausgewandert sind, diese Gottesdienste besucht, sondern auch viele Schifferfamilien, erklärt Tim van de Griend. Der gebürtige Holländer ist als Pfarrer seit zweieinhalb Jahren für die vier niederländischen Gemeinden im süddeutschen Raum Frankfurt, Karlsruhe, München und Stuttgart zuständig. Etwa 70 Familien zählt die niederländische Gemeinde laut van de Griend in Württemberg; an den Gottesdiensten in Hedelfingen nehmen im Schnitt allerdings nur rund 15 Personen teil.

Sie kommen aus ganz Stuttgart und der näheren Region. Zweimal im Monat – an jedem zweiten und vierten Sonntag – treffen sie sich in der Alten Kirche in Hedelfingen, um gemeinsam einen Gottesdienst in ihrer Muttersprache zu feiern; und das bereits seit dem Jahr 1977.

Gottesdienst als Gelegenheit die eigene Sprache zu sprechen

Neben der Nähe zum Neckar sei auch die Alte Kirche ein wesentlicher Grund dafür, warum die Niederländer ausgerechnet in Hedelfingen zusammenkommen, sagt van de Griend. Der Bezirk hatte damals bereits zwei Kirchen, die neuere Kreuzkirche und die Alte Kirche. Letztere sei von der Gemeinde kaum noch genutzt worden, stand also quasi leer. „Es gab eine sehr schöne Kirche direkt am Hafen, als ob sie auf die Holländer gewartet hätte“, sagt der Pfarrer.

Der 32-jährige Kirchenmann ist überzeugt, dass die niederländischen Gottesdienste für die in Deutschland lebenden Holländer sehr wichtig sind. Zum einen sei es eben so, dass gerade im Bereich der Religion die Muttersprache eine große Rolle spielt. In der Vergangenheit habe es allerdings auch noch andere Gründe gegeben: Für die Niederländer, die etwa in den 1950-er Jahren nach Süddeutschland kamen, war die holländische Heimat sehr weit entfernt. Zu dieser Zeit fuhr man nicht mal eben für einen Kurzbesuch quer durch die Republik. Hinzu kam, dass auch das Telefonieren damals noch sehr teuer war. Die Gottesdienste waren nach den Worten von Griend „eine Gelegenheit, um die eigene Sprache zu sprechen“.

Darüber hinaus hätten sich die niederländischen Gemeinden damals auch noch sehr von den deutschen unterschieden. Auch wenn die ausgewanderten Holländer ebenfalls Protestanten waren, organisierten sie sich in ihrer Kirche eher wie in einem Verein, was in Deutschland zu dieser Zeit nicht unbedingt üblich war. Der Pfarrer betont aber auch, dass es diesen Unterschied heute nicht mehr gibt.

Viele Nationen in Hedelfingen

Andererseits sei der niederländischen Gemeinde immer bewusst gewesen, dass es bei ihrer Arbeit nicht darum gehen dürfe, dass die gebürtigen Holländer in ihrer neuen Heimat unter sich bleiben und keine Kontakte zur deutschen Bevölkerung pflegen. Ganz bewusst habe man sich dazu entschieden, nur an zwei Sonntagen im Monat einen niederländischen Gottesdienst zu feiern, so dass an den Wochenenden auch noch genug Zeit für andere Aktivitäten bleibt. Gleichzeitig gebe es gerade in Hedelfingen seit vielen Jahren einen engen Kontakt zur deutschen evangelischen Kirchengemeinde. Der einmal im Jahr gemeinsam gefeierte deutsch-niederländische Gottesdienst ist inzwischen zu einem festen Bestandteil im Gemeindeleben geworden und wurde vor einiger Zeit sogar noch um eine weitere Nation erweitert.

Denn die Niederländer sind nicht mehr die einzigen, die in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde Hedelfingen eine Bleibe gefunden haben. Seit gut zwei Jahren trifft sich dort auch die ghanaische Gemeinde „Compassion Christian Ministry“. In Hedelfingen sind eben viele Nationen zu Gast, genau wie in einer richtigen Hafenstadt.

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