Nach langer Schließzeit ist das Haus der Jugendarbeit in Weinstadt unter neuer Leitung wieder geöffnet. Vom Andrang ist der neue Leiter Bernd Mauch überrascht und freut sich darüber. Gleichwohl sieht er an einigen Stellen Verbesserungsmöglichkeiten.
Rund ein halbes Jahr lang ist das Haus der Jugendarbeit in Weinstadt geschlossen gewesen – wegen Personalmangels. Jetzt hat die Einrichtung mit Bernd Mauch eine neue Hausleitung und ist wieder geöffnet. Die jungen Nutzer haben offenbar schon sehnsüchtig darauf gewartet. „Gleich am ersten Tag waren 30 Leute da“, berichtet Mauch überrascht vom großen Andrang gleich zu Beginn. Ähnlich viele seien an den folgenden Öffnungstagen gekommen. „Man hat gemerkt, die Jugendlichen sitzen in den Startlöchern“, berichtet Mauch auch von Feedbacks der jungen Besucher. „Gut, dass du da bist“, und „wir haben schon darauf gewartet, dass endlich aufgemacht wird“, diese und ähnliche Sätze habe er vielfach in den ersten Öffnungstagen gehört.
Nur das Kinderangebot blieb bestehen
Vakant war die Stelle der Hausleitung sowie der Bereichsleitung für die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Stadtjugendreferat bereits seit Oktober 2022. Als dann im vergangenen Sommer auch noch der stellvertretende Hausleiter ging, musste die Einrichtung vorerst dicht gemacht werden. Lediglich das Kinderangebot für Sechs- bis Zwölfjährige, das einmal wöchentlich mittwochs von 15 bis 18 Uhr stattfindet, blieb bestehen. Die Mitarbeiterin Indira Quinzona, die den Kidsclub im April 2023 zusammen mit einer Honorarkraft und einer Kraft aus dem Freiwilligendienst (FSJ) ins Leben gerufen hat, hielt ihn am Laufen. „Stellenbesetzungen sind in der Jugendhilfe derzeit generell sehr schwierig“, erklärt die Weinstädter Pressesprecherin die lange Schließzeit, „der Fachkräftemangel ist gravierend.“ So sei immer noch die Vollzeitstelle der stellvertretenden Einrichtungsleitung im Haus der Jugendarbeit unbesetzt, ebenso eine 50-Prozent-Stelle als Elternzeitvertretung in der Schulsozialarbeit am örtlichen Bildungszentrum. Dass Bernd Mauch die Hausleitung übernimmt, sei schon im Frühsommer 2023 entschieden gewesen. „Wegen einer langen Kündigungszeit konnte er allerdings erst im Januar 2024 in Weinstadt anfangen.“
Offenbar ließ man ihn in Ilsfeld (Kreis Heilbronn) nicht gerne ziehen. Zehn Jahre lang war er dort als Jugendreferent tätig gewesen und als solcher zuletzt auch für die Schulsozial- sowie die Offene Kinder- und Jugendarbeit zuständig, nachdem offene Stellen nicht wieder besetzt worden seien. „Ich wollte mich mehr auf eines konzentrieren“, sagt Mauch über seine Motivation, die Stelle zu wechseln. Zwar sei er mit 51 Jahren altersmäßig weit weg von den Weinstädter Jugendhausbesuchern. „Aber letztlich ist das auch eine Frage der Einstellung“, meint Mauch, den man, wenn man ihn vor sich lässig zurückgelehnt auf einem der Chill-Möbel im Haus der Jugendarbeit sitzen sieht, sehr gut dort auch im Gespräch mit Jugendlichen vorstellen kann. Äußerlich gealtert, ist er offenbar im Kopf jung geblieben und gleichzeitig reich an Lebenserfahrung.
Diesen Eindruck erweckt Mauch, der sich als „alter Hase“ bezeichnet, im Gespräch über Ideen für den geplanten Ausbau der Angebote im Weinstädter Jugendhaus und wie sich Jugendarbeit generell verändert hat.
Das Rebellieren „gehört dazu“
„Der Personalbedarf ist mit Sicherheit gestiegen, und man sagt, die Klientel ist schwieriger geworden. Aber was heißt das? Ich war als Jugendlicher sicher auch nicht immer einfach“, zeigt der Diplom-Pädagogen Verständnis für die Entwicklung, in der Jugendliche steckten. „Die Jugend ist eine Zeit des Ausprobierens, auch Rebellierens gegen das Elternhaus und die Gesellschaft. Das gehört dazu.“ Verändert hätten sich indes die Themen durch Internet und soziale Medien. „Dadurch kommen ganz andere Dinge auf, etwa was Mobbing anbelangt.“ Zudem habe die Vielfalt an Freizeitangeboten zugenommen.
So sieht Mauch, der außer von Indira Quinzona personell von einem Studenten der Sozialen Arbeit an der Dualen Hochschule Stuttgart und einer FSJlerin unterstützt wird, seine Aufgabe nicht allein darin, im Haus der Jugendarbeit auf Besucher zu warten. „Ich will mobil aktiv werden.“ Das Angebot seines Vorgängers, der mit einem Spielmobil die Stadtteile angefahren hat, wolle er wieder aufgreifen und ausbauen.
„Es ist wichtig, sich vor Ort zu positionieren und mit denen, die nicht ins Jugendhaus gehen, in Kontakt zu kommen.“ Zudem überlege er, die Öffnungszeiten des Kidsclub auszudehnen und für die Altersgruppe der Zwölf- bis 14-Jährigen das Jugendhaus früher zu öffnen, und für sie ein eigenes Angebot zu schaffen. Auch über zusätzliche Angebote für Mädchen, die bislang in der Einrichtung unterrepräsentiert seien, denke er nach. Derweil sammele er bereits mit Jugendlichen Ideen für neue Dinge im Jugendhaus wie ein Box-Automat oder ein Airhockey-Tisch. In die Finanzierung sollen die jungen Nutzer eingebunden sein, etwa durch Kuchenverkauf. „Ich bin kein Freund davon, etwas anzuschaffen und einfach zu sagen, da habt ihr. Ich wünsche mir, dass eine gewisse Art der Wertschätzung entsteht.“