Das Motorrad, von dem aus auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback geschossen wurde, zieht um nach Berlin Foto: Peter Petsch

Die Sonderschau „RAF – Terror im Südwesten“ zieht nach Berlin um. Von November dieses Jahres bis zum Januar 2015 wird die erste große historische Ausstellung zur Roten-Armee-Fraktion im Deutschen Historischen Museum (DHM) zu sehen sein.

Stuttgart/Berlin - Die Sonderschau „RAF – Terror im Südwesten“, die noch bis zum 23. Februar im Stuttgarter Haus der Geschichte zu sehen ist, zieht nach Berlin um. Von November dieses Jahres bis zum Januar 2015 wird die erste große historische Ausstellung zur Roten-Armee-Fraktion im Deutschen Historischen Museum (DHM) zu sehen sein.

Mehr als 60 000 Besucher haben die RAF-Ausstellung in Stuttgart in den vergangenen sechs Monaten gesehen. In zehn Tagen endet die publikumsstärkste Sonderschau in der zwölfjährigen Geschichte des Landesmuseums. Eine Verlängerung ist trotz des großen Interesses nicht möglich, weil in denselben Räumen ab 4. April die Ausstellung „Fastnacht der Hölle – Der Erste Weltkrieg und die Sinne“ geplant ist.

Allerdings verschwinden die 200 Exponate und Leihgaben – Originalgegenstände, Akten, Film- und Tondokumente – der RAF-Ausstellung nicht wieder in den Kellern und Archiven: Ab November sind sie für drei Monate im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus Unter den Linden zu sehen. Das Museum für deutsche Geschichte ist eines der am häufigsten besuchten Museen Berlins und zählte in den vergangenen Jahren durchschnittlich 800 000 Besucher.

Die Idee, die RAF-Schau nach Berlin zu exportieren, hatte Claus-Peter Clostermeyer, der Leiter der Landesvertretung in Berlin. „Wir glauben, dass die Ausstellung auch hier in Berlin eine große Resonanz findet“, sagte Clostermeyer, der die Ausstellung gerne in den Räumen der Landesvertretung am Tiergarten gezeigt hätte. Allerdings hätte die Schau, die im Haus der Geschichte rund 500 Quadratmeter einnimmt, aus Platzgründen abgespeckt werden müssen. „Wir haben deshalb gerne dem Deutschen Historischen Museum den Vortritt gelassen“, sagte Clostermeyer. Die Landesvertretung will die Ausstellung aber mit einem Rahmenprogramm begleiten.

„Wir haben viel Zuspruch für unsere Ausstellung bekommen“, sagte Paula Lutum-Lenger, Ausstellungsleiterin im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, unserer Zeitung. „Es war gut, mutig, richtig und wichtig, das Thema RAF anzugehen.“ Das beweise jetzt auch das Interesse aus Berlin. „Das ist eine Auszeichnung für unsere Arbeit“, sagte Lutum-Lenger. „Wir wagen uns an schwierige Themen, das ist der richtige Weg.“

In den vergangenen Wochen waren Lutum-Lenger und die beiden Kuratoren, Rainer Schimpf und Sabrina Müller, vor allem damit beschäftigt, die Leihverträge für die Exponate zu verlängern. „Es gab eine große Bereitschaft sowohl auf privater Seite wie auch bei den staatlichen Einrichtungen, uns die Ausstellungsstücke noch etwas länger zu überlassen“, sagte Lutum-Lenger.

Das Konzept der Sonderschau in Stuttgart ist fokussiert auf Baden-Württemberg als Hauptschauplatz des RAF-Terrors. Im Mittelpunkt stehen die Anschläge im Südwesten, die konspirativen Wohnungen und die Anwaltskanzlei von Klaus Croissant in Stuttgart, die Prozesse und das Hochsicherheitsgefängnis in Stammheim. „Wir haben die Ausstellung für Baden-Württemberg gemacht und den Fokus ganz stark auf den Südwesten gerichtet, das ist unser Auftrag“, erklärt Lutum-Lenger. Im Deutschen Historischen Museum soll die Ausstellung nun um das Kapitel die „RAF und Berlin“ ergänzt werden. „Wir sind im Gespräch, wie wir diesen Aspekt integrieren können. Es soll weiter eine in sich geschlossene Ausstellung sein.“

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