Vor den Gebäuden der Hauptstraße soll eine Aufenthaltszone mit Grünflächen, Sitz- und Spielgelegenheiten entstehen. Foto: /Karin Ait Atmane

Als die Hauptstraße in Reichenbach im Kreis Esslingen in den 1970er-Jahren als Einkaufszentrum gestaltet wurde, war sie modern. Jetzt steht eine Überarbeitung an. Vor den Ladenzeilen sollen Barrieren abgebaut und Aufenthaltsqualität gesteigert werden.

Kürzlich hat sich eine Reichenbacher Seniorin bei Bürgermeister Bernhard Richter für den neuen Rollator-Streifen in der Hauptstraße bedankt. Doch die Begebenheit beruht auf einem Missverständnis: Tatsächlich handelt es sich bei dem Streifen um den wieder verschlossenen Graben für die Verlegung von Glasfaser-Kabeln. Dieser wurde, anders als das Umfeld, nicht mit Porphyr-Pflaster belegt, sondern nur geteert.

 

Die Anekdote veranschaulicht das Problem des Reichenbacher Zentrums: Es ist alles andere als barrierefrei. Schon seit Jahren wird deshalb über die Neugestaltung gesprochen. Als realistischen Termin für den Baubeginn nannte Richter nun das Jahr 2025. Denn mittlerweile sind die Neubauten des „Wilhelmsquartiers“ – drei Mehrfamilienhäuser mit Gewerbeeinheiten an der Ecke von Wilhelms- und Hauptstraße – so gut wie fertig. Hier steht ohnehin die Gestaltung des Straßenraums an. Zudem wurde kürzlich in der Sitzung des Gemeinderats über den geplanten neuen, zentralen Aufenthaltsbereich in der Hauptstraße gesprochen.

Mehr Aufenthaltsqualität in Hauptstraße

Zum einen soll die nördliche Hauptstraße im Bereich des neuen Wilhelmsquartiers mit Gehwegen, Baumbeeten, Längsparkplätzen, einem kleinen Grünbereich und einer sicheren Fahrbahnquerung für Fußgänger ausgebaut werden. Die Einbahnstraßenregelung in nördlicher Richtung bleibt bestehen.

Den Kreuzungspunkt zur Wilhelm- beziehungsweise Karlstraße am nördlichen Ende der Ladenzeilen, der eine Art Kuhle bildet, wollen die Planer um rund 20 Zentimeter anheben. So wird das Gelände insgesamt ebener und der Höhenunterschied zu den Geschäften auf der Westseite der Hauptstraße nach Angaben der Gemeinde entschärft.

Insgesamt sehen die Ratsmitglieder eine deutliche Verbesserung für den Einzelhandel, auch durch die Neugestaltung der Hauptstraße im Bereich der Geschäfte. In der Mitte der Hauptstraße, wo die Gebäude zurückspringen, habe man die Chance, eine Aufenthaltszone zu schaffen, sagte Landschaftsplaner Harald Fischer. Er stellt sich „eine große Grüninsel“ vor, mit Bäumen und Büschen, die für den Standort geeignet seien. Ein Trinkwasserbrunnen, Sitzmöglichkeiten und „Spielpunkte“ sollen dazukommen. Letztere veranlassten Thorsten Höger (FW) zu der Bemerkung, dass dann nicht mehr die Fahrradständer als Spielgeräte herhalten müssten. Tatsächlich werden diese – einer davon ist als Fahrrad ausgestaltet – mit Vorliebe beklettert. Überhaupt hielten sich schon jetzt viele Menschen gerne auch länger in der Hauptstraße auf, stellte auch der Bürgermeister fest. Umso sinnvoller sei es, den Bereich noch attraktiver zu machen.

Das sah auch Sabine Fohler (SPD) so. Sie halte die Neugestaltung für gut angelegtes Geld. „Es gibt viele Gemeinden im Umkreis, die gar keine Ortsmitte haben“, sagte sie. Mit Barrierefreiheit und der Unterstützung des Einzelhandels könne man diese wertvolle Mitte weiter stärken. Schließlich habe man für die Reparatur des Porphyr-Belages schon „hohe sechsstellige Beträge“ ausgegeben, erinnerte Matthias Weigert (Grüne).

Straßenbelag und Platanen kommen weg

Den Porphyr-Belag wird es nach der Umgestaltung nicht mehr geben, die bröckelnden und sich lockernden Steine haben sich als Stolperfalle erwiesen. Ebenso sollen die großen Platanen entlang der Hauptstraße fallen; ein Baumgutachter hatte ihren Zustand schon vor Jahren als bedenklich eingestuft. Diesen Hintergrund müsse man „klar kommunizieren“, betonte Fohler. Überhaupt gelte es, genau hinzuhören, was die Bürgerinnen und Bürger möchten. Das soll in einer Informationsveranstaltung am 8. November geschehen.