Ein automatisches System bettet die Werbespots vor den YouTube-Videos ein. Foto: AP

Der Werbeboykott gegen YouTube weitet sich aus. Einige der größten Werbekunden wie VW und Daimler ziehen ihre Kampagnen von der Videoplattform zurück. Aber warum?

Stuttgart - Google gerät aktuell in einem Streit um Hassvideos unter Druck. Nachdem einige große amerikanische und britische Konzerne ihre Werbekampagnen auf der zu Google gehörenden Videoplattform YouTube zurückgezogen haben, streichen nun auch die deutschen Automobilhersteller Daimler und VW ihr Werbebudget für Youtube-Werbung in Großbritannien.

Wie die britische Zeitung „The Times“ berichtet, haben rund 250 Firmen, darunter einige der größten Werbekunden, wie AT&T und Verizon ebenfalls ihre Kampagnen zurückgezogen. Grund hierfür ist, dass immer wieder Werbespots von Unternehmen vor Videos mit homophoben und antisemitischen Inhalten zu sehen sind. Auch in Videos mit Hassbotschaften von extremistischen Gruppen, zum Beispiel der Terrormiliz IS, erscheint immer wieder Werbung bekannter Marken.

Google verspricht Besserung

Google hat Besserung versprochen. Werbetreibende sollen in Zukunft besser erkennen können, wo ihre Anzeigen geschaltet werden. Sollten Werbespots vor Videos mit extremistischen Inhalten zu sehen sein, solle dieses Problem binnen weniger Stunden gelöst werden. Trotz der Bemühungen weitet sich der Streik der Anzeigenkunden weiter aus.

Verantwortlich für das Problem ist ein automatisches System, das die Werbespots vor den YouTube-Videos einbettet. Bei klassischen Medien buchen Unternehmen direkt Anzeigen in bestimmten Zeitungen oder TV-Sendungen. Auf YouTube wird mit Zielgruppen gearbeitet. So bucht eine Marke Werbung in Videos, die vorwiegenden von einer bestimmten Zielgruppe, wie zum Beispiel Männern im Alter von 25 bis 35 mit Interesse für Sport, angesehen werden. Dabei spielt der Inhalt der Videos keine Rolle.

Pro Minute wird 400 Stunden Videomaterial hochgeladen

Google tut sich angesichts der enormen Masse von Video schwer händisch für Werbung ungeeignete Videos auszuschließen. Eine Vorab-Prüfung sei laut Google-Manager Peter Barron unmöglich, angesichts der Tatsache, dass jede Minute 400 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen werden. Die Anzeigenkunden wollen dies nicht akzeptieren.

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