Der neue Weltladen (links) ist direkt bei der Stadtbahnhaltestelle. Foto: Jürgen Brand

In Gablenberg sind die Umsätze weiter zurück gegangen. Am 15. Juni ist Eröffnung am Ostendplatz.

S-Ost - Nach mehr als zehn Jahren an der Gablenberger Hauptstraße verlässt der Weltladen den Stadtteil Gablenberg – um sich selbst zu retten. Bis einschließlich Freitag, 5. Juni, ist der von der Fläche her größte Stuttgarter Weltladen noch geöffnet. Dann werden die Umzugskartons gepackt, die Regale abgebaut und im neuen Laden direkt am Ostendplatz wieder aufgestellt und ausgepackt. Dort ist am Montag, 15. Juni, Neueröffnung.

Als der Weltladen Gablenberg am 1. Dezember 2009 eröffnete, herrschte sozusagen Fairtrade-Aufbruchstimmung im Stuttgarter Osten und auch sonst in der Landeshauptstadt. Ein Stadtbezirk nach dem anderen erarbeitete sich das Fairtrade-Siegel, etliche Weltläden eröffneten – auch, weil das Thema fairer Handel damals noch längst nicht in den Supermärkten angekommen war. Da lag ein Laden mit 140 Quadratmetern Fläche mit Kaffee- und Leseecke genau richtig im neuen Trend.

Die Entscheidung fiel 2018

Seitdem hat sich in den Supermarkt-Regalen und auch in der Gablenberger Hauptstraße vieles verändert, an der Straße für das ehrenamtlich engagierte Weltladen-Team allerdings nicht zum Positiven. Als die Umsätze in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgingen, fragte das Team den Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) um Rat. Der DEAB ist der Landesverband der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, vertritt mehr als 400 Gruppen und Organisationen, darunter auch die Weltläden.

„Wir haben uns dann auf Anraten der DEAB an drei unterschiedlichen Tagen ein paar Stunden draußen hingesetzt und Passanten gezählt“, sagt Livia Rhée, eine Frau der ersten Stunde im Weltladen Gablenberg. „Wir hatten ein Ergebnis von 15 Menschen und einem Schmetterling pro Stunde“, gibt Rhée das niederschmetternde Resultat der Passantenzählung wieder. In der weiteren Beratung danach war klar: „Das haut einfach nicht mehr hin. Ihr müsst umziehen, es hat keinen Sinn dort.“ Das war im Jahr 2018.

Neuer Name

Die Suche nach einem neuen Laden begann. Eine deutlich bessere Lage mit viel mehr Laufkundschaft wäre einige hundert Meter weiter an der Gablenberger Hauptstraße im Bereich der Frequenzbringer Aldi und Naturgut gewesen. Rhée: „Aber da gab es keine Räume, die auch nur ansatzweise für uns gepasst hätten.“ Fündig wurde das Weltladen-Team schließlich dank Kontakten zum Bau- und Wohnungsverein (BWV) direkt am Ostendplatz. Die Ladenfläche des ehemaligen Schuhgeschäfts dort direkt gegenüber der Stadtbahnhaltestelle steht schon länger leer, das Gebäude wurde gerade vom BWV saniert. Eine Passantenzählung dort brachte ganz andere Ergebnisse: Weit mehr als 100 Menschen sind dort pro Stunde unterwegs, etliche davon sollen bald auch in den neuen Laden schauen.

Das neue Geschäft heißt dann Weltladen FairOst, in Anlehnung an den benachbarten KiOst. Die Verkaufsfläche wird dort etwas kleiner sein, das Sortiment gestrafft, eine kleine Kaffee-Ecke wird es aber auch geben. Die Neueröffnung wird am Montag, 15. Juni, ab 10 Uhr gefeiert. Und Livia Rhée und das ganze Team – das noch ehrenamtliche Verstärkung sucht – freuen sich darauf: „Mein Eindruck ist, dass sich um den Ostendplatz herum viel tut. Das ist ein Stadtteil, der ist wirklich sehr im Kommen!“

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