Seine Söhne Kai und Max spielen in der Handball-Bundesliga, Wolfgang Häfner ist Schiedsrichter in der Bezirksliga und äußert sich zur angespannten Lage mit immer weniger Unparteiischen.
Stuttgart - Der Handballverband Württemberg (HVW) schlägt Alarm, weil immer mehr Unparteiische wegbrechen. Wolfgang Häfner pfeift seit 40 Jahren für den TSB Schwäbisch Gmünd Spiele bis zur Männer-Bezirksliga und Frauen-Landesliga. Der 66-jährige Vater der Bundesligaprofis Kai und Max spricht über seine Erfahrungen an der Pfeife und mögliche Lösungsansätze.
Herr Häfner, haben Sie früher eigentlich schon mal ein Spiel Ihrer Söhne gepfiffen?
Nein. Ich war ja Lehrer – und habe auch Spiele bei Jugend trainiert für Olympia gepfiffen, doch selbst da hat es sich nicht ergeben.
Schauen Ihre Söhne denn ab zu bei Spielen zu, die Sie pfeifen.
Dazu fehlt Ihnen die Zeit. Ich selbst schaue dagegen die Bundesligaspiele von Max (Anm. d. Red.: TVB Stuttgart) und Kai (Nationalspieler von der MT Melsungen) zumindest im Fernsehen immer an und pfeife an diesen Tagen selbst keine Spiele mehr.
Wie intensiv ist der familiäre Austausch?
Wir unterhalten uns schon regelmäßig über ihre Spiele und die Schiedsrichterentscheidungen. Dann sage ich Kai oder Max, ob ich zum Beispiel ein Stürmerfoul, das ihnen abgepfiffen wurde, auch so gesehen habe. Oft stelle ich auch fest, dass es in der Bundesliga ein großer Vorteil ist, wenn ein Spieler einen großen Namen hat. Die Stars können sich mehr herausnehmen.
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Sie sind seit 40 Jahren Schiedsrichter. Worin liegt Ihre Motivation?
Für mich ist das nach wie vor ein interessantes Hobby, die Schulungen werden immer besser, dadurch fühlt man sich sicherer, und es gibt auch lange nicht derart unschöne Auswüchse von der Tribüne wie im Fußball. Zudem tue ich meinem Heimatverein TSB Gmünd etwas Gutes.
Der Verband hat Alarm geschlagen, da immer mehr Unparteiische wegbrechen. Welche Anreize sollte man bieten?
Also ich mache es nicht wegen des Geldes. Aber für junge Leute mag eine höhere Vergütung ein Anreiz sein, genauso Aufstiegschancen. Ich denke, der Aufwand, was Fahrtstrecke und administrative Aufgaben betrifft, sollte so gering wie möglich gehalten werden. Letztlich ist der innere Antrieb wichtig. Schiedsrichter zu sein bringt einen in seiner Persönlichkeitsentwicklung weiter. Man braucht ein dickes Fell, um vor vollen Hallen zu seinen Entscheidungen zu stehen – da entwickelt sich das Selbstvertrauen.
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Könnten Sie sich eigentlich Ihre Söhne später mal an der Pfeife vorstellen?
Sie finden es gut, dass ich Schiedsrichter bin, aber selbst würden sie es nie machen.