Derzeit bei der WM in Spanien sehr erfolgreich: die deutsche Handball-Nationalmannschaft nach ihrem Sieg gegen Montenegro. Foto: dpa

Für viele ist er die Idealbesetzung für das Amt des Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB): Bernhard Bauer. Bisher hat er hartnäckig abgelehnt, doch ein wenig Spielraum lässt er: „Man soll nie nie sagen.“

Stuttgart - Bernhard Bauer hat sich als Leiter der Arbeitsgruppe Strategie intensiv mit der Zukunft des deutschen Handballs beschäftigt. Für viele ist er die Idealbesetzung für das Amt des Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Bisher hat er hartnäckig abgelehnt, doch ein wenig Spielraum lässt er: „Man soll nie nie sagen.“


Grüß Gott, Herr Bauer, schön, dass sich der künftige DHB-Präsident Zeit nimmt.
(Lacht) Ich habe mit solch einem Einstieg schon gerechnet. Aber an meiner Haltung hat sich nichts geändert.

Die führenden Köpfe, bis hin zu Sportmanager Heiner Brand, wollen Sie für dieses Amt gewinnen. Warum wehren Sie sich dagegen?
Weil ich mich auf meine jetzt schon zahlreichen Ehrenämter im Sport und im sozialen Bereich beschränken will.

Als Pensionär haben Sie doch Zeit.
Sagen Sie. Seit fünf Jahren war ich nicht mehr im Urlaub. Ich bin ein Mensch, der, wenn er etwas macht, es zu 100 Prozent tut. Und beim DHB gilt es viel zu verändern.

Das Präsidenten-Amt als Full-Time-Job?
Der neue Chef wird sehr viel unterwegs sein. Er muss Vertrauen schaffen in ganz Deutschland, bei den Vereinen, bei den Landesverbänden. In der derzeitigen Struktur bin ich nicht bereit, mich zu opfern.

Und wenn die von Ihnen miterarbeiteten Strukturänderungen Ende April vom Erweiterten Präsidium beschlossen werden?
Man soll nie nie sagen. Aber mir war schon wichtig, dass die AG Strategie von jemandem moderiert wird, der keine persönlichen Ambitionen hat.

Andere sind nicht so zurückhaltend. Bob Hanning hat medienwirksam seine Bewerbung als Vizepräsident abgegeben.
Wunderbar, dass er sich engagieren will, aber das fand ich sehr unglücklich. Während einer WM steht die Nationalmannschaft im Fokus und nicht das Gezerre um Macht und Einfluss an der Verbandsspitze. Das lässt doch auch die Spieler nicht kalt. DHB heißt jedenfalls nicht Deutscher Hanning-Bund.

Ex-Spieler Stefan Kretzschmar hat eine Doppelspitze Hanning/Brand vorgeschlagen.
Heiner Brand wäre auch für mich der ideale Mann. Der deutsche Handball kann auf eine Person wie ihn nicht verzichten.

Als möglicher Präsident hat er aber schon abgewunken.
Aus seiner Sicht irgendwie auch verständlicherweise.

Warum. Wie sieht das Anforderungsprofil aus?
Natürlich muss der Verbandschef aus dem Handball kommen, aber er darf nicht nur im Sport seine Kompetenzen haben. Verwaltungs- und Wirtschaftsfragen spielen eine Rolle. Strategische Fähigkeiten sind wichtig. Der neue Mann muss ein Teamplayer sein, einer, der integrieren kann.

Andreas Michelmann, Präsident des Handball-Verbands Sachsen-Anhalt, und HBL-Chef Reiner Witte sollen Interesse haben.
Beide sind interessante Kandidaten.

Warum favorisieren Sie eine Struktur ohne hauptamtlichen Präsidenten?
Es ist wenig glaubwürdig zu behaupten, das Ehrenamt stärken zu wollen, Konzepte zum Ausbau und zur Unterstützung des Ehrenamts zu entwickeln, wenn der oberste Repräsentant eines Verbandes hauptamtlich tätig ist. Das schließt ja nicht aus, dass wir das Hauptamt im operativen Bereich stärken wollen – mit einem Generalsekretär, der Teil des Präsidiums ist.

Welches sind die Knackpunkte der von der AG Strategie erarbeiteten Ziele und Änderungen?
Wir müssen alles dafür tun, um die Mit­gliederzahlen von rund 835 000 angesichts der demografischen Entwicklung stabil zu halten, besser: zu steigern. Dazu bedarf es innovativer Konzepte. Handball soll einen Beitrag zum besseren sozialen Miteinander in der Gesellschaft leisten. Wir wollen neue Spielformen für Hobbyhandballer entwickeln, Behinderte integrieren. Warum soll es nicht auch Rollstuhl-Handball geben?

Ehrenwerte Aspekte, aber die Rückkehr in die Weltspitze schaffen die Nationalteams damit nicht.
Wir brauchen die Mitgliedsbeiträge, aber auch die Erfolge unserer Nationalmannschaften, um unser Haushaltsvolumen mittelfristig von fünf auf acht Millionen Euro zu erhöhen. Damit muss vor allem die Nachwuchsförderung intensiviert werden, speziell die individuelle Ausbildung. Das heißt: Ein Ausbau der Anschluss- und Eliteförderung ist unabdingbar.

Wann ist der nächste Titel für die Männer-Nationalmannschaft möglich?
Vom Titel will ich nicht reden. Aber es muss unser Anspruch sein, von der kommenden EM an immer unter den Top Vier zu sein.

Mit Martin Heuberger als Bundestrainer?
Es gibt keinen Trainer beim DHB, der über einen längeren Zeitraum hinweg so viele Erfolge feierte, wie er mit den Junioren. Er hat großes Fachwissen bewiesen und gezeigt, dass er mit Menschen umgehen kann.

Trotzdem wird Alfred Gislason gehandelt.
(Atmet tief durch) Das ist doch keine seriöse Diskussion. Der Mann hat beim THW Kiel Weltklasseleute wie Jicha, Narcisse, Ilic in seinem Team. Heuberger kann die Top-Bundesligaspieler doch nicht einbürgern.
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