Sascha Pfattheicher (re.) erzielt im Derby sieben Tore gegen Frisch Auf. Foto: Baumann

Das gab es noch nie: Der TVB Stuttgart hat beim 29:26 in der Bundesliga erstmals zu Hause gewonnen – und auch am Ende der Saison die Nase vorne?

Stuttgart - So ein Derby ist ein Spiel der kurzen Wege. Das hatte für Göppingens Handballer am Sonntag den Vorteil, dass sich die Mannschaft für das Gastspiel beim TVB Stuttgart nicht allzu lange durch die Orkanböen quälen musste. Dafür pfiff Frisch Auf dann in der fast ausverkauften Porsche-Arena (5833 Zuschauer) der Wind selbst unter dem geschützten Hallendach mächtig um die Ohren. „Wir haben von Anfang an den Ton angegeben“, sagte nach den 60 Spielminuten und einem 29:26(14:11)-Sieg der Stuttgarter Torwart Johannes Bitter, der mit seinen 17 Paraden erneut ein wichtiger Faktor im Spiel der Stuttgarter war.

Aber eben nicht der einzige. Der TVB, der seinen ersten Heimsieg gegen den Dauerrivalen in der ersten Liga feierte, hatte nicht nur mit einer konsequenten Abwehr und einer gesunden Härte dem Gegner schon frühzeitig den Schneid abgekauft, sondern während der gesamten 60 Minuten auch mehr spielerische Elemente und Ideen zu bieten. Sei es über das Spiel mit zwei oder gar drei Kreisläufer oder aber das Einlaufen von Rechtsaußen Sascha Pfattheicher (7 Tore) an den Kreis, oder den Einsatz des siebten Feldspielers – Gegner Göppingen hatte wenig Lösungen parat, es war unter dem Strich ein lebloser Auftritt der Mannschaft von Hartmut Mayerhoffer. „Uns hat komplett die physische und auch geistige Frische gefehlt, die man in so einem Derby braucht“, gab der Trainer denn auch zu, der entsprechend nachdenklich wirkte.

Lesen Sie auch: Die TVB-Routiniers zeigen ihre Klasse

Natürlich wegen des nackten Ergebnisses, aber auch dem Blick auf die Tabelle. „Es ist nicht schön, gegen Stuttgart zu verlieren“, gab Abwehrspezialist Jacob Bagersted zu. Und auch Mayerhoffer weiß, „dass wir gewappnet sein müssen“. Der Abstiegskampf ist noch nicht gelaufen – zumal es in der unteren Tabellenhälfte in dieser Saison so eng zugeht wie seit Jahren nicht mehr. Und nach dem Erfolg im Derby, nach dem Traditionsverein Frisch Auf nur noch nach Minuspunkten vor dem Emporkömmling aus Stuttgart liegt, könnte es sogar eine kleine Wachablösung geben. Stuttgart vor Göppingen – allein die Vorstellung ist im Filstal so etwas wie die Höchststrafe unter eine verkorkste Saison, zu deren Beginn noch von Platz sieben als Ziel die Rede war.

Anders als beim Gegner. „Unser erstes Ziel bleibt der Klassenerhalt“, sagt dazu Stuttgarts Trainer Jürgen Schweikardt, „wenn der geschafft ist, werden wir uns neue Ziele setzen.“ Und wenn es dann noch die Möglichkeit gibt, den lokalen Rivalen zu überholen wäre das „ein reizvolles Ziel“, räumt Schweikardt zumindest ein. Während Kollege Mayerhoffer lediglich sagt: „Fakt ist, dass wir personell stark eingeschränkt sind und da merkt man, dass so etwas schon eine große Rolle spielt.“ Auch wenn Nachverpflichtung Pouya Norouzinezhad (5) durchaus ein Aktivposten war. Doch Personalsorgen hat auch der TVB, bei dem Linkshänder David Schmidt weiter ausfiel.

Lesen Sie auch: Warum Fynn Nicolaus Handball-Geschichte schreibt

Der neutrale Martin Schwalb nennt als Sky-Experte Stuttgarts Vorteil. „Sie wissen von Saison zu Saison, dass sie in die untere Tabellenregion hineinrutschen können“, sagte der Ex-Coach. „Für die Göppinger ist es keine gute Situation, weil sie normalerweise nicht damit rechnen. Allerdings sind beide Teams auf dem richtigen Weg.“ Aber eben noch nicht gerettet. Schließlich empfängt Frisch Auf nun den Meister SG Flensburg-Handewitt und der TVB den Aufsteiger HBW Balingen. Angesichts dieser Konstellation könnte in einer Woche der Platztausch vollzogen sein.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: