Das Projekt des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart mit seinem Trainer ist gescheitert. Unter Sanchez wirkte die Mannschaft zu verunsichert, um noch auf eine Wende zu hoffen, kommentiert Joachim Klumpp.
Fünf Spiele fünf Niederlagen – das kam nicht nur den Verantwortlichen des TVB Stuttgart spanisch vor. Die haben deshalb am Sonntag die Reißleine gezogen und Trainer Roi Sanchez entlassen. Der Spanier ist mit seinem Vorhaben, in der Porsche-Arena attraktiven Handball zu bieten, gescheitert. Nach nur 15 Monaten. Das ist extrem bitter – für alle Beteiligten: Zum einen natürlich für den sympathischen Coach selbst, der mit großen Ambitionen und einem neuen Spielstil gekommen war; aber auch für den Verein, dessen Zukunftsprojekt (Platz zehn in zwei Jahren) damit zunächst einmal ins Wanken gerät. Schließlich hatte Sanchez den Kader nach seinem Gusto zusammengestellt, allerdings auch mit Rückendeckung aus dem Verein: Ob dabei alles optimal gelaufen ist, darf Stand heute bezweifelt werden: Die Flügelzange ist überbesetzt, der Rückraum eher unterbesetzt – das war keine optimale Mischung. Auch wenn korrekterweise hinzugefügt werden muss, dass mit Ivan Sliskovic und Jerome Müller zwei wichtige Stützen verletzungsbedingt gefehlt haben.
Das entschuldigt aber nicht die teilweise haarsträubenden Auftritte der Mannschaft, die jegliches Selbstvertrauen hat vermissen lassen. Das Fass zum Überlaufen brachte vor allem die erste Hälfte zuletzt in Gummersbach, für die Torhüter Silvio Heinevetter drastische Worte fand: „Das war eine Beleidigung für jeden, der sich den Hintern aufreißt.“
Vorerst einmal muss sich Michael Schweikardt mit den Problemen auseinandersetzen, weil sich auf die Schnelle extern kein Nachfolger finden ließ. Eine dauerhafte Lösung hätte aber das Problem, dass sich der Verein dem Vorwurf der „Schweikardt-Connection“ aussetzen würde, nachdem Jürgen Schweikardt ja bereits als Geschäftsführer für die Geschicke des Verein zuständig ist.
Das ist nicht mehr Sanchez’ Problem, der vor allem die Defizite in der Abwehr auch diese Saison nicht in den Griff bekommen hat. Vielleicht hat er zudem den Druck in der Liga und in einer Großstadt wie Stuttgart unterschätzt, an Sprachproblemen dürfte es jedenfalls nicht gelegen haben. Als der Trainer nach dem Spiel in Gummersbach auf seine Gefühlslage angesprochen wurde, sagte er nur: „Scheiße.“ Das war auf den Punkt gebracht.