Der entscheidende Mann beim Derby-Sieg des TVB 1898 Stuttgart in Balingen: Spielmacher Michael Schweikardt. Foto: Baumann

Aufsteiger TVB 1898 Stuttgart gelingt mit 25:24 beim HBW Balingen-Weilstetten der erste Auswärtserfolg in der Handball-Bundesliga – doch das wichtigste Spiel vor Weihnachten steht noch aus.

Balingen - Handball ist auch deshalb ein reizvoller Sport, weil manchmal schon eine spektakuläre Aktion reicht, um eine ganze Partie zu entscheiden. Michael Schweikardt, Spielmacher des TVB 1898 Bittenfeld, hat schon bessere Leistungen gezeigt als im Derby beim HBW Balingen-Weilstetten. Doch das war 30 Sekunden vor dem Ende egal. Beim Stand von 24:24 hoben die Schiedsrichter den Arm, die Gäste mussten schnell zum Abschluss kommen. Schweikardt tankte sich auf der Linksaußen-Position durch, der Winkel war schlecht. Er deutete einen Dreher an, HBW-Keeper Radivoje Ristanovic fuhr das linke Bein aus. Im selben Moment klappte Schweikardt sein Handgelenk um und hob den Ball über den Kopf des Torhüters hinweg ins Netz. „Den Wurf habe ich zum ersten Mal in dieser Saison gemacht“, meinte er, „Wahnsinn, dass er geklappt hat.“

Es war das entscheidende Tor. Den letzten Balinger Versuch von Fabian Böhm parierte TVB-Torhüter Dragan Jerkovic, der Rest war grenzenloser Jubel. Die Gäste feierten mit ihren rund 300 Fans den ersten Auswärtssieg, als hätten sie soeben die Champions League gewonnen. Mittendrin die beiden besten Werfer Dominik Weiß (7), der sein Team in der Schlussphase alleine im Spiel gehalten hatte, und Michael Spatz (7/1). „Ich bin fix und fertig“, sagte Trainer Thomas König, „Schlüssel zum Erfolg war unsere stabile Abwehr.“ Und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, Bruder des Spielmachers, erklärte: „Wir haben erneut gezeigt, dass wir in der Bundesliga mithalten können, das ist alles andere als selbstverständlich.“

Die Balinger Torhüter halten nur sechs Bälle

Und passte den Gastgebern überhaupt nicht in den Kram. Der HBW hatte die Punkte gegen den Aufsteiger in der mit 2350 Zuschauern ausverkauften Halle fest eingeplant. Hinterher sprachen alle Verantwortlichen von einer „unglaublich bitteren Niederlage“, und Rechtsaußen Dennis Wilke (8/4), der beste Schütze, wurde noch deutlicher: „Wer drin bleiben will, der muss die Heimspiele gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf eigentlich gewinnen.“

Das haben die Balinger nicht geschafft, was zwei Gründe hatte. Ihre Torhüter Radivoje Ristanovic und Jonas Baumeister (aus dem Drittliga-Team) hielten nur sechs Bälle. Und den HBW-Angreifern versagten in einer Partie ohne spielerische Glanzlichter immer dann die Nerven, wenn sie auf mehr als zwei Tore hätten wegziehen können. „Wir haben zu viele Chancen vergeben“, sagte Trainer Markus Gaugisch und wirkte dabei so deprimiert, als sei sein Team schon abgestiegen.

Nachdem nun die Hälfte der Saison vorbei ist, scheint klar zu sein: Ein Quintett macht die drei Absteiger unter sich aus. Dazu gehören TVB 1898 Stuttgart (8:26 Punkte), Bergischer HC (7:27), HBW Balingen-Weilstetten (6:28), ThSV Eisenach (5:29) und TuS N-Lübecke (2:32). „Wer die direkten Duelle nicht gewinnt“, erklärte HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel, „für den wird die Situation umso gefährlicher.“ Das weiß auch Thomas König: „Das nächste Spiel ist für uns noch wichtiger als das Derby in Balingen.“

Am Freitag (19.45 Uhr) gastiert der ThSV Eisenach in der Scharrena – noch mal zwei Punkte, und der Aufsteiger könnte beruhigt Weihnachten feiern. „Dann wären wir, wenn man unsere Voraussetzungen sieht, absolut im Soll“, sagte Manager Schweikardt in Balingen, um dann noch schnell seinen Bruder zu loben: „Es war ein super Tor von ihm – manchmal kommt es im Handball eben nur darauf an, den letzten Wurf reinzumachen.“

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