Halloween wird in diesem Jahr coronabedingt anders aussehen. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Darf man von Tür zu Tür ziehen? Ja, aber muss dass sein?, kontern Ämter, Verbände und Kirchen. Warum die Frage „Süßes oder Saures?“ dieses Jahr aktueller ist denn je.

Stuttgart - Kann ich mit meinen Kindern an Halloween an den Häusern klingeln und „Süßes oder Saures“ rufen? Das fragen sich in diesen Tagen etliche Eltern. Die Verbände und Kirchen stellen die Frage, ob dies in Corona-Zeiten sein müsse. Und auch für die Laternenumzüge zu Sankt Martin wird empfohlen, dass die Kinder diese nur mit ihrer Kitagruppe feiern sollten. Eltern bleiben dieses Jahr außen vor.

Das Sozialministerium Baden-Württemberg richtet generell die dringende Empfehlung an die Eltern, auf Unternehmungen zu verzichten, die nicht unbedingt nötig sind. Das sei nun mal der Geist der Corona-Verordnung des Landes, sagt ein Behördensprecher. „Wir appellieren da an den gesunden Menschenverstand: Bleiben Sie zu Hause und gehen Sie nicht von Tür zu Tür.“ Das Sozialministerium hofft auf die Vernunft der Erwachsenen und der Kinder; schließlich sei bei weiter steigenden Infektionszahlen nicht auszuschließen, dass Kitas und Schulen wieder geschlossen werden müssten.

Lesen Sie hier: Was kann man tun, wenn „Süßes oder Saures“ ausfällt?

Die Stadt Stuttgart formuliert ihre Bitte nach Zurückhaltung an Halloween weniger konkret. Wie auch in Zusammenhang mit sonstigen Zusammentreffen, so die Stellungnahme aus dem Rathaus, empfehle sich hier die Einhaltung der gängigen Abstands- und Hygienemaßnahmen. Auf die Anfrage unserer Zeitung hin heißt es: „Kontakte sollten möglichst reduziert werden und außerdem ist darauf zu achten, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und eine gute Händehygiene sowie Abstand zu Erkrankten einzuhalten. Außerdem soll vermieden werden, sich in zu großen Gruppen zu bewegen.“

Halloween ist ein privates Fest

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg verweist auf die Corona-Verordnung. Allerdings sei Halloween in der Regel ein privates Fest. Insofern könne man sich als Verband beziehungsweise als Träger von Eltern-Kind-Gruppen und Kitas nicht offiziell dazu äußern. Anders sieht es bei den Laternenfesten rund um Sankt Martin aus, die von den Einrichtungen organisiert werden. Hier heißt es: „Im Hinblick auf St. Martin empfehlen wir unseren Kitaträgern, dieses Laternenfest nur in der Kindergruppe und unter Ausschluss der Eltern zu feiern.“ Andrea Gerth, die beim Paritätischen Fachberaterin für die Kitas ist, betont: „Es ist momentan nicht denkbar, zum Laternenumzug die Eltern einzuladen.“ Stattdessen planten viele Einrichtungen, mit den Kindern im kleinen Kreis etwa im Garten zu feiern. Für Halloween hat sie einen ganz pragmatischen Vorschlag: Warum nicht mit den Kindern bei den drei besten Freundinnen klingeln? Denn strikte Verbote lösten oft diffuse Ängste aus. Gerade für die Jüngeren sei die aktuelle Situation nur schwer nachvollziehbar. „Sie sind emotional ohnehin schon stark belastet.“

Nicht nur die Kinder sind verunsichert. „Unheimlich viele Eltern haben Angst“, sagt Michael Mittelstaedt, der Vorsitzende des Landeselternbeirats. Er habe in der vergangenen Woche Hunderte Zuschriften bekommen, so viele wie noch nie. Sein Fazit: „Wenn so viele Angst haben, dann sollten die anderen darauf Rücksicht nehmen und eben mal ein Jahr nicht von Haus zu Haus ziehen. Schließlich haben wir alle unsere Restriktionen.“

Möglichst kein Martinsumzüge

„Wir empfehlen, keine Martinsumzüge zu veranstalten und auch nicht an solchen teilzunehmen, da die Gefahr besteht, dass auf diesem Wege Covid-19-Infektionen in die Kindertageseinrichtungen getragen werden können“, so die Evangelische Kirchenpflege Stuttgart. Dasselbe gelte für das Von-Haus-zu-Haus-Gehen.

Von der Diözese Rottenburg-Stuttgart hingegen gibt es zu Halloween keine Empfehlungen, da es sich schließlich um kein christliches Fest handle. Gleichwohl gelte natürlich, jeden unnötigen Kontakt zu vermeiden. Ein Sankt-Martins-Umzug, zu dem eine öffentliche Einladung durch die Kirchengemeinde erfolgt, sei nach der Corona-Verordnung zwar möglich. „Aufgrund der aktuellen Lage empfehlen wir jedoch dringend, genau zu prüfen, ob ein Martinsumzug überhaupt stattfinden soll.“ Den Kindergärten lege man nahe, die Martinsfeiern auf die jeweilige Gruppe zu beschränken. „Von Feiern gemeinsam mit Eltern und/oder Geschwisterkindern und/oder der Gemeinde in der Einrichtung raten wir dringend ab.“

Das Haus der Familie in Bad Cannstatt hat eine charmante Idee aufgegriffen und regt via Facebook dazu an, zusammen mit den Kindern Laternen für die Fenster zu Hause zu basteln. Die Aktion Laternenfenster, gestartet von Jennifer Brenzinger aus St. Leon-Rot, läuft vom 1. bis zum 11. November. Und sie geht so: Kinder sollen mit ihren Eltern Laternen basteln, diese in ein Fenster möglichst zur Straße hin hängen oder stellen und mit LED-Lichtern beleuchten. Auf diese Art könnten sie, wie es das Haus der Familie formuliert, „im Sinne des heiligen Sankt Martin Hoffnung in dieser belastenden Zeit verbreiten“.

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