Das Maskottchen der Bundesgartenschau ist der rosafarbene Zwerg. Auch die Fahrer der Europa Orient Rallye mussten Mitte Mai zunächst eine Zwergenmütze nähen, bevor sie losfahren durften. Foto: Bundesgartenschau

Die Bilanz der Bundesgartenschau fällt zur Halbzeit einstimmig positiv aus: Die Mischung aus Architekturschau und Sommerfestival hat bereits die Hälfte der erwarteten 2,2 Millionen Besucher nach Heilbronn gelockt.

Heilbronn - Die Attraktion im „Salzgarten“ auf der Buga ist ein vier Tonnen schwerer Salzblock aus den Tiefen des Salzbergwerkes, das teilweise unter dem Gelände der Bundesgartenschau liegt. Als er angeliefert wurde, war er hässlich und grau, doch nun, da er Wind und Wetter ausgesetzt war, sieht er allmählich aus wie italienischer Marmor, seine Kristalle blinken im Sonnenlicht.

So ähnlich hat sich in Heilbronn auch die Einstellung zum Projekt Bundesgartenschau gewandelt: Viele sahen schwarz, manche grau, aber jetzt scheint es, als halte die viel beschworene Jahrhundertchance das, was sich die Macher und Veranstalter von ihr versprochen haben. Unisono heißt es, Heilbronn wirke bunt und fröhlich. Der Wengerter Martin Heinrich, der die Präsenz des Heilbronner Weins organisiert, sagt „Das ist das Heilbronner Sommermärchen!“ Er könne sich nicht erinnern, in den vergangenen 50 Jahren die Stadt jemals so aufgeschlossen, heiter und gut gelaunt erlebt zu haben.

90 000 Dauerkarten sind verkauft worden

Auch OB Harry Mergel kann beruhigt dem Tag entgegensehen, an dem abgerechnet wird. Dafür, dass die Kostenkalkulation von 2012 stammt, gibt es bis dato keinen nennenswerten Probleme, als Kostenpuffer sind 9,2 Millionen Euro eingestellt. Die große Überraschung sind die Dauerkarten: 35 000 waren maximal einkalkuliert, jetzt sind es schon mehr als 90 000. Und just zur Halbzeit ist auch genau die Hälfte der avisierten 2,2 Millionen Besucher gekommen. Mergel rechnet damit, dass sich Heilbronn als touristische Destination weiter durchsetzen werde, 80 Prozent der Besucher kommen aus einem Radius von zwei Stunden Entfernung, darunter auffallend viele Schweizer. 87 Prozent aller Heilbronn-Besucher kamen wegen der Buga, drei von vier wollen wiederkommen, wie aus einer Besucherbefragung hervorgeht. Tatsächlich muss Katrin Halter vom Büro des OB für all die vielen Besuchergruppen fast jeden Tag fünf „offizielle Begrüßungen“ organisieren, in der neuen Jugendherberge auf dem Gelände haben schon 80 Tagungen stattgefunden, rund 40 000 Besucher haben an Führungen teilgenommen.

Die Stadt hat ihr Image erfolgreich verändert

Wen man auch fragt, es herrscht Einigkeit darüber, dass Heilbronn einen Imagewandel erlebt, dass die Stadt Leichtigkeit ausstrahle und damit auch eine andere Außenwahrnehmung bekommen habe. Die Landtagsabgeordnete Susanne Bay (Grüne) erzählt, dass sie in Stuttgart quer durch alle Fraktionen nur positive Reaktionen zu hören bekomme und Alexander Throm (CDU) sagt, dass die Buga auch in Berlin ein Thema sei: „Besonders der Aspekt des nachhaltigen Bauens mit einer Mischung aus frei finanziertem Wohnungsbau und Sozialwohnungen, bei gleichzeitigen hohen architektonischen Ansprüchen, trifft auf großes Interesse.“

An den Preisen der Gastronomie gibt es Kritik

Ein Erfolgsfaktor der Buga ist nach Ansicht von OB Mergel ihr Festival-Charakter, unter anderem mit Mozarts „Gärtnerin aus Liebe“ und weiteren Open-Air-Klassik-Veranstaltungen, organisiert vom Württembergischen Kammerorchester und dem Theater Heilbronn. Da lagerten rund um die Bühnen Besucher im Gras, picknickten und hörten Mendelsohns „Sommernachtstraum“, rund 17 000 Besucher waren es bisher.

Jochen Sandner, der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft sagt, Bundesgartenschauen seien immer auch ein Programm der Stadterneuerung gewesen. Keine andere Buga habe dies bisher so unter Beweis gestellt wie die Heilbronner mit dem „Neckarbogen“. Hier werde ein neues Kapitel aufgeschlagen, „visionär und emotional.“

Einziger Makel: Die Gastronomie kommt nicht so gut an, vor allem am Preis-Leistungsverhältnis gibt es Kritik. Freuen kann sich dafür die innerstädtische Gastronomie. Im Durchschnitt gibt jeder Buga-Besucher 14,40 Euro aus (ohne Eintritt) und dann im Schnitt noch mal 4,10 in der Stadt – etwa doppelt so viel wie beispielsweise zuletzt in Koblenz.

Die Buga profitiert auch von der Remstal-Gartenschau

Zufrieden ist man auch bei der Remstal-Gartenschau, die zurzeit in 16 Kommunen stattfindet. Die Konzepte der Schauen könnten unterschiedlicher kaum sein, die Buga ist mit einer Fläche von 40 Hektar relativ klein, dafür kompakt. Die Remstal-Gartenschau streckt sich der Rems entlang und kostet nur an zwei Stellen Eintritt, in den Erlebnisgärten in Schwäbisch Gmünd und Schorndorf. „Das Interesse an unseren beiden Gartenschauen ist im ganzen Land spürbar“, sagt Thorsten Englert, der Remstal-Gartenschau-Geschäftsführer. Die beiden Ausstellungen scheinen in ihrer Unterschiedlichkeit ein durchaus unterschiedliches Publikum anzusprechen. Doch es gibt auch Doppelbesucher. Buga-Gäste können mit ihrem Buga-Ticket die Erlebnisgärten in Schorndorf und Gmünd kostenlos besuchen; bisher hat man im Remstal 300 solcher Besucher gezählt. Die Heilbronner profitieren eher von der Kooperation. Denn die Remstal-Gartenschau-Gäste bekommen günstigere Buga-Tickets; davon hat man laut einer Sprecherin bereits 1500 verkauft. Bisher wurden mehr als 71 000 Dauerkarten und 50 000 Tagestickets für die Remstal-Schau ausgegeben.

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