Hohe Preise und lange Lieferzeiten vieler Produkte machen Baustellen und sogar Bestandsgebäude für Kriminelle interessant. Begehrt sind Wärmepumpen. Das kann ungeahnte Folgen für die Besitzer haben – wenn sie nicht vorgesorgt haben.
Leicht gemacht haben es sich die Täter nicht, soviel muss man ihnen lassen. Es gibt Diebesgut, das weniger wiegt und nicht so aufwendig abtransportiert werden muss wie die Beute, die sie Mitte Oktober in Weil der Stadt (Landkreis Böblingen) gemacht haben. Eine komplette Wärmepumpenanlage verschwand da von der Baustelle eines Mehrfamilienhauses. Die Geräte waren noch nicht eingebaut und standen auf einer Palette hinter dem Bauzaun. Gewicht: 320 Kilogramm.
Ein Einzelfall? Mitnichten. Ähnliches vermeldet die Polizei von einem Grundstück in Kernen im Remstal (Rems-Murr-Kreis). Dort wurde bereits im März ebenfalls eine komplette Heizungsanlage mit Wärmepumpe gestohlen, die noch auf den Einbau wartete. „Die Anlage war unheimlich schwer, rund 340 Kilogramm. Um so etwas mitzunehmen, braucht es entsprechende Gerätschaften und ein geeignetes Fahrzeug“, sagt ein Polizeisprecher. Gelohnt hat sich der bisher nicht aufgeklärte Diebstahl für die Täter allerdings schon: Der Wert der Wärmepumpe beträgt 20 000 Euro.
Noch häufen sich solche Diebstähle nicht massiv, doch es gibt Anzeichen für einen neuen Kriminalitätstrend. Angesichts steigender Preise für Baumaterialien und Geräte sowie gleichzeitiger Schwierigkeiten in vielen Lieferketten sind Baustellen, aber zunehmend auch bereits bestehende Gebäude interessant für Diebe. „Da fährt der Transporter mit drei Leuten im blauen Anton vor und nimmt die Wärmepumpe mit“, beschreibt Ottmar Wernicke, Geschäftsführer von Haus und Grund Württemberg, das Phänomen. Man höre das immer wieder auch von bereits verbauten Anlagen, bei denen dann die Außenelemente verschwänden. Und man gehe davon aus, dass es angesichts der stark steigenden Zahl von Wärmepumpen künftig häufiger zu solchen Fällen komme.
Nun sind Baumaterialien und Geräte schon seit längerem für Kriminelle interessant. In Leonberg (Landkreis Böblingen) etwa gab es am vergangenen Wochenende den Klassiker: Dort verschwanden mehrere große Kupferkabeltrommeln im Wert von rund 15 000 Euro. Kupfer erfreut sich bei Dieben – je nach aktuellem Materialwert – immer wieder großer Beliebtheit. Zwischendurch war Holz sehr gefragt. Auch Baugeräte, Maschinen oder neuerdings sogar angelieferte Fenster werden erbeutet. „Viele Baustellen werden inzwischen mit Kameras überwacht“, weiß Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus und Grund Stuttgart. Er erinnert sich sogar an einen Fall vor einiger Zeit, bei dem aus dem Keller eines Altbaus eine komplette Heizungsanlage ausgebaut wurde und verschwand.
Bis zu 400 Kilo werden abtransportiert
Eine statistische Erfassung ist kaum möglich, weil sich solche Taten schwer unter einem einzelnen Stichwort festhalten lassen. Zudem schwanken die Zahlen offenbar in den verschiedenen Städten und Landkreisen. Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg hat sich dennoch in diesem Jahr an einer Sonderauswertung speziell für Wärmepumpen versucht. „Sie ergab für 2023 Fallzahlen im unteren zweistelligen Bereich für Baden-Württemberg“, sagt Sprecherin Nadine Hell. Die Datenbasis sei aber nicht sicher, die Statistik nicht abschließend.
Fest steht jedoch: Fälle gab es in diesem Jahr bisher bei den Polizeipräsidien Aalen, Freiburg, Mannheim, Konstanz, Offenburg, Ludwigsburg und Stuttgart. „Der Diebstahl findet bei der Mehrzahl der Fälle auf Baustellen oder in Rohbauten statt. Teilweise sind diese frei zugänglich und die Wärmepumpe befindet sich in einem unverschlossenen Raum oder wird dort unbeaufsichtigt vorübergehend gelagert“, so die Sprecherin. Bei einem Gewicht von 200 bis 400 Kilogramm müsse die Verladung mit technischen Hilfsmitteln und das Wegschaffen zumindest mit einem Transporter erfolgen.
Versicherung zahlt nicht immer
Für die Eigentümer kann das sehr unangenehme Folgen haben. Nicht nur, weil laut Wernicke manche dann aufgrund von Lieferengpässen monatelang ohne Heizungsanlage dastehen. Sondern auch, weil nicht in allen Fällen die Versicherung zahlt. „Wir haben eine Abfrage bei Versicherern gemacht und festgestellt: Der Diebstahl von Wärmepumpen ist nicht immer in der Gebäudeversicherung mit drin.“ Eine Versicherungslücke gebe es manchmal auch auf Baustellen. Man empfehle Hausbesitzern deshalb, das rechtzeitig abzuklären – und zu eigenen Maßnahmen zu greifen: „Man sollte sich überlegen, ob Gitter oder eine Alarmanlage infrage kommen.“