Der Ludwigsburger Bahnhof gehört zu den hässlichsten der Region. Die Stadt würde das gerne ändern. Ob daraus auf absehbare Zeit etwas wird, ist allerdings fraglich.
Der Ludwigsburger Bahnhof galt und gilt vielen als Schandfleck und als einer der hässlichsten in der Region. Doch vieles ist im Werden. Oberbürgermeister Matthias Knecht misst dem „Gesamtprojekt Bahnhof“ eine überragende Bedeutung bei – und an den allermeisten Stellen sieht er auch gute Fortschritte. Nur an einer nicht.
Die große Frage: Wie geht es weiter mit dem Bahnhofsgebäude? Die Vision, dass aus dem unübersichtlichen, dunklen und verwinkelten Gebäude mit der ständig überfüllten Unterführung ein Ort wird, den Menschen gerne besuchen, gibt es schon lange. Bereits Knechts Vorgänger Werner Spec hatte große Pläne, großartig verbessert hat sich immer noch nichts. „Wir sind nicht so weit, wie wir uns das vorstellen“, konstatiert auch Matthias Knecht, „aber das liegt nicht an uns.“ Während die Verwaltung bei den Projekten auf dem Areal drumherum sozusagen am Steuer sitzt, ist sie beim Bahnhofsgebäude nur Beifahrer und ein Stück weit zum Zuschauen verdammt. Denn es gehört dem Münchner Immobilienentwickler Dibag. Der hatte zwar in der Vergangenheit immer mal wieder signalisiert, etwas ändern zu wollen. Bislang blieb es bei Lippenbekenntnissen.
Welche Probleme gibt es konkret? Der Bahnhof in Ludwigsburg ist mehr ein „Kaufhaus mit Gleisanschluss“ als ein Ort zum Ankommen. Sich als Ortsunkundiger zu orientieren, ist schwierig, der Weg zum Busbahnhof zu weit. Außerdem gibt es keine attraktiven Aufenthaltsmöglichkeiten vor und im Gebäude, das zudem große Defizite in Sachen Barrierefreiheit hat. Seitdem der Spielwarenriesen Toys “R“ Us vor viereinhalb Jahren die Segel strich, steht die mit 3000 Quadratmetern größte Ladenfläche leer.
Matthias Knecht redet nicht drumherum: Aus seiner Sicht war es ein großer Fehler, das Bahnhofsgebäude aus der Hand zu geben, auch wenn seine Vorgänger dafür Gründe gehabt hätten. Ein Rückkauf ist keine Option, weil die Stadt dafür kein Geld hat.
Was plant der Besitzer? Das ist unklar. Schon in der Vergangenheit ließ die Dibag Fragen bezüglich der Nutzung und der grundsätzlichen Strategie unbeantwortet. So auch dieses Mal. Laut Oliver Linder vom Fachbereich Stadtplanung und Vermessung spitzt sich der Konflikt nicht darauf zu, dass der Eigentümer weiter ausschließlich auf Einzelhandel setzen und die Stadt beispielsweise nur Büros wolle. Vor allem bei der Frage, wie man das Erdgeschoss gestalte und wie viel Fläche für Fahrgäste beziehungsweise Läden bereitgestellt würden, sind sich die Parteien uneins.
Was hätte die Stadt gerne? Der Bahnhof soll so umgestaltet werden, dass er seiner Rolle als „zentraler Stadtbaustein“ gerecht wird. Das würde eine generelle Neuplanung des Erdgeschosses nach sich ziehen. Den Einzelhandel würde die Stadt Ludwigsburg lieber in der Innenstadt konzentrieren und stattdessen die „Mobilitätsfunktion“ stärken.
Wie geht es mit dem Busbahnhof weiter? Der ZOB soll einmal die „zentrale Mobilitätsdrehscheibe“ werden. Den Entwurfsbeschluss für das Areal soll der Gemeinderat in der zweiten Jahreshälfte absegnen, eher im Herbst als noch vor der Sommerpause. Die Umbauarbeiten können dann frühestens im Herbst 2024 beginnen – dann aber richtig.
Mehr Platz für Busse und die Stadtbahn, die einmal dort halten wird, und gleichzeitig kürzere Wege für diejenigen, die sie nutzen. Dieser kniffligen Aufgabe stellen sich die Planer. Dazu muss die Ladenzeile, die den Busbahnhof von den Schienen trennt, abgerissen werden. Dadurch werden rund 1700 Quadratmeter an Fläche frei. Vor dem Eingang zum dm-Drogeriemarkt – vis à vis der Musikhalle – soll ein neuer Platz entstehen, der als Verteiler der Pendlerströme dient.
Welche Schwierigkeiten gibt es dabei? Zu den Herausforderungen, die sich zuletzt ergeben haben, gehört, dass die Stadtbahnen deutlich länger werden, als ursprünglich angenommen: 80 statt 40 Meter. Deshalb wurden die Haltesteige noch einmal leicht verändert. In einem Rutsch kann der Umbau allerdings nicht realisiert werden, weshalb der Busbahnhof abschnittsweise gesperrt wird. Vom Busverkehr abgeschnitten werden kann der Bahnhof nicht. Die Haltestellen von neun Linien werden deshalb auf die Westseite (bei der MHP-Arena) verlegt; der Taxistand ebenfalls. Wo welcher Bus fährt, soll auch während der Baustelle schnell erkennbar sein.
Wie geht es mit dem Franck-Areal weiter? Mit der Neugestaltung des Franck-Areals sind die Verantwortlichen zufrieden. „Auch die Zwischennutzung funktioniert gut“, sagt Matthias Knecht. Mit einem Konzeptverfahren soll geprüft werden, ob gute Ideen tatsächlich auch gebaut werden können. Dafür haben sich fünf Teams aus Architekten und Investoren – mehr wollte die Stadt ohnehin nicht – beworben, die bis zum kommenden Jahr Angebote erarbeiten. Die Vergabe erfolgt im nächsten Sommer. „Gerade im Hinblick auf die Situation im Baugewerbe sind wir mit dem Verfahren bisher sehr zufrieden“, sagt Knecht.
Was ist sonst um den Bahnhof geplant? Eine wichtige Rolle bei der Mobilitätswende spielt das Rad. Für ein neues Radparkhaus auf dem Schillerdeck wurde bereits im vergangenen Sommer der Bauantrag eingereicht, das Genehmigungsverfahren läuft. Insgesamt sollen 700 Abstellplätze entstehen. Auch ein Verkehrsgutachten, über welche Routen die Radstation am besten erreichbar ist, ist beauftragt. Zwar haben Anlieger Widerspruch eingelegt, die Hindernisse hält Oliver Linder allerdings für „überwindbar“. Letztlich sei dies Sache des Regierungspräsidiums.