Einer der Zwischenhändler ist verurteilt worden – er hat gegen Mitbeteiligte und Hintermänner als Kronzeuge ausgesagt. Dadurch ist die Bande aufgeflogen. Foto: dpa

Das Geständnis eines Drogendealers hat die Justiz auf die Spur eines Drogenrings gebracht. Verkauft wurde in Ludwigsburg-Eglosheim. Auch Hintermänner in den Niederlanden sind verhaftet.

Ludwigsburg - Für Polizei und Justiz ist es immer schwierig, die Zwischenhändler oder gar die Drahtzieher bei einem Drogenhandel zu verurteilen. Um so ungewöhnlicher ist, dass vor dem Stuttgarter Landgericht nicht nur die Konsumenten angeklagt wurden, sondern auch Dealer, die wesentlich weiter oben in der Befehlskette stehen. Dabei reichen die Verbindungen von Ludwigsburg und Pleidelsheim bis hinein in die Niederlande.

Aber ganz von vorne: aktuell ist ein 31-jähriger Mann aus Ludwigsburg-Eglosheim verurteilt worden, der sowohl selbst Drogen konsumiert als auch damit gehandelt hat, unter anderem mit Beuteln, die mit bis zu 500 Gramm Marihuana oder Kokain gefüllt waren. Der Mann muss für vier Jahre ins Gefängnis, der Gewinn von 21 000 Euro wurde eingezogen. Das ist allerdings nur die Spitze des Eisberges. Mindestens anderthalb Jahre lief ein florierender Handel, so die Staatsanwaltschaft. Der 31-Jährige war sogar bewaffnet, um bei Konflikten seinen Handel aufrecht zu halten.

Ein Zwischenhändler als Kronzeuge

Doch der Eglosheimer ist in der Kette der Dealer ein eher kleiner Fisch. Er ist überhaupt nur aufgeflogen, weil sein Zwischenhändler, der 37-Jährige Daniel K. aus Pleidelsheim, ihn verpfiffen hatte. Dieser wurde bereits im Februar verurteilt, und ist eine größere Nummer: Er hat im großen Stil mit Marihuana, Haschisch, und Ecstasy und harten Drogen gehandelt. Auch er hatte ein Waffenarsenal, um seine Geschäfte abzusichern. So berichtete er vor Gericht, dass sein Tresor mit Rauschgift aufgebrochen worden sei und die Drogen gestohlen wurden. Dadurch habe er Probleme mit den Niederlanden bekommen.

Allein 5000 Aufputschpillen wurden bei Daniel K. gefunden, zudem hatte er eine Cannabis-Plantage im Keller seines Bruders angelegt. Er erhielt viereinhalb Jahre Haft und entging einer höheren Strafe, weil er als Kronzeuge ausgesagt hat.

Er hat ohne viel Federlesens Abnehmer, Mittelsmänner und andere Händler verraten, darunter ehemals gute Freunde. Und sie damit für die Behörden dingbar gemacht. „Die Kronzeugenregelung gilt auch für Drogendelikte“, erklärt Johannes Fridrich, der Sprecher des Landgerichts.

Die Tante in Rotterdam vermittelt Koks

Es sei ungewöhnlich, dass man an die Hintermänner komme, meistens schwiegen die Händler eisern. Ludwigsburg ist kein Schwerpunkt des Drogenhandels – es wurde lediglich eine Handelsstruktur aufgedeckt, die es in allen Städten gibt. Der Umschlagplatz der Gruppe war übrigens der Ludwigsburger Stadtteil Alt-Eglosheim.

Durch die Aussage wurde noch ein weiterer Mann angeklagt und verurteilt. Der 36-Jährige war ebenfalls Händler und Konsument, und soll über eine Tante in Rotterdam Kontakt zu einem noch größeren Kokain-Händler in den Niederlanden gehabt haben. Er erhielt vier Jahre und zwei Monate Haft, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Damit noch nicht genug: Auch ein 32-Jähriger steht vor Gericht, der Prozess wird im September fortgesetzt. Er soll ebenfalls ein Abnehmer von Daniel K. gewesen sein, dem Zeugen der Anklage.

Offenbar plant die Staatsanwaltschaft zudem, einen weiteren Drogenhändler anzuklagen, der eine Etage höher angesiedelt ist als Daniel K. Zwar gestaltet es sich schwierig, an die holländischen Großhändler heranzukommen. Es sind aber weitere Personen des Drogenrings verhaftet worden, darunter auch Personen aus den Niederländen. Um den Kronzeugen zu schützen, musste er teilweise in den Prozessen nicht gegen seine Kumpanen aussagen.

Hintermänner aus Holland verhaftet

Drei Drogen-Handelsstränge konnte die Justiz so identifizieren: Marihuana wurde über fünf Personen abgewickelt, darunter Daniel K. und die bereits verurteilten 31- und 36-Jährigen. Ein weiterer Prozess gegen ein Mitglied der Haschisch-Connection beginnt im September.

Kokain wurde ebenfalls über Daniel K. und den in Haft sitzenden 36-Jährigen abgewickelt. Und im Hintergrund stehen zwei Holländer. Die Kronzeugenregelung und die Aussage von Daniel K. haben somit eine Prozesslawine ausgelöst. Eines haben übrigens alle Angeklagten gemeinsam: Sie geben stets an, bei Marihuana „selbst ihr bester Kunde“ gewesen zu sein.

Ständiger Kampf
Ein großer Schlag gegen Drogenhändler konnte die Polizei im Mai 2016 verkünden, zwölf Wohnungen in Stuttgart, im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus wurden durchsucht. Im Frühjahr dieses Jahres beschwerten sich Anwohner des Stuttgarter Leonhardviertels über ausufernden Drogenverkauf. Im Juli fand die Polizei in Bondorf im Kreis Böblingen durch Zufall eine riesige Marihuana-Plantage.

Überblick Landesweit hat die Polizei im vergangenen Jahr 40 000 Rauschgiftdelikte gezählt, vor allem Cannabis, Kokain, Ecstasy, Amphetamine und Heroin sind verbreitet. Es gab 2016 im Land 170 Drogentote, ein Anstieg von 20 Prozent. Allein an selbstgemischten Alternativ-Drogen starben 14 Personen.

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