Würde die Schozach-Bottwartalbahn durch die Murrer Durchgangsstraße geführt, müssten zuvor Gebäude weichen. Foto: Archiv (Ralf Poller/Avanti

Laut einem Gutachten hätte eine Schienentrasse durch die Ortsmitte längere Fahrzeiten und Mehrkosten zur Folge. Und ein aktuelle Schätzung zeigt: das Projekt wird ohnehin schon teuer genug.

Auf welchem Weg die Schozach-Bottwartalbahn von Marbach nach Heilbronn rollen könnte, zeigt sich am 18. März. Dann entscheidet der Heilbronner Kreistag, ob die Variante ab Beilstein über Ilsfeld und Talheim oder jene über Ilsfeld-Auenstein, Abstatt und Untergruppenbach vertiefend analysiert wird. Dass sich die Strecke im Kreis Ludwigsburg an der Trasse der früheren Bottwartalbahn orientiert und von Marbach über Murr, Steinheim, Großbottwar und Oberstenfeld nach Beilstein führen sollte, ist indes gesetzt. Offen war nur, wo die Gleise in Murr verlegt werden sollen. Doch auch dafür zeichnet sich nun eine Übereinkunft ab.

 

Für die Schiene nicht geeignet

Die Planer hatten vorgeschlagen, die Stadtbahn wie vor der Stilllegung vor Jahrzehnten am südlichen Ortsrand pendeln zu lassen. In Murr selbst sahen das die Verantwortlichen kritisch, verwiesen darauf, dass sich die Siedlungsaktivitäten in nordwestliche Richtung entwickelt hätten, sodass sogar eine Verschlechterung der ÖPNV-Anbindung befürchtet wurde. Also wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das eine Trassenführung über die zentrale Hindenburgstraße untersuchen sollte. Das Ergebnis liegt jetzt vor. „Die Ortsdurchfahrung von Murr ist baulich nicht für die Führung der Stadtbahn geeignet“, heißt es im Resümee der Fachplaner.

Vier Minuten länger unterwegs

„Das hätte enorme bauliche Auswirkungen, einzelne Gebäude müssten abgerissen werden“, erklärt der Bürgermeister Torsten Bartzsch. Dazu kämen verkehrliche Auswirkungen. Womöglich müsste die Hindenburgstraße zur Einbahnstraße umfunktioniert werden, was eine Verlagerung der Autos in Nebenstraßen nach sich ziehen würde. Außerdem dauere die Fahrt mit der Bahn dann länger, laut Gutachten vier Minuten. Die Strecke wäre ebenfalls länger, der Bau insgesamt aufwendiger und damit teurer, wie Bartzsch ausführt. Dabei gehe eine aktuelle Schätzung ohnehin schon von Kosten von bis zu 600 Millionen Euro für das Gesamtvorhaben aus. Zuletzt war von rund 250 Millionen Euro die Rede. „Wir hatten uns um eine Optimierung bemüht. Doch nüchtern betrachtet macht eine Trasse durch den Ort hindurch keinen Sinn“, so Bartzsch.

Deshalb schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Variante nicht weiterzuverfolgen. Zugleich wolle man darauf pochen, dass bei den weiteren Untersuchungen Lösungen vorgelegt werden, wie die Gebiete abseits der Bahn erschlossen und eine gute ÖPNV-Verbindung im Ort gewährleistet werden kann, betont Bartzsch.