Sie ist so stark und fest wie eine deutsche Eiche. Die uralte Esche im Merkelpark in Esslingen ist ein rüstiger Senior. Doch nun haben ihr Gewitterstürme zugesetzt. Doch das Grünflächenamt gibt Entwarnung: Der Baum kann gerettet werden.
Esslingen - Sie ist in die Jahre gekommen – aber sterben muss sich noch lange nicht. Eine uralte Esche im Merkelpark wird trotz schlimmer Schäden überleben. Das Grünflächenamt der Stadt Esslingen hat Soforthilfemaßnahmen eingeleitet.
Sie ist so alt wie der biblische Methusalem. Oder vielleicht hat sie sogar noch mehr Jahre auf dem Buckel. Südwestlich der Villa Merkel im alten Teil des Parks ist eine Esche die prägende Erscheinung. Die etwa 160-Jährige mit einem Stammumfang von 5,70 Metern und einer Höhe von 32 Metern sticht sofort ins Auge. Die Uralte gehört einer robusten Spezies an: Eschen können ein Alter von 250 bis 300 Jahren erreichen und gehören mit bis zu 40 Metern Höhe zu den höchsten europäischen Laubbaumarten, teilt das Grünflächenamt der Stadt Esslingen mit.
Eine vitale Seniorin
Die riesige Seniorin im Merkelpark ist für ihr Alter noch rüstig und fidel. Das Eschentriebsterben konnte ihr nichts anhaben. Diese Erkrankung wird durch einen Pilz hervorgerufen und schädigt Eschen jeglichen Alters in Feld, Wald und Flur bis hin zum Absterben. Doch bei einer Routinekontrolle wurde nun festgestellt, dass die vitale Seniorin nicht mehr ganz so vital ist. Ihr Stamm hat einen Riss bekommen, der wohl auf heftige Bewegungen der mächtigen Baumkrone bei einem Gewittersturm zurückzuführen ist. Die Fachleute vom Grünflächenamt fackelten nicht lange: Die Krone wurde entlastet. Durch einen Rückschnitt der Hauptäste wurden Gewicht und Windangriffsfläche reduziert, um eine Gefährdung von Parkbesuchern zu verhindern. Vorsorglich wurde das Baumumfeld abgesperrt.
Rettungsmaßnahmen laufen an
Es folgten eingehende Untersuchungen des Baumes von der Hubarbeitsbühne aus und eine Auswertung der Daten. Die gute Nachricht: Durch gezielte baumpflegerische Arbeiten kann der Baum erhalten werden. Die Krone wird auf eine Höhe von etwa 14 Meter eingekürzt, um den Baum in einen verkehrssicheren Zustand zu versetzen. In der verbleibenden Krone werden zusätzlich Sicherungen eingebaut, um die Äste vor dem Ausbrechen und Herabfallen zu bewahren. Auch der Stamm erhält eine Sicherung aus einem speziellen Textilband.
Ständige Überwachung ist nötig
„Der Kronenrückschnitt wird das Erscheinungsbild der Esche erheblich verändern. Dennoch ist eine Fällung nur die letzte Option. Denn die alte Esche, Bestandteil des Ensembles großer alter Parkbäume im Park der Villa Merkel, ist auch im Hinblick auf den Artenschutz weiterhin wertvoll“, teilt das Grünflächenamt mit. Der alte Baum mit seinen Höhlungen biete Lebensraum für unzählige Insektenarten, Vögel und Säugetiere.
An botanische Rettungsmaßnahmen ist die Behörde ohnehin gewöhnt. Eine alte Buche in der Nähe der Veranda der Villa Merkel wurde mit Holzbalken gegen ein Umstürzen abgesichert. Die Kronenvolumina von Buche und Esche könnten so jahrelang als grüne Lungen weiter bestehen, versichert das Grünflächenamt. Neupflanzungen würden auch in Jahrzehnten nicht die Verdunstungsleistung und Sauerstoffproduktion großer Baumkronen ausgleichen können. „Natürlich werden wir den Baum weiterhin sorgfältig im Auge behalten“, sagt Baumfachmann Florian Pietsch. Veränderungen in seiner Vitalität würden genau beobachtet. Regelmäßige Kontrollen und Kürzungen der neuen Austriebe werden erforderlich bleiben. Die Seniorin braucht eben Pflege.