Auch das Füttern von Kühen will gelernt sein Foto: Oliver Willikonsky/Lichtgut

Im Rahmen des 100. Landwirtschaftlichen Hauptfestes auf dem Wasen macht das Grüne Klassenzimmer Ackerbau und Nutztierhaltung erfahrbar.

stuttgart - „Das Grüne Klassenzimmer vorzustellen, während mir die Kühe über die Schulter sehen, erscheint mir sehr passend“, sagt Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium am Mittwochmittag. Der Möhringer Reyerhof, der als Ort für das Pressegespräch gewählt wurde, steht mit seiner ungewöhnlichen Lage stellvertretend für ein Hauptanliegen des Programms. Das Grüne Klassenzimmer, das im Rahmen des 100. Landwirtschaftlichen Hauptfests auf dem Cannstatter Wasen angeboten wird, soll Kindern und Jugendlichen Nutztiere und Pflanzen mittels direkter Erfahrungen näherbringen. 25 Unterrichtseinheiten und Führungen vermitteln Wissen über Schafsrassen, moderne Schweinehaltung, Flora und Fauna auf Streuobstwiesen oder digitale Messmethoden in der Landwirtschaft.

Das eigene Erleben zählt

„Das eigene Erleben ist durch nichts zu ersetzen“, sagt Klaus Mugele, Vizepräsident des Landesbauernverbandes. Ein weiterer Bonus sei die Vermittlung vieler Themen durch Jungbauern. Die Schüler erführen alles aus erster Hand. Wie das aussehen kann, zeigt Landwirtin Katrin Henry in einer exemplarischen Lerneinheit: Sie bringt einer Gruppe von Kindern das Fleckvieh näher.

Zehn Exemplare dieser Rasse leben auf dem Reyerhof. Eine von ihnen dürfen die jungen Landwirtschaftsinteressenten im Melkstand genauer betrachten. Henry erklärt derweil, dass die Hörner der Kühe auch für die Kommunikation wichtig sind und was die Tiere fressen. Helge (10) kann bereits mit eigenem Fachwissen auftrumpfen. Er weiß, dass das Kleegras, das die Rinder bekommen, Silage heißt, wenn es für den Winter haltbar gemacht wird. Und woraus wird Butter gemacht? „Aus Milch?“, fragt ein Mädchen vorsichtig. Fast. Kurze Zeit später stehen alle auf dem Hof und schütteln in geschlossenen Gläsern Sahne zu Butter. Auch Friedlinde Gurr-Hirsch lässt es sich nicht nehmen mitzumachen. „Bei uns gab es früher eine Buttermaschine mit Kurbel“, erinnert sie sich. Sie dürfte sich heute nur in den wenigsten Haushalten finden.

Mehrwert für kommende Generationen

„Mit dem Grünen Klassenzimmer schaffen wir einen Mehrwert für kommende Generationen“ betont Gerhard Hugenschmidt von bwgrün.de, der Förderungsgesellschaft für Landesgartenschauen. „Wer mehr über Nahrungsmittel und ihre Herkunft weiß, kann sie anders wertschätzen. Wer weiß, wann welches Obst oder Gemüse Saison hat, kann sich bewusster ernähren“, sagt Hugenschmidt. Und wer seine Butter selbst geschüttelt hat, dem schmeckt sie als Brotaufstrich noch mal so gut. Das belegen die zufriedenen Gesichter der Kinder auf dem Reyerhof.

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