Die Natur nutzen und schützen – das wollen die Vertreter der Kommunen. Foto: Simon Granville

Das Leben in Zeiten des Klimaschutzes stellt die Kommunen im Kreis Ludwigsburg vor neue Herausforderungen. Die Grüne Nachbarschaft stellt sich darauf ein.

Neue Wege will die Grüne Nachbarschaft gehen. Weil sich immer weniger Menschen für die Erholung in den Flieger setzen oder mit dem Auto weit wegfahren, arbeiten die Kommunen Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Tamm, Freiberg und Ingersheim verstärkt an neuen Konzepten. Ziel ist es, die Natur daheim erlebbarer zu machen, sie aber auch in ökologisch sensiblen Bereichen zu schützen.

 

Während Corona zog es viele Menschen in die Natur

Die Grüne Nachbarschaft besteht seit 1995, bekannt ist sie vielen Spaziergängern durch den Planetenweg auf den Gemarkungen. Anfangs stand die Aufklärung, etwa über den Wert von Streuobstwiesen oder Wildbienen, im Vordergrund. Dabei ging es immer auch ums Mitmachen bei Projekten. „Das alles wollen wir weiterführen, aber wir sehen auch, dass sich die Welt besonders in den vergangenen drei Jahren verändert hat“, sagt Ulrike Schmidtgen, Fachbereichsleiterin für Tiefbau und Grünflächen der Stadt Ludwigsburg.

Aufgrund der Verbote der Coronapolitik zog es viele Menschen bereits in die nähere Umgebung, um Kraft zu tanken. Dieser Trend setzt sich nun offenbar fort. Viele Bürger besonders im Ballungsraum in und um Ludwigsburg entdeckten ihre Heimat mit neuen Augen, berichtet Ulrike Schmidtgen, die sich am Mittwoch mit den Vertretern der anderen Kommunen im Casa Mellifera in der Grünanlage am Hungersberg in der Kreisstadt traf. Natur erlebbar zu machen, wie es zum Beispiel auch bei den Landschaftsparks an Neckar und Murr realisiert wurde, sei das Ziel.

Viele kleine Projekte statt ein großer Rundweg

Wie die Förderung der Naherholung konkret aussehen kann, steht im Einzelnen noch nicht fest. „Wir gehen davon aus, dass sich insbesondere Menschen mit einer begrenzten Mobilität mehrmals an einem Ort aufhalten möchten“, sagt Ulrike Schmidtgen. Ein Weinberg als Ausflugsziel werde für Familien attraktiver, wenn man sich dort an einem Tisch hinsetzen könne oder wenn es vielleicht auch einen kleinen Automat mit Lebensmitteln in der Nähe gebe.

Der Boom, mit dem Fahrrad oder zu Fuß immer weiter in die Natur vorzudringen, stößt aber auch an Grenzen. Sensible Bereiche müssten unbedingt geschützt werden, findet die Fachbereichsleiterin Schmidtgen. Ein gutes Beispiel dafür, die Menschen für Ökologie zu sensibilisieren, seien die Skulpturen, in denen Kreuzotter, Ringelnatter und Blindschleiche mit ihren Unterscheidungsmerkmalen vorgestellt worden seien. Auch über Totholz-Bereiche habe man informiert. Die Grüne Nachbarschaft kümmere sich zudem um das Instandsetzen von Schildern.

Geplant sei nicht ein großer Rundweg, wie er vor 20 Jahren angelegt worden sei, stattdessen gehe es um viele kleine Projekte etwa zwischen zwei oder drei Kommunen. Dabei spielten Wegeverbindungen eine zentrale Rolle, erklärt der Ludwigsburger Bürgermeister Sebastian Mannl. Die Grüne Nachbarschaft habe eine hohe Strahlkraft, sodass Fördermittel für einzelne Projekte Schubkraft entfalten könnten.

Jede Kommune hat eigene Schwerpunkte

Ins Handeln kommt die Grüne Nachbarschaft bereits in diesem Herbst. Auszubildende der Kommunen sollen den 1997 angelegten Obstgarten auf der Tammer Festwiese erneuern. Die älteren Apfelsorten dort sind offenbar allergieverträglicher als neue. „Bei vielen unserer Projekten gehen wir für die Bürger aus der reinen Informationsvermittlung in die praktische Umsetzung“, sagt Martin Bernhard, Bürgermeister von Tamm, der einen hohen Freizeitwert im Landkreis Ludwigsburg erkennt, auch wenn es relativ wenig Waldflächen gebe.

Jede Kommune habe ihre eigenen Schwerpunkte und könne damit zum Gelingen beitragen, erklärt der Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible. Die Grüne Nachbarschaft sei aber auch deshalb so stark, weil in ihr über den eigenen Tellerrand hinausgeblickt und zusammengearbeitet werde.

Was ist die Grüne Nachbarschaft?

Zusammenschluss
 Die Grüne Nachbarschaft ist seit 1995 ein interkommunaler Verbund der Städte Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen mit den Nachbarn Tamm, Ingersheim und Freiberg. Ursprünglich gehörten auch die Kommunen Kornwestheim und Remseck dem Verbund an.

Zielsetzung
 Hintergrund der Gründung war der Verlust von Freiflächen und die schnelle Zunahme der Siedlungsflächen in der Region. Die Grüne Nachbarschaft will einen durchgehenden Grünzug zwischen den beteiligten Städten und Gemeinden realisieren und ihn von Bebauung freihalten. Die vorhandenen Freiräume werden mit einbezogen und zu wohnungsnahen Erholungs-, Erlebnis- und Naturräumen entwickelt.